Reaktion auf Giftgasangriff Assad und Russland warnen vor Militäreinsatz

Die US-Regierung treibt nach dem Giftgasangriff die Pläne für einen Militäreinsatz in Syrien voran. Die Reaktion folgt prompt: Diktator Assad und Russland warnen Washington eindringlich vor einer Intervention.

Syriens Staatschef Assad: "Das ist Terrorismus"
AFP PHOTO/HO / SANA

Syriens Staatschef Assad: "Das ist Terrorismus"


Moskau London/Berlin/New York - Baschar al-Assad kann sich auf seinen alten Verbündeten in Moskau verlassen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow äußerte sich besorgt über die US-Pläne zu einer möglichen Militärintervention in Syrien. Lawrow habe in einem Telefonat mit seinem US-Kollegen John Kerry zur Zurückhaltung gedrängt, hieß es in einer Mitteilung der russischen Regierung. Eine US-Militäraktion werde "extrem gefährliche Folgen" haben, teilte das Außenministerium mit. Dies könne schwerwiegende Konsequenzen für "die ganze Region des Nahen Ostens und Nordafrikas" haben, sagte Lawrow demnach.

Assad selbst warnte den Westen ebenfalls vor einer Militäroffensive in seinem Land. Die USA würden bei einem Militäreinsatz einen "Fehlschlag" erleiden, "genau wie in allen früheren Kriegen, die sie angefangen haben, vom Vietnamkrieg bis in die heutige Zeit", sagte er.

Das Szenario der arabischen Revolutionen habe sich überholt, sagte Assad der Kreml-nahen Zeitung "Iswestija". "Was in Syrien passiert, ist keine Volksrevolution und keine Forderung nach Reform. Das ist Terrorismus", wird Assad zitiert. Der Präsident wies Vorwürfe zurück, dass er Chemiewaffen gegen seine Gegner einsetze. "Das ist Nonsens", meinte er. Entsprechende Äußerungen von westlichen Politikern seien "eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes". Zugleich wies er darauf hin, dass Russland seine Rüstungsverträge mit Syrien erfülle.

Am vergangenen Mittwoch soll bei dem Angriff in Ghuta in der Region um die syrische Hauptstadt Damaskus Nervengas eingesetzt worden sein. Die Rebellen sprechen von bis zu 1300 Toten. Syriens Regierung bestreitet jede Verantwortung für die Attacke. Am Montag sollen Uno-Experten vor Ort Ermittlungen aufnehmen.

Cameron: Mit Merkel über Giftgasangriff einig

Auch Angela Merkel sieht das Regime von Assad hinter dem grauenvollen Giftgas-Angriff in Syrien. Das berichtete ein Sprecher des britischen Premiers David Cameron über eine Telefonat der beiden Regierungschefs.

Die Kanzlerin und der Premier hätten "wenig Zweifel", dass der mutmaßliche Giftgaseinsatz am Mittwoch "vom Regime ausgeführt" worden sei. Merkel und Cameron seien sich einig, dass einem solchen Angriff "eine entschlossene Reaktion der internationalen Gemeinschaft" folgen müsse.

Zuvor hatte auch schon Frankreichs Präsident François Hollande Assad für die Giftgasattacke in der Nähe von Damaskus verantwortlich gemacht. Es gebe ein "Bündel Belege" dafür, dass bei dem Angriff am 21. August Chemiewaffen eingesetzt worden seien, erklärte Hollande nach Angaben aus dem Elysée-Palast. Alles deute darauf hin, dass das Regime dafür verantwortlich sei. Frankreich sei entschlossen, "diese Tat nicht ungestraft zu lassen".

Der britische Außenminister William Hague befürchtet jedoch, dass Beweise bereits zerstört sein könnten. "Wir müssen realistisch sein, was das Ergebnis der Untersuchungen der Uno-Inspekteure betrifft", sagte Hague dem Sender Sky News. "Natürlich können Beweise zerstört worden sein", betonte er mit Blick auf anhaltende Artillerieangriffe auf die betroffene Gegend östlich der Hauptstadt.

