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Syrien: IS und Assad rüsten zur Schlacht um Aleppo

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AFP

Die russischen Angriffe auf Syrien helfen dem Assad-Regime und dem "Islamischen Staat". Beide ziehen nun Truppen rund um Aleppo zusammen. Die erwarteten Gefechte könnten Tausende weitere Menschen zur Flucht zwingen.

Es ist der größte Erfolg des "Islamischen Staates" (IS) seit Monaten: Den Dschihadisten gelingt es, von Norden her immer näher an die Metropole Aleppo heranzurücken und Gebiete zu erobern, die bisher von syrischen Rebellen kontrolliert wurden. Denn die syrischen Rebellen dort sind geschwächt: "Unsere Munitionsdepots wurden von den russischen Kampfjets zerstört", berichtet ein Rebellen-Anführer.

Die syrischen Rebellen werden gerade an mehreren Fronten gleichzeitig unter Druck gesetzt:

  • Von Aleppos Nordosten aus hat der IS eine neue Offensive gegen sie gestartet.
  • Von Hama aus geht das syrische Regime gemeinsam mit iranischen und libanesischen Kämpfern zum Angriff über.
  • Am Freitagmorgen haben die regimetreuen Kämpfer zudem von Aleppos Südwesten aus eine Offensive begonnen.

Die Assad-treuen Kämpfer konnten den Rebellen bisher kaum Gebiete abnehmen. Doch im Norden droht den Rebellen, eine wichtige Nachschubroute an den IS zu verlieren.

Die neuen Offensiven haben kurz nach dem Start des russischen Bombardements auf Syrien begonnen.

Kampfgebiete in Syrien (Stand von Anfang Oktober) Zur Großansicht
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Kampfgebiete in Syrien (Stand von Anfang Oktober)

Kein Wunder, denn Russlands Angriffe gelten zwar dem Kreml zufolge dem IS. Westliche Staaten und syrische Aktivsten werfen Moskau jedoch vor, dass die meisten Einsätze Rebellen treffen, die mit dem IS verfeindet sind. Davon profitieren die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad, der mit Russland verbündet ist - und der IS.

Die Rebellen in der Stadt Aleppo und der sie umgebenden gleichnamigen Provinz sind keine homogene Gruppe. Es gibt darunter Radikalislamisten, Islamisten, Moderate und die linke kurdische Miliz "Volksverteidigungseinheiten", ein syrischer Ableger der türkisch-kurdischen "Arbeiterorganisation Kurdistans" (PKK).

Der IS kämpft derzeit gegen die sogenannte "Bergfalken"-Brigade. Sie hat keine Verbindungen zu Radikalislamisten wie der Nusra-Front und gehört zu den Gruppen, die von den USA Unterstützung erhalten haben.

Moderate sind für Assad die größte Gefahr

Es ist bereits mindestens das zweite Mal, dass Russland eine als moderat eingestufte Rebellengruppe bombardiert, deren Mitglieder vom US-Geheimdienst CIA trainiert wurden. Einem Bericht der US-Zeitung "New York Times" zufolge wollen die USA nun ihre bisher zögerlichen Waffenlieferungen an die Rebellen erweitern.

Die Moderaten sind für Assad die größte Gefahr, denn sie könnten, anders als die Radikalislamisten, eine tatsächliche Alternative zu seiner Herrschaft darstellen. Im fünften Jahr des Krieges sind von ihnen allerdings immer weniger Kämpfer übrig.

"Indem man Russland weitgehend freie Hand in Syrien lässt, trägt man sehenden Auges dazu bei, dass die Moderaten umkommen oder sich radikalisieren", sagte die grüne Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner SPIEGEL ONLINE. "Wenn es nur noch Assad oder den IS gibt, wird dies noch mehr Menschen dazu bringen, ihr Land zu verlassen."

"Jeder halbwegs Vernünftige wird versuchen zu fliehen"

Genau dieses Szenario befürchten europäische Diplomaten, die derzeit mit der Türkei über die Aufnahme weiterer syrischer Flüchtlinge reden. In dem Fall würde "jeder Syrer, der halbwegs vernünftig ist, versuchen zu fliehen", sagten Diplomaten der britischen Zeitung "Financial Times". Die Türkei rechne bereits fest mit dem nächsten rasanten Flüchtlingsanstieg.

Im Dezember 2014 war die Zahl der registrierten syrischen Flüchtlinge in der Türkei innerhalb von nur wenigen Wochen von einer Million auf 1,5 Millionen gesprungen. Dies lag vor allem an der Intensivierung der Kämpfe in der dicht besiedelten Provinz Aleppo.

Die Stadt Aleppo ist seit drei Jahren geteilt zwischen Rebellengruppen im Westen, darunter auch Radikalislamisten, und regimetreuen Milizen im Osten. Noch immer leben dort schätzungsweise über eine Million Menschen.

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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