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Trotz Friedensversprechen: Syrische Armee startet Großoffensive gegen Rebellen

In wenigen Tagen soll in Syrien ein Waffenstillstand gelten - nun wirbt der Uno-Gesandte Kofi Annan laut Reuters dafür, dass internationale Truppen ihn überwachen. Doch zuvor überzieht das Assad-Regime das ganze Land noch einmal mit Attacken.

Qualm über Duma (Internet-Video): Attacken im ganzen Land gemeldet Zur Großansicht
AFP/Youtube

Qualm über Duma (Internet-Video): Attacken im ganzen Land gemeldet

Beirut - Kurz vor dem vereinbarten Waffenstillstand will das syrische Regime offenbar noch einmal seine militärische Macht beweisen. Regierungstruppen verstärkten ihre Angriffe auf die Hochburgen des Widerstands deutlich, die Attacken fanden nach Angaben von Regimegegnern gleichzeitig im ganzen Land verteilt statt.

Dagegen meldet die Uno, das Assad-Regime habe den Rückzug aus Daraa, Idlib und Sabadani verkündet. Nach Angaben eines Sprechers des Uno-Sondergesandten Kofi Annan soll ein Waffenstillstand in dem Land spätestens 48 Stunden nach dem 10. April beginnen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wirbt Annan in zahlreichen Uno-Staaten bereits um Soldaten, die die Waffenruhe vor Ort überwachen sollen. Schon am Donnerstag kam ein Vorauskommando von Beobachtern in Damaskus an. Dort sollen sie sich möglichst rasch ein Bild von der Lage machen.

Zudem ist eine Reise Annans nach Iran geplant. Dort wird der Uno-Vermittler am 11. April zu Gesprächen mit dem Teheraner Regime zusammentreffen, das als einer der wichtigsten Verbündeten Syriens gilt.

Im Gegensatz zu den Uno-Angaben erklärte die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter am Donnerstag heftige Gefechte zwischen den Einheiten von Präsident Baschar al-Assad und Deserteuren im nördlichen Umland von Aleppo. Drei Soldaten seien getötet worden. In zwei Ortschaften hätten die Menschen die Lautsprecher der Moscheen benutzt, um die angreifenden Soldaten zur Fahnenflucht aufzurufen. In der Hauptstadt kamen nach Angaben der Beobachtungsstelle zwei junge Männer ums Leben, als Sicherheitskräfte auf ihr Auto schossen.

"Überall hört man Schreie"

Aktivisten im Umland von Damaskus berichteten, die Armee habe die Stadt am Morgen mit Panzern angegriffen. "Die Zivilisten sind in Panik, Kinder weinen, überall hört man Schreie", hieß es. Am Vortag sollen landesweit 92 Menschen von den Regierungstruppen getötet worden sein. Wegen der Medienblockade durch die Regierung sind die Angaben oft nicht von unabhängiger Seite zu überprüfen.

Durch die anhaltenden Gefechte verschärft sich auch die humanitäre Situation im Land immer weiter. Die syrische Führung hatte nach Angaben von Annan am Sonntag einer Waffenruhe ab Dienstag kommender Woche zugestimmt. Beobachter vermuten, dass die Truppen vor der vereinbarten Waffenruhe noch an Boden gewinnen wollen.

Immer mehr Flüchtlinge an der türkischen Grenze

Allerdings habe die Regierung zugesagt, bis dahin alle Truppen aus den Städten abzuziehen. Nach Angaben der Uno-Botschafterin der USA, Susan Rice, sagte die syrische Regierung dem Sondergesandten Annan zu, "unverzüglich" mit dem Rückzug zu beginnen. Die Zusagen der Assad-Regierung wurden im Ausland mit Skepsis aufgenommen, zu oft hatte der Diktator in der Vergangenheit sein Wort gebrochen. Beobachter vermuten ein taktisches Manöver, mit dem sich das international isolierte Regime Zeit verschaffen will.

Frankreichs Außenminister Alain Juppé sagte, er sei nicht optimisch, dass Assad den Friedensplan Annans wirklich umsetze. Assad gebe vor, den Sechspunkteplan zu akzeptieren, gleichzeitig wende er weiter Gewalt an, sagte Juppé am Donnerstag.

Die Zahl der aus Syrien in die Türkei geflohenen Menschen ist unterdessen auf knapp 21.000 gestiegen. Innerhalb eines Tages seien mehr als 1000 Syrer in das Nachbarland geflohen, sagte ein türkischer Behördenvertreter am Donnerstag. Die Flüchtlinge sind in acht Zeltstädten in der Grenzprovinz Hatay und einem Container-Dorf in Kilis rund 150 Kilometer östlich von Hatay untergebracht.

jok/fab/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 22 Beiträge
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    Seite 1    
1. Kein Titel
willi_der_letzte 05.04.2012
Zitat von sysopAFP/YoutubeIn wenigen Tagen gilt in Syrien ein Waffenstillstand - nun wirbt der Uno-Gesandte Kofi Annan dafür, dass internationale Truppen ihn überwachen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Doch zuvor überzieht das Assad-Regime das ganze Land noch einmal mit Attacken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,825952,00.html
Zumindest das ist ganz sicher eine Lüge. Damaskus wird nicht angegriffen. Und wenn das schon gelogen ist, was stimmt dann sonst?
2. was heisst trotz Friedensversprechen ?
Christ 32 05.04.2012
im Text steht etwas von einem 48 stündigen Waffenstillstand ab dem 10.04.2012 bis dahin sind noch 4 Tage
3. Wer's glaubt,wird seelig !
syssifus 05.04.2012
Zitat von willi_der_letzteZumindest das ist ganz sicher eine Lüge. Damaskus wird nicht angegriffen. Und wenn das schon gelogen ist, was stimmt dann sonst?
Na,das die Neugeborenen (wieder) aus den Brutkästen gerissen werden.
4. ...
anderton 05.04.2012
Zitat von willi_der_letzteZumindest das ist ganz sicher eine Lüge. Damaskus wird nicht angegriffen. Und wenn das schon gelogen ist, was stimmt dann sonst?
Man fragt sich das wirklich! Mein Kollege (Büronachbar, Doktorand) kommt aus Syrien und war vor ca. 14 Tagen sogar in Damaskus um seine Verlobung zu feiern. Gleichzeitig hat er gute Kontakte zur Universität sowie zu seinen Eltern, die dort leben. Die Zeitungsartikel hier decken sich nicht unbedingt mit seinen persönlichen Erfahrungen.
5. Falsche Überschrift
gbk666 05.04.2012
Zitat von sysopAFP/YoutubeIn wenigen Tagen gilt in Syrien ein Waffenstillstand - nun wirbt der Uno-Gesandte Kofi Annan dafür, dass internationale Truppen ihn überwachen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Doch zuvor überzieht das Assad-Regime das ganze Land noch einmal mit Attacken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,825952,00.html
"Syrische Armee startet Großoffensive gegen Islamisten" Wäre treffender.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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