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12. September 2018, 14:44 Uhr

Krieg in Syrien

Assads Offensiven haben eine Million Menschen vertrieben

Kämpfe in Aleppo, bei Damaskus und in der Provinz Daraa haben mehr als eine Million Syrer in die Flucht gezwungen. Das geht aus einem Uno-Bericht hervor. In Idlib stünde eine weitere katastrophale Krise bevor.

Militäreinsätze der syrischen Regierung haben in den vergangenen sechs Monaten den Vereinten Nationen zufolge mehr als eine Million Menschen vertrieben. Unter anderem wegen Kämpfen in Aleppo, bei Damaskus oder in der Provinz Daraa im Süden hätten viele Familien zwischen Januar und Juni fliehen müssen. Die meisten von ihnen lebten nun unter "schrecklichen Bedingungen", wie aus einem Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission der Uno hervorgeht, der am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurde.

In den meisten der untersuchten Schlachten seien Kriegsverbrechen begangen worden. Dazu zählten wahllose Angriffe und der Einsatz verbotener Waffen sowie Plünderungen. Oft seien keine ausreichenden Vorkehrungen zum Schutz der Zivilbevölkerung getroffen worden. "Es ist völlig unentschuldbar, dass keine Partei in diesem Konflikt ihren Verpflichtungen gegenüber Zivilisten nachgekommen ist, die durch ihre Militäroperationen vertrieben wurden", sagte Kommissionsleiter Paulo Pinheiro. Insgesamt sind laut Uno 6,5 Millionen Menschen innerhalb Syriens vertrieben.

Der syrische Bürgerkrieg hatte im März 2011 im Zuge der arabischen Aufstände mit Protesten begonnen, seitdem wurden mehr als 400.000 Menschen getötet. Die Hälfte der Bevölkerung wurde vertrieben, davon auch Millionen ins Ausland.

In ihrem Bericht warnt die Kommission auch vor der befürchteten Großoffensive auf die Rebellenhochburg Idlib. Dort leben etwa drei Millionen Zivilisten, von denen fast die Hälfte zuvor aus anderen Regionen des Landes geflohen war. In der Provinz würde "eine weitere, mit wenig Rücksicht auf das Leben von Zivilisten gestartete Offensive eine katastrophale menschenrechtliche und humanitäre Krise auslösen".

Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in Syrien. Das Regime in Damaskus droht, die Provinz einzunehmen, nachdem zuletzt diplomatische Versuche für eine Entspannung gescheitert waren. Am Wochenende hatte die Luftwaffe von Machthaber Baschar al-Assad zusammen mit Kampfjets der verbündeten Russen heftige Angriffe auf Idlib geflogen. In der Region dominiert die mit al-Qaida verbundene Miliz Haiat Tahrir al-Scham. (Mehr zu den einzelnen Rebellengruppen in Idlib erfahren Sie hier.)

cte/vks/dpa

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