Uno-Generalsekretär Ban mahnt zur Eile

Während Obama die Pläne für ein militärisches Eingreifen des Westens auch ohne Uno-Mandat vorantreibt, warnen deutsche Politiker vier Wochen vor der Bundestagswahl parteiübergreifend vor einem solchen Schritt.

Entwicklungsminister Dirk Niebel schloss einen Kampfeinsatz der Bundeswehr aus. "Klar ist, die Bundeswehr wird sich in dieser Region nicht an Kampfhandlungen beteiligen", sagte der FDP-Mann der "Bild"-Zeitung. Vielmehr müsse der Zivilbevölkerung geholfen werden. "Es gibt mehr als 100.000 Tote, zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht, denen müssen wir helfen, auch hier in Deutschland", sagte Niebel.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon wies vor der Untersuchung der Chemiewaffen-Experten auf die Dringlichkeit der Inspektion hin.

"Jede Stunde zählt, wir können uns keine weiteren Verzögerungen mehr leisten", sagte er am Montag bei einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Zudem forderte er erneut "uneingeschränkten Zugang" für die Uno-Experten. "Die Welt schaut auf Syrien", sagte Ban.

als/Reuters/AFP

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fleischwurstfachvorleger 26.08.2013
1. Wo sind die Beweise?
Zitat von sysopAFP PHOTO/HO / SANADie US-Regierung treibt nach dem Giftgasangriff die Pläne für einen Militäreinsatz in Syrien voran. Die Reaktion folgt prompt: Diktator Assad und Russland warnen Washington eindringlich vor einer Intervention. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-assad-und-russland-warnen-usa-vor-militaereinsatz-a-918520.html
Wer hat Nutzen von dem Anschlag? Ach, es gibt Vermutungen, gleichzusetzen mit vorgegebenen Meinungen. Es gibt Belege (sind auch nur Vermutungen) Beweise könnten bereits vernichtet worden sein. Es gibt also KEINE Beweise, aber wir bestrafen bereits den Mörder. Ganz großes Kino
attatroll1 26.08.2013
2. Ist klar
Wenn die Inspekteure nichts finden heißt das nicht, dass es keinen Giftgas-Einsatz seitens der Regierung gab, sondern dass es einen gab und die "Beweise" vernichtet wurden. Offenbar hat man in den USA dazugelernt, seitdem man auch im Irak keine Massenvernichtungswaffen finden konnte.
itsecuritydude 26.08.2013
3.
"Bündel Belege" können wir dieses Bündel auch mal sehen?
Eisenstemmer 26.08.2013
4.
Dirk Niebel schliesst einen Kampfauftrag der Bundeswehr aus. Das ist beruhigend. Werden die Patriots jetzt also aus der Tuerkei zurueckkommandiert?
juerler@saxonia.net 26.08.2013
5. Assad
Zitat von sysopAFP PHOTO/HO / SANADie US-Regierung treibt nach dem Giftgasangriff die Pläne für einen Militäreinsatz in Syrien voran. Die Reaktion folgt prompt: Diktator Assad und Russland warnen Washington eindringlich vor einer Intervention. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-assad-und-russland-warnen-usa-vor-militaereinsatz-a-918520.html
Wie kann man sich mit jemanden einig sein, der massivst gegen uns spioniert. Ein Rückrat wäre nötig. Es verdichten sich die Hinweise, dass Deutschland noch nicht selbstständig entscheiden kann und dies nach über 60 Jahren Kriegsende. Wann bringt endlich mal jemand von diesen Rückratlosen den Mut auf seinem Wahlvolk dies zu sagen-dass wir kein Selbstständig agierenter Staat sind sondern immer noch abhängig von sollchen Größen wie Amerika und England.
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