Bürgerkrieg in Syrien: Assads Kampfjets attackieren Rebellenhochburg Homs

Syrien: Rebellenhochburg Homs unter Feuer Fotos
DPA

Mit Luft- und Artillerieangriffen hat die syrische Armee eine Offensive gegen die Rebellenhochburg Homs gestartet. Die Truppen von Präsident Assad wollen die Stadt wieder komplett kontrollieren - Rebellen sprechen von einem der "gewalttätigsten Tage" seit Ausbruch des Kriegs.

Beirut/Berlin - Amateurvideos im Internet zeigen Explosionen und weiße Rauchwolken, das staatliche Fernsehen berichtet, die Einheiten machten "gute Fortschritte": Die syrische Armee hat eine Offensive gegen die von Milizen der Rebellen gehaltenen Gebiete der Stadt Homs gestartet. Laut Agenturberichten wurden die Angriffe mit Kampfflugzeugen und Artilleriegeschossen geführt.

Der Stadtteil Chalidija sei von Bodentruppen direkt angegriffen worden, das Viertel Dschuret al-Schijja wurde nach Angaben von Aktivisten aus der Luft beschossen. Auch die Stadtteile Bab Hud, Hamidija und Bustan al-Diwan seien attackiert worden, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Ziel der Truppen von Staatschef Baschar al-Assad sei es, "die ganze Stadt zu kontrollieren".

Homs ist die drittgrößte Stadt Syriens und wurde nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs vor zwei Jahren von den Rebellen zur "Hauptstadt der Revolution" erklärt. Die Armee kontrolliert zwar den Großteil der Stadt der 650.000-Einwohner-Stadt, versucht aber seit über einem Jahr vergeblich, auch die übrigen Viertel, insbesondere die Altstadt, einzunehmen.

"Gewalttätigster Tag"

Die jüngste Offensive folgt einer Reihe aktueller Vorstöße der Assad-Truppen in der Provinz, die an Libanon grenzt. Unterstützung erhalten Assads Militärs dabei von Kämpfern der radikalislamischen libanesischen Hisbollah-Miliz. Die Regierungstruppen kontrollieren inzwischen einen Korridor, der die Hauptstadt Damaskus wieder mit Assads traditionellen Hochburgen an der Mittelmeerküste verbindet.

Auch die Rebellen verzeichnen einige kleine Siege. Erst kürzlich entschieden sie eine zwei Wochen dauernde Schlacht um einen Militärstützpunkt nahe Daraa im Süden des Landes für sich. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz gilt als Geburtsstätte des Aufstands gegen Assad und ist daher von besonderer strategischer Bedeutung: Die Rebellen hoffen, zu gegebener Zeit von Daraa aus auf die Hauptstadt Damaskus zu marschieren.

Ein hochrangiger Vertreter der Sicherheitsbehörden bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die heftigen Kämpfe in Homs. Es sei wichtig, "die Viertel von Homs aus den Händen bewaffneter Terroristen zu befreien", sagte er. Die Armee rücke an allen Fronten vor, allerdings in unterschiedlichem Tempo. Vor einigen Tagen habe die Armee bereits die Region Kariatain südöstlich von Homs zurückerobert.

Die lokalen Koordinierungskomitees, ein Zusammenschluss von Aufständischen, erklärte, im Stadtteil Chaldija seien binnen einer Viertelstunde mehr als hundert Granaten niedergegangen. "Heute ist einer der gewalttätigsten Tage in Homs seit Beginn der Revolution", sagte Aktivist Tarik Badrakhan der Agentur AP.

Seit dem Ausbruch der militärischen Auseinandersetzungen sind laut Uno-Angaben im syrischen Bürgerkrieg 93.000 Menschen getötet worden, 1,7 Millionen seien vor den Kämpfen in angrenzende Länder geflüchtet.

bor/Reuters/AFP/AP

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1. Tja. Europa hat in seiner Nachbarschaft schon.....
joG 29.06.2013
....wieder versagt. Das ist unverantwortlich gewesen. Ein Einsatz am Anfang hätte nicht alle Probleme gelöst, aber es wäre weniger katastrophal gewesen als absehbar damals war und nun ist. Allen voran sollten sie die -deutschen schämen. Jeder Einzelne.
2. Logische Folge
jocci77 29.06.2013
Die Intensivierung der militärischen Aktionen durch die syrische Armee ist auch eine Folge der angekündigten offenen Waffenlieferungen der USA an die "Rebellen". Jetzt gilt es für die Armee möglichst einen Enthauptungsschlag gegen die verbliebenen Terroristenhochburgen zu führen oder zumindest die eigenen strategischen Positionen gegenüber zukünftigen Rebellenoffensiven abzusichern.
3. wer hat das initiiert
uspae2007 29.06.2013
warum berichten sie nicht von den massiven Waffenlieferungen des Westens über Jordanien und der Türkei für die Rebellen ? Über die 100 Westpanzer welche an der jordanischen Grenze für die Rebellen bereitstehen ! Wir bewegen uns in Richtung eines riesigen Krieges, initiieert durch die " Freunde Syriens "
4. Heute mal wieder...
übel_ismir-schonlang 29.06.2013
... Präsident Assad -je nachdem wie der Wind gerade weht...
5. dann schämen Sie sich doch
kalim.karemi 29.06.2013
Zitat von joG....wieder versagt. Das ist unverantwortlich gewesen. Ein Einsatz am Anfang hätte nicht alle Probleme gelöst, aber es wäre weniger katastrophal gewesen als absehbar damals war und nun ist. Allen voran sollten sie die -deutschen schämen. Jeder Einzelne.
Es ist nicht Europäische Aufgabe Partei zu ergreifen und in internen Konflikten Partei zu ergreifen. Ebensowenig ist es Aufgabe der Russen oder der USA. Wäre der Iran in Syrien eingefallen, sähe dies anders aus. Der am wenigsten katastrophale Ausgang wird die umfassende Vernichtung der "Rebellenarmee" sein. Alles andere wäre eine Katastrophe für diese Region.
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