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05. Oktober 2016, 13:37 Uhr

Analyse von Satellitenbildern

Angriff auf Hilfskonvoi in Syrien war Luftschlag

Russland und Syrien haben es bestritten, doch Satellitenbilder zeigen: Der Angriff auf einen Hilfskonvoi bei Aleppo war ein Luftangriff. Jetzt soll eine Uno-Kommission ermitteln, wer hinter dem Angriff steckt.

Der Angriff auf einen Hilfskonvoi nahe der syrischen Stadt Aleppo mit mehr als 20 Toten hatte Mitte September weltweit für Empörung gesorgt - besonders auch wegen des unwürdigen Nachspiels: Die USA sprachen von einem Luftangriff und gaben Russland die Schuld, weil nur russische Jets in der Gegend operierten. Russische Militärs und Regierungsmitglieder lieferten unterschiedliche Versionen der Ereignisse und stritten jede Schuld ab.

Jetzt ist zumindest klar: Die tödlichen Treffer am Abend des 19. September erfolgten aus der Luft. "Mit unseren Analysemethoden haben wir ermittelt, dass es sich um einen Luftangriff gehandelt hat", sagte Lars Bromley, Berater bei Unosat, die für die Uno Satellitenbilder auswertet. "Worauf wir normalerweise achten, sind Größe und Art des Kraters." Ein besonders großer Krater auf den Bildern stamme "mit großer Wahrscheinlichkeit von aus der Luft abgeworfener Munition". Er sehe anders aus als bei Artillerie- oder Mörserfeuer.

Die USA werfen Russland vor, zwei russische Jets, die zur Zeit des Angriffs über dem Ziel waren, hätten die Attacke geflogen. Bei dem Angriff waren mehr als 20 Menschen getötet worden. 18 der 31 Lastwagen, eine Klinik und ein Warenlager in der Ortschaft Urum al-Kubra unweit der nordsyrischen Stadt Aleppo wurden zerstört.

Russlands Militär hatte zunächst erklärt, der Konvoi sei gar nicht beschossen worden. Anschließend verwies Außenminister Sergej Lawrow auf Beschuss vom Boden, von einem Hubschrauber oder von einem Kampfflugzeug aus. Schließlich erklärte der russische Generalmajor, der zunächst jeglichen Beschuss abgestritten hatte, eine amerikanische Drohne sei von der Türkei nach Aleppo geflogen und habe den Konvoi bombardiert. Die USA dementierten umgehend.

Die Uno hatte bislang nur von einem "Angriff" gesprochen. Die Internationale Föderation des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds nannten die Attacke schon in ihren ersten Erklärungen einen "Luftangriff". Am Freitag hatte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärt, eine interne Untersuchungskommission zu dem Vorfall einzurichten und forderte alle Parteien auf, sich kooperativ zu zeigen.

cht/Reuters

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