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Syriens Zivilisten in Gefahr bei US-Militärschlag: In der Falle

DPA

Syrische Rebellen fürchten, dass bei einem möglichen US-Luftschlag viele Zivilisten und Assad-Gegner sterben könnten. Einige Militärbasen sollen mittlerweile als Gefängnisse dienen, die Elite-Soldaten in Schulen und Wohnhäuser von Damaskus verlegt worden sein.

Hamburg - Ein Militärschlag in Syrien birgt Risiken. Auch wenn US-Präsident Barack Obama beteuert, was auch immer die Vereinigten Staaten unternähmen, es sei keine "große Operation". Bodentruppen würden nicht eingesetzt. Innerhalb der syrischen Opposition wächst aber offenbar die Sorge, dass bei Luftschlägen gegen militärische Ziele viele Zivilisten und Assad-Gegner sterben könnten.

Der Grund für die Befürchtungen: Ehemalige Soldaten der Regierungstruppen, die mittlerweile zu den Rebellen übergelaufen sind, berichten von einigen Militärbasen, die mittlerweile als Gefängnisse verwendet werden. Zudem sollen sich an vielen Armeestützpunkten fast nur noch Wehrpflichtige aufhalten sowie Soldaten, von deren Treue zum Assad-Regime die syrischen Befehlshaber nicht überzeugt sind.

Elite-Soldaten und loyale Truppen sind derweil nach Angaben von Oppositionellen in Schulen, Krankenhäuser und Wohnsiedlungen in Damaskus verlegt worden und mischen sich dort unter die Zivilbevölkerung - offenbar in der Hoffnung, so einem US-Militärschlag zu entgehen. "Wenn diese Schulen getroffen werden, dann steigt das Risiko für die Zivilisten in der Umgebung", sagt der oppositionelle Aktivist Moas al-Schami. "Und das Regime kann dann die USA beschuldigen, Zivilisten anzugreifen."

Aus arabischen Diplomatenkreisen verlautete nach Angaben der kuwaitischen Zeitung "Al-Kabas", dass mit einer Militärintervention spätestens am Sonntag gerechnet werde. Nach der Abreise der Uno-Inspektoren gehe es nun lediglich noch um Stunden, berichtete das Blatt. Die Intervention werde von verschiedenen Stützpunkten aus gelenkt werden - unter anderem in der Türkei, Jordanien, Griechenland und Zypern, hieß es in der Zeitung weiter.

"Das ist wirklich ein großes Problem"

Auch die syrische Führung rechnet offenbar mit einem baldigen Angriff westlicher Truppen auf das Land. Der Beginn des Einsatzes werde "jeden Moment" erwartet, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. "Wir sind auch jederzeit zur Vergeltung bereit." Mehrere westliche Staaten und die syrischen Aufständischen werfen der syrischen Führung vor, Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt zu haben.

Nun befürchten die Oppositionellen weitere Opfer bei US-Luftschlägen gegen Armeestützpunkte. Von den Regierungstruppen übergelaufene Soldaten berichten, dass in einigen Militärbasen Armee-Angehörige, deren Loyalität sich das Regime nicht sicher ist, faktisch gefangen gehalten werden. "Einige Soldaten sind weggesperrt, andere erledigen kleinere Arbeiten an den Stützpunkten, aber ihre Waffen hat man ihnen abgenommen", sagte ein Ex-Soldat, der bis vor kurzem auf einer Artillerie-Basis in einem Vorort von Damaskus stationiert war. Er befürchte, dass die gefangenen Soldaten bei Militärschlägen getötet werden könnten.

Die Berichte über diese Soldaten, die von ihren Vorgesetzten als potentielle menschliche Schutzschilde eingesetzt würden, lassen sich nicht unabhängig bestätigen. Dennoch unterstrichen sie, wie wichtig es sei, die richtigen Ziele für Angriffe auszuwählen, sagte ein ehemaliger hochrangiger US-Beamter. "Das ist wirklich ein großes Problem. Jeglicher Angriff wird von dem Regime instrumentalisiert werden - für die Behauptung unschuldige Menschen seien dabei gestorben."

Es ist unklar, ob die Armeestützpunkte, an den Soldaten und Zivilisten gefangen gehalten werden sollen, mögliche Ziele für US-Militärschläge sind. Die Streitkräfte arbeiteten intensiv daran, zivile und nicht beabsichtigte Opfer zu vermeiden, teilte das US-Militär mit.

