Syrien Merkel hat keine Zweifel am Giftgaseinsatz in Duma

"Sehr klar, sehr deutlich": Angela Merkel zweifelt nicht am Chemiewaffeneinsatz in Duma, Machthaber Assad lädt die OPCW-Experten nach Syrien ein. Und CDU-Politiker Lorenz Caffier will Kriminelle wieder dorthin abschieben.

Duma
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat keine Zweifel, was in der syrischen Rebellenenklave Duma passiert ist. "Ich glaube, dass die Evidenz, dass dort Chemiewaffen eingesetzt wurden, sehr, sehr klar und sehr deutlich ist", sagte sie am Dienstag. Ihr Parteifreund Lorenz Caffier, Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister, hat unterdessen bei der Vorstellung der Kriminalstatistik seines Landes gefordert, "die ersten Schwerstkriminellen auch nach Syrien" abzuschieben.

Merkel unterstützte eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats zu dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz und forderte eine klare Verurteilung. "Wir müssen da eine sehr, sehr deutliche Sprache sprechen."

Nach Angaben von Hilfsorganisationen war in der Nacht zum Sonntag eine Fassbombe mit Chemikalien über der syrischen Stadt Duma abgeworfen worden. Dutzende Menschen sollen dabei umgekommen sein. Syrien und sein enger Partner Russland bestreiten dies.

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Die Uno-Mitarbeiter in Syrien können die Berichte der Hilfsorganisationen bisher nicht verifizieren. Russland hat die mutmaßliche Giftgasattacke in Syrien als einen von Rebellen inszenierten Vorfall eingestuft und unabhängige Experten eingeladen, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Mittlerweile hat sich auch Machthaber Baschar al-Assad dieser Einladung angeschlossen und Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in das Bürgerkriegsland eingeladen.

Lawrow warnt - Erdogan verflucht

Merkel sagte zu diesem Vorschlag: "Das kann auch meinetwegen noch mal nachgeprüft werden. Aber das hilft uns bei der Verurteilung des Falles jetzt nicht weiter."

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte die Gegner Russlands unterdessen davor, eine solche Untersuchung unter dem "Vorwand" riskanter Sicherheitsbedingungen abzulehnen. "Dies gäbe ein Urteil ab über ihre wahren Pläne, und es würde zeigen, dass sie kein Interesse an der Wahrheit haben." Seine Warnung richtete Lawrow an "all diejenigen, die antirussische Argumente vorbringen, um ihre russlandfeindlichen Ziele zu verfolgen".

Opfer des Giftgasangriffes in Duma
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Opfer des Giftgasangriffes in Duma

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den mutmaßlichen Giftgasanschlag derweil scharf verurteilt und - ähnlich wie US-Präsident Donald Trump - mit Konsequenzen gedroht. "Ich verfluche jene, die die Massaker in Ost-Ghuta und Duma verübt haben. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, wird definitiv schwer dafür büßen", sagte Erdogan am Dienstag vor der Fraktion seiner islamisch-konservativen AKP in Ankara.

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Details nannte Erdogan nicht. Auch auf eine direkte Schuldzuweisung verzichtete der türkische Präsident. Regierungssprecher Bekir Bozdag hatte am Sonntag die syrische Regierung für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz verantwortlich gemacht.

dop/Reuters/AFP/dpa



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