Syrien Amnesty wirft Russland systematisches Klinik-Bombardement vor

Kliniken werden im syrischen Bürgerkrieg immer wieder durch Luftschläge getroffen. Menschenrechtler gehen davon aus, dass dahinter Methode steckt: eine russische Militärstrategie.

Zerstörtes Krankenhaus in der Idlib-Provinz
REUTERS

Zerstörtes Krankenhaus in der Idlib-Provinz


Allein in Syrien wurden nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen (MSF) im vergangenen Jahr 63 Kliniken attackiert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) vermutet dahinter eine Kriegsstrategie des Regimes und Moskaus. Eine Untersuchung der Menschenrechtsorganisation habe Hinweise auf systematische Bombardierungen in den vergangenen drei Monaten gefunden.

"Syrische und russische Kräfte haben Gesundheitseinrichtungen absichtlich angegriffen und damit das humanitäre Völkerrecht eklatant verletzt", erklärte die Amnesty-Mitarbeiterin Tirana Hassan in einer Mitteilung. "Aber wirklich ungeheuerlich ist, dass das Zerstören von Kliniken Teil ihrer Militärstrategie geworden zu sein scheint."

Westliche Regierungen und Aktivisten hatten syrische Regierungstruppen und ihre russischen Verbündeten für Angriffe auf Krankenhäuser verantwortlich gemacht. Moskau hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen.

Zeichen für den Schutz von Ärzten setzen

Mehrere Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats streben gleichzeitig eine Resolution gegen solche Attacken auf Krankenhäuser an. Ägypten, Japan, Spanien, Neuseeland und Uruguay arbeiten derzeit an einem gemeinsamen Entwurf. Das teilte die Sprecherin der neuseeländischen Uno-Mission Nicola Garvey mit. Es sei an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft ein Zeichen setze für den Schutz von Ärzten und medizinischen Einrichtungen in Ländern wie Syrien, dem Jemen oder Afghanistan.

Neben den Angriffen in Syrien wurden laut MSF im vergangenen Jahr auch im Jemen mindestens drei Einrichtungen beschossen. Auch bei einem US-Luftangriff wurden Anfang Oktober 42 Menschen getötet. Die Attacke traf ein Krankenhaus der Hilfsorganisation in der nordafghanischen Stadt Kundus, die US-Armee sprach später von einem "menschlichen Fehler".

Ärzte ohne Grenzen befürwortet die Initiative der fünf nicht-ständigen Ratsmitglieder. MSF-Chef Jason Cone sagte, solange die Weltgemeinschaft die Angriffe nicht verurteile, drohten diese "zur Normalität zu werden".

vek/dpa/AFP

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