"Das Assad-Regime verlegt gerade viele Häftlinge in Armeegebäude", sagte ein Sprecher der Oppositionsbewegung. Eine Bestätigung für diese Verlegungen gibt es laut Amnesty International derzeit nicht. Doch ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation äußerte sich besorgt darüber, dass bereits zuvor viele Gefangene an Armeestützpunkten untergebracht waren, die nun möglicherweise unter Beschuss genommen werden könnten.

wit/Reuters

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1.
antonhimbert 31.08.2013
Zitat von sysopREUTERSSyrische Rebellen fürchten, dass bei einem möglichen US-Luftschlag viele Zivilisten und Assad-Gegner sterben könnten. Einige Militärbasen sollen mittlerweile als Gefängnisse dienen, die Elite-Soldaten in Schulen und Wohnhäuser von Damaskus verlegt worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-angst-vor-zivilen-opfern-bei-us-militaerschlag-a-919633.html
Ich hätte es ja nie geglaubt, daß ich das mal sage: Zum Glück gibt es noch unabhängige Medien, leider fast nur russische in deutscher Sprache. Weil bei dem Kriegsgetrommel und einseitigen Berichterstattung der westlichen Medien wird mir schlecht. Oder wo war ein Bericht über den ehemaligen französischen Außenminister Dumas oder der Videobericht der in die syrische Armee eingebetteten russischen Reporter über die Giftküche der Rebellen? Man kann natürlich sagen, daß das Video gefälscht wäre, aber andere einseitige Fälschungen bekommen wir mittlerweile ja im Stundentakt aufgetischt...
2. Der menschenverachtende Killerimpuls wird geglegentlich
micromiller 31.08.2013
von Minuten der Besinnlichkeit und der Wahrnehmung abgeloest Auch Soldaten sind Menschen (falls das vergessen wird). Den Tod von tausenden billigend in Kauf zu nehmen um Assad zu bestrafen ist Zeugnis einer perfiden Gesinnung. Wenn Politgroesse Cohen Bendit dazu aufruft, dass deutsche Soldaten da mitmachen sollten, dann deutet das auf eine gefaehrliche Gesinnung hin.
3.
Stewie.119 31.08.2013
Wieso fürchten sich die Rebellen? Dachte die seien verantwortlich für den Giftgasangriff, mit dem sie die USA auf ihre Seite ziehen wollen. Also sind diese beiden Aussagen widersprüchlich. Ich dachte die Rebellen wären so verzweifelt, da die Armee doch die Oberhand hatte. Hmmm wieder ein Argument dagegen, dass Rebellen für den Angriff verantwortlich sind. (zudem haben die Rebellen nicht mal die nötigen Mittel für einen solchen Angriff)
4. ...
ein anderer 31.08.2013
Zitat von sysopREUTERSSyrische Rebellen fürchten, dass bei einem möglichen US-Luftschlag viele Zivilisten und Assad-Gegner sterben könnten. Einige Militärbasen sollen mittlerweile als Gefängnisse dienen, die Elite-Soldaten in Schulen und Wohnhäuser von Damaskus verlegt worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-angst-vor-zivilen-opfern-bei-us-militaerschlag-a-919633.html
Ich glaube kaum die USA wählen falsche Ziele aus, denn in jedem Stellvertreterkrieg wimmelt es nur so von Agenten und Spezialkräfte der Aussenmächten die Ziele direkt mit Laser markieren oder GPS-Koordinaten übermittlen. Was natürlich nicht ausgeschlossen werden kann ist die ungenauigkeit der "chirurgisch genauen" Waffen. AI und HRW haben in Libyen anscheinend herausgefunden die Mehrheit der bei den NATO-Aktionen umgekommenen Ziviisten wurden in ihren Wohnhäusern verschüttet, die keine militärischen Zweck dienten.
5. Berichte lassen sich nicht unabhängig bestätigen
laurismauris 31.08.2013
Wie so viele Berichte seit dem Beginn des Konflikts wird hier einer Seite eine Plattform gegeben. Sollten die Angaben der Opposition wirklich stimmen, frage ich mich, wie hätten wir es denn gerne? Ein Militärschlag mit Marschflugkörpern wird immer Zivilisten töten. Bomben zerstören nie alleine militärische Anlagen. Soll hier schon vorab die Absolution für einen gegen das Völkerrecht verstoßenden Angriff erteilt werden?
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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