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Hungersnot in Syrien: Assad-Regime kündigt an, Hilfskonvois in belagerte Städte zu lassen

Rund 42.000 Menschen sind in der syrischen Stadt Madaja vom Hungertod bedroht. In den nächsten Tagen soll zum ersten Mal seit drei Monaten wieder ein Hilfskonvoi in den Ort gelangen. Das hat das Assad-Regime der Uno zugesichert.

Zehntausende Syrer können wieder auf Hilfe hoffen. Nach Angaben der Vereinten Nationen gewährt die Regierung in Damaskus nun Zugang zu den belagerten Orten Madaja, Fua und Kefraja, in denen viele Menschen hungern. Die Uno bereitet nun Hilfstransporte für die Eingeschlossenen vor.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in dem Bergort Madaja rund 25 Kilometer nordwestlich von Damaskus 42.000 Menschen vom Hungertod bedroht. "Die Uno hat glaubhafte Berichte erhalten, dass Menschen verhungern oder getötet werden, wenn sie versuchen, die Stadt zu verlassen", teilten die Vereinten Nationen mit.

Augenzeugen berichten, die Bewohner würden inzwischen Gras und Laub essen, um ihren Hunger zu stillen. Zudem hätten sie vor einigen Tagen begonnen, Hunde und Katzen zu schlachten.

In den sozialen Netzwerken kursieren Fotos von toten und halbverhungerten Menschen, deren Authentizität sich aber nur schwer prüfen lässt.

Nur zehn Prozent der Hilfskonvois werden durchgelassen

Madaja wird von Aufständischen der Freien Syrischen Armee (FSA) kontrolliert. Seit Anfang Juli 2015 belagern die syrischen Regierungstruppen und die mit Diktator Baschar al-Assad verbündete Hisbollah den Ort nahe der libanesischen Grenze.

Am 18. Oktober gelangte zuletzt eine Kolonne mit 21 Lastwagen voller Medikamente und Nahrungsmittel nach Madaja, seither sind die Menschen auf sich gestellt. Sämtliche Bitten der Vereinten Nationen, Zugang zur eingeschlossenen Stadt zu erhalten, wurden bislang abgelehnt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nur zehn Prozent aller Uno-Anfragen für Hilfskonvois vom Assad-Regime bewilligt.

Nach Angaben von Einwohnern kostet auf dem Schwarzmarkt von Madaja ein Kilogramm Milchpulver für Babys inzwischen rund 300 Euro. Der Preis für ein Kilo Weizenmehl und ein Kilo Reis soll jeweils bei mehr als 200 Euro liegen.

Im Norden Syriens bietet sich das umgekehrte Bild: Dort belagern Aufständische und Einheiten der Terrormiliz Nusra-Front die beiden Orte Fua und Kefraja, die von Regierungstruppen beherrscht werden. Einige Kämpfer durften den Ort Ende Dezember verlassen, doch auch hier sind noch Tausende Zivilisten eingeschlossen. Einer der evakuierten Kämpfer berichtete von katastrophalen Bedingungen. Menschen müssten Gras essen, Kranke ohne Narkose operiert werden.

Weil Fua und Kefraja von Anti-Assad-Milizen umzingelt sind, ist derzeit noch unklar, ob die Einwilligung des Assad-Regimes für die Eingeschlossenen konkrete Folgen hat. Schließlich müssen die Nusra-Front und ihre Verbündeten Hilfslieferungen in die Orte durchlassen.

syd

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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