Krieg in Syrien Assads Offensiven haben eine Million Menschen vertrieben

Kämpfe in Aleppo, bei Damaskus und in der Provinz Daraa haben mehr als eine Million Syrer in die Flucht gezwungen. Das geht aus einem Uno-Bericht hervor. In Idlib stünde eine weitere katastrophale Krise bevor.

Flüchtlinge in Syrien
AFP

Flüchtlinge in Syrien


Militäreinsätze der syrischen Regierung haben in den vergangenen sechs Monaten den Vereinten Nationen zufolge mehr als eine Million Menschen vertrieben. Unter anderem wegen Kämpfen in Aleppo, bei Damaskus oder in der Provinz Daraa im Süden hätten viele Familien zwischen Januar und Juni fliehen müssen. Die meisten von ihnen lebten nun unter "schrecklichen Bedingungen", wie aus einem Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission der Uno hervorgeht, der am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurde.

In den meisten der untersuchten Schlachten seien Kriegsverbrechen begangen worden. Dazu zählten wahllose Angriffe und der Einsatz verbotener Waffen sowie Plünderungen. Oft seien keine ausreichenden Vorkehrungen zum Schutz der Zivilbevölkerung getroffen worden. "Es ist völlig unentschuldbar, dass keine Partei in diesem Konflikt ihren Verpflichtungen gegenüber Zivilisten nachgekommen ist, die durch ihre Militäroperationen vertrieben wurden", sagte Kommissionsleiter Paulo Pinheiro. Insgesamt sind laut Uno 6,5 Millionen Menschen innerhalb Syriens vertrieben.

Der syrische Bürgerkrieg hatte im März 2011 im Zuge der arabischen Aufstände mit Protesten begonnen, seitdem wurden mehr als 400.000 Menschen getötet. Die Hälfte der Bevölkerung wurde vertrieben, davon auch Millionen ins Ausland.

Fotostrecke

13  Bilder
Kampf um Idlib: Das letzte Aufbäumen

In ihrem Bericht warnt die Kommission auch vor der befürchteten Großoffensive auf die Rebellenhochburg Idlib. Dort leben etwa drei Millionen Zivilisten, von denen fast die Hälfte zuvor aus anderen Regionen des Landes geflohen war. In der Provinz würde "eine weitere, mit wenig Rücksicht auf das Leben von Zivilisten gestartete Offensive eine katastrophale menschenrechtliche und humanitäre Krise auslösen".

Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in Syrien. Das Regime in Damaskus droht, die Provinz einzunehmen, nachdem zuletzt diplomatische Versuche für eine Entspannung gescheitert waren. Am Wochenende hatte die Luftwaffe von Machthaber Baschar al-Assad zusammen mit Kampfjets der verbündeten Russen heftige Angriffe auf Idlib geflogen. In der Region dominiert die mit al-Qaida verbundene Miliz Haiat Tahrir al-Scham. (Mehr zu den einzelnen Rebellengruppen in Idlib erfahren Sie hier.)

cte/vks/dpa

insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stedaros 12.09.2018
1. kann mich erinnern
Es war vor einigen Jahren, da hatten sich die Demokratien dieser Welt auf die Fahnen geschrieben, die Despoten in Nord Afrika und im Nahen Osten zu vertreiben und Demokratien nach ihrem Muster aufzubauen. Leider ist das granatenmäßig nach hinten losgegangen. Keines dieser Länder ist in irgend einer Weise befriedet. Es sind nur Andere an der Macht, die noch übler sind als deren Vorgänger. Und Assad wird seinen Krieg gewinnen. Das Ergebnis sind Millionen Flüchtlinge, die den Zusammenhalt der EU zerstört haben. Aber so wissen wir jetzt auch, was wir von wem zu halten haben. Das sehe ich als das einzig Gute in dem genzen Schlamassel.
freigeist1964 12.09.2018
2. ich hoffe Assad, Russland und Iran
machen diesem Spuk schnell ein Ende und vernichten die Terrorgruppen in Idlib! Dann ist endlich Frieden!!!
rosskal 12.09.2018
3. Assads Offensiven?
Oder waren es die von den Amis, den Saudis und anderen Staaten unterstützten Islamisten und Söldner und Halsabschneider, die ein ganzes Land verwüstet haben. Jetzt Assad in den Fokus zu rücken ist wohl die purste Heuchelei. Übrigens, auch Deutschland kann seine Hände nicht gänzlich in Unschuld waschen.
medienskeptiker 12.09.2018
4. Völlig daneben
von den Binnenfüchtlingen weiss die UNO strikt nichts...und wer oder was ist " DIE UNO" der Sicherheitsrat? Die Hauptversammlung? UNHCR? Nein es war wieder einmal der ex britische Topdiplomat Mark Lowcock,den man vor ca 1 Jahr in irgendeiner unwichtigenmnicht operativen UN Einheit parken durfte. Die meisten Flüchtlinge in Syrien in letzter Zeit hat ganz eindeutig Erdogan verursacht. Der Exodus der Kurden aus Afrin, Vor em Krieg hatte die Provinz 3,1 Mio Einwohner mit mit Sicherheit fast 2 Mio Kurden..In die Türkei konnten die nie flüchten--also sind die 1 Mio im wesentliche die Kurden die vor den Türken nach Idlib flüchteten---was wiederum mit den 3 Mio in Idlib zusammenpasst,denn dise Provinz hatte vor den Krieg knappe 2 Mio...die paar extremistischen Terroristen die Assad und die Russen nach Idlib gehen liessen um in Ostaleppom Ostghouta und im Süden von Damaskus die Opfer der Zivilbevölkerung niedig zu halten spielen quantitiv keine Rolle. dass sind ein paar tausend.
recepcik 12.09.2018
5. Der SPON
Hat doch erst kürzlich aufgelistet, daß über 70 000 Terroristen in Idlib sind. Soll Assad sein Land diesen Halsabschneidern überlassen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.