Krieg in Syrien Assad-Regime meldet Abzug letzter Rebellen aus Ost-Ghuta

Die Evakuierung des Rebellengebiets Ost-Ghuta geht weiter: Busse mit Mitgliedern der letzten Aufständischen verlassen offenbar einen Vorort von Damaskus, zermürbt vom monatelangen Luftkrieg.

Oppositionelle Kämpfer nach ihrem Abzug aus Ost-Ghuta
AFP

Oppositionelle Kämpfer nach ihrem Abzug aus Ost-Ghuta


Douma, ein Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, war eine der ersten Städte, in der die Menschen 2011 offen gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad opponierten.

Nun melden staatliche syrische Medien den Abzug der letzten Rebellen aus dieser vormaligen Hochburg in der Widerstandsprovinz Ost-Ghuta. Die Rebellengruppe Dschaisch al-Islam (Armee des Islam) allerdings widerspricht. Weder habe man sich am Sonntag auf den Abzug geeinigt, noch habe der am Montag begonnen, meldet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf einen Rebellensprecher.

"Wir haben entschieden, dass wir hier bleiben", sagte der Dschaisch al-Islam-Anführer Issam al-Buedani in einer Ansprache vor Anhängern. "Denjenigen, die gehen wollen, sage ich: Geht! Lenkt uns nicht ab!"

Die Region Ost-Ghuta wird seit Monaten von schweren Bombenangriffen erschüttert, die sowohl Assads Luftwaffe als auch die mit dem Regime verbündeten russischen Streitkräfte flogen. Hunderte Zivilisten kamen dabei ums Leben, die Versorgung brach in der Region immer wieder zusammen. Mit dem bevorstehenden Abzug der Rebellen festigt Machthaber Assad seine Kontrolle über die Region rund um die syrische Hauptstadt.

Laut staatlicher syrischer Nachrichtenagentur Sana hat die Assad-Regierung in Douma 50 Busse für den Abzug von Rebellen und ihren Familien bereitgestellt. Weiter hieß es, davon seien bis zum Montagnachmittag acht Busse mit rund 450 Insassen, darunter Familien mit Kindern und oppositionelle Kämpfer, aus Douma aufgebrochen.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) bestätigte den beginnenden Abzug zwar, erklärte aber auch, einige Kämpfer der Dschaisch al-Islam würden weiter in Douma ausharren. SOHR hat ihren Sitz in London, die Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden, haben sich aber häufig als zuverlässig erwiesen.

SPIEGEL ONLINE

Laut SOHR kamen in der gesamten Region Ost-Ghuta, die über die sieben Jahre des Krieges eine der wenigen verblieben Rebellenhochburgen war, durch russische und syrische Luftangriffe 1600 Menschen ums Leben. In dem Bürgerkrieg kamen laut SOHR bislang 450.000 Menschen ums Leben. Elf Millionen, etwa die Hälfte der früheren syrischen Bevölkerung, sind außer Landes geflohen.

Ost-Ghuta: Drohnenaufnahmen zeigen Ausmaß der Zerstörung

REUTERS

cht/dpa/Reuters/AP

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.