Anschlag auf Buskonvoi Weißhelme berichten von mehr als 100 Toten

Tausende Syrer aus der Nähe von Aleppo sollten evakuiert werden. Als ihre Busse warten mussten, explodierte eine Bombe. Der Attentäter saß offenbar am Steuer eines Lebensmittel-Lasters.


Mehr als zwanzig Stunden warteten syrische Flüchtlinge in der Nähe von Aleppo auf ihre Weiterfahrt, dann explodierte eine Bombe neben ihrem Bus: Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Konvoi evakuierter Menschen sollen Dutzende Zivilisten getötet worden sein. Die Syrischen Weißhelme berichten auf Twitter von mehr als 100 Toten.

Andere Quellen melden weniger Todesopfer. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien bezifferte die Zahl der Toten mit 43, das syrische Staatsfernsehen mit 39. In den Bussen befanden sich Menschen, die aus von Rebellen belagerten Städten gebracht worden waren. In der ebenfalls von Rebellen kontrollierten Ortschaft Rashidin warteten sie auf ihre Weiterfahrt, als der Sprengsatz explodierte.

"Der Selbstmordattentäter saß am Steuer eines Transporters mit Lebensmittelhilfen", teilte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Er habe den Sprengsatz in der Nähe der rund 75 Busse gezündet, die in Rashidin blockiert waren. Die Evakuierung aus vier Städten war am Freitag nach mehrfachen Verzögerungen angelaufen, dann jedoch ins Stocken geraten.

Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Das staatliche Fernsehen machte "Terroristengruppen" für den Anschlag verantwortlich. Mit diesem Ausdruck belegen die staatlichen syrischen Medien unterschiedslos die verschiedensten bewaffneten oppositionellen Gruppen in Syrien. Die Rebellen geben der Regierung die Schuld an dem Anschlag.

Auf Twitter berichten mehrere Quellen, dass Kinder mit Kartoffelchips in die Nähe des späteren Tatorts gelockt worden seien - dann sei die Bombe gezündet worden. Diese Angaben sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Die Evakuierung aus vier Städten war am Freitag nach mehrfachen Verzögerungen angelaufen. Hintergrund ist ein Abkommen zwischen der Regierung und Rebellen zum Austausch der Bewohner mehrerer Ortschaften. Am Samstag geriet die Aktion allerdings ins Stocken. Dutzende Busse warteten in Rashidin auf ihre Weiterfahrt.

asc/AP/dpa/Reuters/AFP



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