Militäroperationen Angriffe auf IS-Kader und Rebellengebiete in Syrien

In Syriens hat es am Wochenende mehrere Militäroperationen gegeben. Die irakische Luftwaffe will im Osten hochrangige IS-Kader getötet haben. Aus dem Süden melden Rebellen die ersten russischen Luftangriffe seit Langem.

Al-Mulayhah al-Sharqiyah im Osten Daraas (Bild vom 21. Juni 2018)
AFP

Al-Mulayhah al-Sharqiyah im Osten Daraas (Bild vom 21. Juni 2018)


Die irakische Luftwaffe hat laut eigenen Angaben ein Geheimtreffen der Terrormiliz "Islamischer Staat" bombardiert. Bei dem Angriff in Ostsyrien seien rund 45 Menschen getötet worden. Dabei soll es sich um Kämpfer des IS gehandelt haben, darunter zahlreiche hochrangige Anführer der Extremisten.

Den Angaben zufolge gehört dazu auch ein Bote, der Nachrichten von IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi transportiert. Die Informationen über das Treffen sollen von Nachrichtendiensten stammen. Für die Angaben gab es zunächst keine unabhängige Bestätigung.

Die irakische Luftwaffe fliegt seit einiger Zeit regelmäßig Attacken in Syrien. Der IS hat den größten Teil seines früheren Herrschaftsgebiets im Irak und in Syrien mittlerweile wieder verloren. Trotzdem sind die Extremisten noch immer vor allem in dem von Wüste geprägten Grenzgebiet zwischen beiden Ländern aktiv.

In Rakka, der ehemaligen IS-Hauptstadt in Syrien, verhängten die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) indes am Sonntag überraschend eine dreitägige Ausgangssperre und erklärten den Notstand. Angeblich hätten IS-Kämpfer die Stadt infiltriert, um Bombenanschläge durchzuführen.

Schützenhilfe für Offensive im Süden

Aus dem Süden kommen Berichte über russische Schützenhilfe für eine Militäroffensive der Assad-Regierung. Laut Aktivisten bombardierte Russlands Luftwaffe erstmals seit rund einem Jahr die Provinz Daraa in Südsyrien.

Russische Kampfjets hätten seit Samstagabend fast 70 Angriffe gegen von Rebellen kontrollierte Orte geflogen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet unter Berufung auf zwei Einrichtungen, die solche Einsätze dokumentieren, mindestens zwanzig Luftangriffe gegen die Sadt Busra al Harir nordöstlich von Daraa.

"Wir haben einen Einsatz fünf russischer Jets registriert, die 25 Luftschläge auf Busra al Harir flogen", sagte eine namentlich nicht genannte Quelle der Nachrichtenagentur. Demnach seien die Flugzeuge vom Militärflugplatz Hmeimim nahe der Küstenstadt Latakia aufgestiegen.

Fassbomben und heftige Kämpfe

Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte weiter meldet, habe Syriens Luftwaffe zudem fast 20 Fassbomben, eine international geächtete Waffe, abgeworfen. Es gebe heftige Kämpfe, erklärten die Menschenrechtler.

Russland, die USA und Jordanien hatten sich im Juli vergangenen Jahres auf eine sogenannte Deeskalationszone in Daraa geeinigt. Die Region gehört zu den letzten Gebieten in Rebellenhand. Allerdings ist die Lage dort seit Wochen angespannt. Die Regierung hat Truppen zusammengezogen und mit dem Beschuss begonnen.

Bereits am Freitag hatte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, gesagt, dass die syrische Militäroffensive das Deeskalationsabkommen "eindeutig verletze". Haley warnte Russland und Syrien vor "ernsthaften Auswirkungen", sollten die Verbündeten die Deeskalationszone angreifen.

Die Assad-Gegner in der Region werden unter anderem von den USA unterstützt, auch mit Waffen. Die Gegend im Süden Syriens ist von strategischer Bedeutung. Sie liegt an der Grenze zu Jordanien und den seit 1967 von Israel besetzten syrischen Golanhöhen.

Israel feuert Rakete auf Drohne

Der mit Syrien verfeindete Nachbar Israel befürchtet, von Teheran unterstützte Truppen könnten weiter aufrüsten und bis an seine Grenze vorrücken, sollte Assad den Süden erobern. Deshalb hat Israel in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele dort bombardiert. Die Angriffe richten sich meist gegen die iranische und libanesische Hisbollah, Verbündete des Assad-Regimes.

Zuletzt feuerte die israelische Armee am Sonntag nach eigenen Angaben eine Abwehrrakete auf eine Drohne, die sich von Syrien aus der Grenze genähert habe. Das teilte ein Armeesprecher in Tel Aviv mit. Die Patriot-Rakete habe die Drohne verfehlt, doch danach habe sich das unbemannte Flugobjekt wieder von der Grenze entfernt.

Laut einem syrischen Kommandeur war die Drohne Teil eines Einsatzes der syrischen Armee nahe der Stadt Quneitra auf den Golanhöhen. Bereits im Februar hatte Israel eine Drohne in seinem Luftraum abgeschossen. Sie war laut Militärangaben iranischer Bauart.

löw / AP / Reuters / dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.