Schlacht um Kusair: Assads neue Strategie trifft Rebellen 

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Bürgerkrieg in Syrien: Schlacht um Kusair Fotos
AP/ Quasair Lens

Sie bomben aus der Luft ganze Stadtteile weg, verlassen sich stärker auf Milizen: Baschar al-Assads Truppen haben ihre Strategie umgestellt und gehen in die Offensive. Gerade hat das Regime so die Stadt Kusair zurückerobert. Der Sieg markiert wohl einen Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg.

Das Blatt in Syrien wendet sich. Mit der Rückeroberung der Stadt Kusair haben die Truppen und Milizen, die auf Seiten von Baschar al-Assad kämpfen, eine beeindruckende Siegeswelle abgeschlossen. Die Schlacht um Kusair dürfte rückblickend als das Stalingrad der syrischen Rebellen eingehen: der Anfang vom langsamen Ende.

Dem syrischen Regime ist es in den vergangenen Wochen gelungen, das Kerngebiet seiner Macht - die Region von Damaskus über Homs an die Küste - zu sichern. Es gelang den Assad-Truppen, die Rebellen aus mehreren Vororten von Damaskus zu drängen und ihnen die Versorgungsroute nach Süden abzuschneiden. Nun hat das Regime ihnen mit der Eroberung von Kusair auch die Versorgungsrouten nach Westen abgeschnitten.

Diese Militärerfolge stärken Assads Verhandlungsposition vor der Syrien-Konferenz, die von Russland und den USA für den Juni in Genf angesetzt ist. Ob es zu dem ursprünglich bereits für Mai geplanten Treffen tatsächlich kommt, bleibt abzuwarten. Alle wichtigen Fragen vor der Konferenz sind weiterhin offen.

Assads neue Militärstrategie bringt Erfolge

Das Regime hat aus seinen militärischen Fehlern gelernt. Die Kehrtwende im Krieg hat es mit mehreren Umstellungen erreicht:

Fokussierung: Statt wie anfangs die Elite-Truppen durchs ganze Land von einem Brandherd zum nächsten zu schicken, konzentriert das syrische Regime seine Truppen nun auf das Kerngebiet der Macht im Westen des Landes. Das Assad-Militär hält keine großflächigen Gebiete mehr, sondern nur noch strategisch wichtige Punkte, die die eigenen Nachschubwege garantieren und die der Opposition abschneiden. Die Kontrolle in der Fläche wurde an lokale Milizen outgesourct.

Milizionisierung: Das Regime hat seine Kriegsführung umgekrempelt. Ausbilder aus Iran und von der libanesischen Hisbollah unterrichten die regimetreuen Kräfte im Guerillakrieg. Die regulären Truppen ähneln inzwischen eher Milizen als einer Armee. Guerillas kämpfen gegen Guerillas - statt wie anfangs Rebellen gegen eine Wehrdienst-Armee. Dazu wurden Zehntausende Syrer in Freiwilligen-Milizen entlang konfessioneller Linien mobilisiert. Auch helfen irakische Milizionäre und Kämpfer der Hisbollah.

Kampfgeist: Die Milizionisierung entlang konfessioneller Linien hat den Zusammenhalt der Assad-treuen Kräfte verstärkt. Gleichzeitig hält auch der übrig gebliebene Teil des Militärs fest zusammen. Anfangs hatte das Regime in der regulären Armee massiv mit Desertierungen zu kämpfen. Nun kämpfen auf der Seite Assads nahezu nur noch Leute, die auch tatsächlich an das Regime glauben. Im Falle einer Niederlage, so ihre Befürchtung, würden sie alles verlieren.

Luftwaffe: Anders als die Gegenseite hat Assad eine mächtige Luftwaffe, die er in enger Koordination mit den Bodenoffensiven einsetzt. Bevor etwa am Boden Milizen in Teilen von Damaskus oder von Kusair einrückten, wurden ganze Stadtteile schlichtweg weggebombt, so dass sie den Rebellen keinen Schutzraum mehr bieten.

Versorgung: In der Kernregion von Damaskus zur Küste können sich die regimetreuen Kräfte gut einrichten. Über den Libanon ist das Gebiet an die internationale Wirtschaft angebunden trotz der Sanktionen gegen Damaskus. Es gibt mehrere Häfen, darunter den russischen Stützpunkt in Tartus, und mehrere Flughäfen. Iran und Russland liefern weiter Waffen an das syrische Regime. Auch die humanitäre Lage ist besser: Viele internationale Hilfsorganisationen haben ihren Sitz in dieser Region und beliefern hauptsächlich sie. In den von Rebellen kontrollieren Gebieten kommt dagegen wenig Hilfe an.

