Aleppo Ärzte werfen Assad-Regime Chlorgaseinsatz vor

Wieder einmal soll das Assad-Regime Giftgas eingesetzt haben: Ärzte in Aleppo haben Dutzende Menschen mit schweren Atemproblemen behandelt. Sie beschuldigen die Regierungstruppen, Chlorgas abgeworfen zu haben.

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Weinende Kinder, die mit Sauerstoffmasken behandelt werden, schwer hustende Männer, Menschen mit Atemproblemen: Ein Kameramann hat diese Szenen am Dienstag in einem Feldhospital im Osten Aleppos gefilmt.

Nach Angaben von Augenzeugen, Ärzten und Aktivisten sind die Patienten Opfer eines Chlorgasangriffs geworden. Ein Hubschrauber der Armee von Diktator Baschar al-Assad habe über dem Viertel Sukkari mehrere Fässer abgeworfen, in denen vier mit Chlorgas gefüllte Zylinder enthalten gewesen seien, so Ibrahim Alhaj, Mitarbeiter der syrischen Weißhelme, dem Zivilschutz in den von Rebellen kontrollierten Vierteln Aleppos.

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Syrien: Weinende Kinder und hustende Männer

Mediziner zählten mindestens 71 Personen, die mit Beschwerden in einem Krankenhaus behandelt wurden, die Weißhelme sprechen sogar von mindestens 80 Verletzten, die mit Atemproblemen und trockenem Husten in Krankenhäuser gebracht wurden. Ihre Kleidung rieche nach Chlor. Zehn Patienten befänden sich in kritischem Zustand, darunter eine Schwangere.

Alhaj, der als Ersthelfer zum Tatort geeilt war, sagte, er habe eine in Salzwasser getränkte Gesichtsmaske getragen, um sich vor dem Chlorgas zu schützen. Der Stadtteil Sukkari ist dicht besiedelt und liegt in der Nähe der Front zwischen Regime und Aufständischen in Aleppo. Am Wochenende war es den Regierungstruppen und ihren Verbündeten erneut gelungen, den Belagerungsring um den Ostteil Aleppos zu schließen, in dem auch Sukkari liegt.

Die Vorwürfe und Aufnahmen vom Dienstag lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Bericht des Al-Quds-Hospitals zum mutmaßlichen Chlorgaseinsatz

Bericht des Al-Quds-Hospitals zum mutmaßlichen Chlorgaseinsatz

Uno-Experten sind jedoch zu dem Schluss gekommen, dass die syrischen Regierungstruppen mindestens zweimal Chlorgas eingesetzt haben - im April 2014 und im März 2015 gegen Orte in der nordsyrischen Provinz Idlib. Bei den Giftgasangriffen wurden mindestens 13 Menschen getötet. Trotzdem verhindert Russland im Uno-Sicherheitsrat eine Verurteilung Syriens und schützt das Assad-Regime vor möglichen Konsequenzen.

Zuletzt soll die Luftwaffe Anfang August Chlorgas gegen Zivilisten in Aleppo eingesetzt haben.

Bereits im August 2013 waren bei einem Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus rund 1400 Menschen getötet worden. Das Regime stimmte danach zu, seine Chemiewaffen abzugeben. Chlorgas fällt jedoch nicht unter die verbotenen Chemiewaffen, da es für zivile Zwecke genutzt werden darf. Allerdings ist der Einsatz als Waffe verboten.

syd/AP/dpa

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