Aufruf an Rebellen: Qaida-Chef fordert islamisches Syrien

Zerstörte Häuser nach Luftangriff in Aleppos Viertel Sukkari (7. April 2013): Zahlreiche Tote Zur Großansicht
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Zerstörte Häuser nach Luftangriff in Aleppos Viertel Sukkari (7. April 2013): Zahlreiche Tote

Der Chef von al-Qaida ruft die Aufständischen dazu auf, in Syrien einen islamischen Staat zu schaffen. Die Scharia solle nach dem Sturz Baschar al-Assads das herrschende System werden, heißt es in einer Botschaft.

Hamburg - Der Chef des Terrornetzwerks al-Qaida, Aiman al-Sawahiri, hat die Aufständischen in Syrien dazu aufgefordert, einen islamischen Staat zu schaffen. "Führt euren Kampf im Namen Allahs und mit dem Ziel der Schaffung von Allahs Scharia als herrschendes System", heißt es in der am Sonntag auf islamistischen Websites verbreiteten Botschaft. Der "Feind" sei kurz vor dem Fall, sagte Sawahiri in Bezug auf Syriens Präsidenten Baschar al-Assad, dessen Truppen seit fast zwei Jahren gegen Aufständische kämpfen.

Es handelt sich um die erste Audiobotschafts al-Sawahiris im Internet seit November. Darin warnt er auch Frankreich wegen dessen Vorgehen gegen Islamisten im westafrikanischen Mali. Sollten die Franzosen ihren im Januar begonnenen Einsatz dort fortsetzen, würden sie das gleiche Schicksal wie die USA im Irak und in Afghanistan erleiden, drohte Sawahiri. Nach der Tötung von Osama Bin Laden durch ein US-Spezialkommando im Mai 2011 gilt Sawahiri als neuer Chef des Terrornetzwerks.

Luftangriffe auf Aleppo und Damaskus

In Syrien kamen am Wochenende bei landesweiten Kämpfen nach Angaben von Aktivisten rund 200 Menschen ums Leben - in den Städten Damaskus und Aleppo schlugen Raketen und Mörsergranaten ein. Am Sonntag trafen zwei Raketen das Viertel Sukkari in der nördlichen Stadt Aleppo. Nach Angaben eines Augenzeugen wurden drei mehrstöckige Gebäude vollständig zerstört. Die Helfer bargen 20 Leichen. Zwölf Schwerverletzte seien zur Behandlung in die benachbarte Türkei gebracht worden, hieß es. Insgesamt zählten die Helfer 81 Verletzte.

Am Vortag waren nach Angaben staatlicher Medien mehrere Mörsergranaten im Zentrum der Hauptstadt Damaskus eingeschlagen. Im Viertel Kafr Susa sei dabei mindestens eine Frau getötet worden.

Vier italienische Journalisten verschleppt

Auch Journalisten werden weiterhin Opfer von Angriffen: Rebellen verschleppten vier italienische Reporter in unmittelbarer Nähe zur syrisch-türkischen Grenze, teilten Aktivisten der Opposition mit. Italienische Medien berichteten, die Rebellen stünden al-Qaida nahe. Am Karfreitag war der deutsche ARD-Reporter Jörg Armbruster bei Dreharbeiten in Syrien beschossen und schwer verletztworden.

Nach Uno-Schätzungen sind seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 mehr als 70.000 Menschen getötet worden. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk hat inzwischen 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge in Nachbarländern registriert. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sind 3,6 Millionen notleidende Menschen in Syrien dringend auf Hilfe angewiesen. In Syrien leben derzeit nach Schätzungen noch 20 Millionen Menschen.

dba/AFP/dpa

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Abwarten..........
warndtbewohner 07.04.2013
vielleicht sind die Islamisten ja nur eine Minderheit, wie es ausschaut. Dann ist der Westen auf der richtigen Seite. Falls nein, sollte er schleunigst seine Unterstützungspolitik überdenken..
2. Scharia
rwj 07.04.2013
Tja, das wär doch noch was, ein Scharia-Syrien würde nicht nur den nàchsten Nahostkrieg bedeuten, sondern wir würden auch noch diesem Menschenschlächter Assad hinterherweinen...
3. Wo er recht hat, hat er recht!
albertusseba 07.04.2013
Natürlich wird Syrien ein islamischer Staat, besser: ein islamistischer Staat werden, so oder so, egal, wie sich der "Westen" dort positioniert. Die islamistischen Nachbarn und die salafistischen Gruppierungen haben gründlich vorgesorgt. Unsere "Experten" in den Regierungen sind entweder immer noch zu leichtgläubig oder sie wollen es nicht anders.
4. Warum Scharia fordern?
abc-xyz 07.04.2013
Die Scharia in Syrien ist doch schon seit Jahrzehnten Grundlage der syrischen Justiz.
5. Dank an Westerwelle
Bernhard.R 07.04.2013
Er hat die Rebellen, zumindest rhetorisch, von Anfang an unterstützt. Syrien hatte damals gerade per Volksabstimmung eine neue Verfassung angenommen. Das Parlament war gerade gewählt. Der Präsident war direkt vom Volk gewählt. Nicht jeder Staat besitzt diese Attribute der Demokratie. Wenn dort tatsächlich ein islamistischer Staat geschaffen wird, dann haben wir unserem Außenminister viel zu verdanken.
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