Den Rebellen machen ihre alten Probleme zu schaffen

Demgegenüber leidet die Opposition unter ihren alten Problemen. Die Rebellen sind weiterhin gespalten. Zwar haben sich viele Milizen in größeren Strukturen zusammengefunden, allerdings sind dafür neue Rivalitäten entstanden - etwa zwischen der qaidatreuen Nusra-Front und moderateren Kräften.

Die moderaten Rebellengruppen leiden noch immer an Versorgungsproblemen. Regelmäßig geht ihnen die Munition aus. Der Westen lehnt es bisher ab, ihnen Waffen zu liefern. Gleichzeitig schwindet im dritten Jahr der Aufstände allmählich die Unterstützung aus den Golf-Staaten. Es wird schwieriger, nicht leichter für sie. Zudem hat auch die Radikalisierung die Opposition viel Sympathien gekostet. Der Rückhalt in der Bevölkerung geht zurück.

Die Opposition mag ihren Einfluss im Nordosten des Landes konsolidieren, doch dort lebt traditionell ein verschwindend kleiner Teil der syrischen Bevölkerung im Vergleich zum Westen, wo das Regime seine Macht ausbaut.

Verlierer gibt es in diesem Krieg viele. Rund 100.000 Menschen wurden bereits getötet, die meisten Zivilisten. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Abdallah al-Dardari, Ex-Planungsminister im Kabinett von Assad und nun zuständig für Syriens Nachkriegsplanung bei der Uno, geht derzeit davon aus, dass der Krieg 2015 zu Ende sein könnte. Bisher habe er das Land zwischen 60 und 80 Milliarden Dollar gekostet. Ein Viertel aller Häuser seien zerstört worden sowie rund 3000 Schulen und 2000 Fabriken.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 288 Beiträge
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1. Ich höre
APPEASEMENT 21.05.2013
Zitat von sysopAP/ Quasair LensSie bomben aus der Luft ganze Stadtteile weg, verlassen sich stärker auf Milizen: Baschar al-Assads Truppen haben ihre Strategie umgestellt und gehen in die Offensive. Gerade hat das Regime so die Stadt Kusair zurückerobert. Der Sieg markiert wohl einen Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg. Syrien: Assad kann gegen die Rebellen wichtige Erfolge verzeichnen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-assad-kann-gegen-die-rebellen-wichtige-erfolge-verzeichnen-a-900918.html)
Ich höre schon dern Ruf der Journalie nach einer Flugverbotszone, die den "Leichenschändern" od. Rebellen die Arbeit erleichtern soll. Wieso eigentlich die Sympathie mit der "freien" syrischen Armee? Eine Diktatur mit der anderen austauschen? Das kanns nicht sein. Man sehe sich den arab. Frühling an. Hat man noch die Übersicht in der Qualitätspresse?
2. jetzt anders
uspae2007 21.05.2013
Natürlich , welcher Kasper hat sich das auch anders vorgestellt, nach dem Vorbild Serbien und Libyen ?! Russland zeigt dem Westen seine Grenzen, ganz ohne Anstrengung. Und der Westen sollte sogar dankbar sein.
3. ...
ein anderer 21.05.2013
Zitat von sysopAP/ Quasair LensSie bomben aus der Luft ganze Stadtteile weg, verlassen sich stärker auf Milizen: Baschar al-Assads Truppen haben ihre Strategie umgestellt und gehen in die Offensive. Gerade hat das Regime so die Stadt Kusair zurückerobert. Der Sieg markiert wohl einen Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg. Syrien: Assad kann gegen die Rebellen wichtige Erfolge verzeichnen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-assad-kann-gegen-die-rebellen-wichtige-erfolge-verzeichnen-a-900918.html)
Die Einen bomben ganze Stadtteile weg die anderen machen ganze Stadteile mit Bulldozern platt. Der Krieg gegen einen asymetrisch kämpfenden Gegner gleicht sich überall.
4. Die Scheichs haben aufs falsche Pferd gesetzt
sukowsky 21.05.2013
Den Sieg hat wohl auch Assad den Russen zu verdanken. Sie haben nun eine gesicherte Marinebasis. Natürlich hat der Iran auch seinen Anteil daran doch Israel sitzt in der Zwickmühle. Die Scheichs haben aufs falsche Pferd gesetzt mit den USA.
5. optional
20099 21.05.2013
"Stalingrad" war erst in Nürnburg beendet! Und ich hoffe das die "Freiheitskämpfer und Aktivisten" die vor laufender Kamera Menschen das Herz aus der Brust schneiden und auffressen bald auf den elektrischen Stuhl landen! - Glückwunsch an Präsident Assad!
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
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