Amnesty-Bericht Assads Fassbomben töten Tausende Zivilisten

Das Regime von Baschar al-Assad bombardiert gezielt Krankenhäuser, Schulen, Märkte und Moscheen. Laut Amnesty International sind seit 2012 mehr als 11.000 Menschen durch den Abwurf von Fassbomben in Syrien getötet worden.

Helfer am Ort eines Fassbombenabwurfs in Aleppo: "Kollektive Bestrafung"
REUTERS

Helfer am Ort eines Fassbombenabwurfs in Aleppo: "Kollektive Bestrafung"


Syrische Regierungstruppen haben in den vergangenen drei Jahren mindestens 11.000 Zivilisten durch sogenannte Fassbomben getötet. Allein in der Provinz Aleppo wurden mit dieser Waffe seit Januar 2014 mehr als 3000 Menschen getötet. Diese Zahlen nennt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem aktuellen Bericht.

Fassbomben sind Tonnen, die mit Metallstücken, Benzin und Sprengstoff gefüllt sind. Die Armee wirft diese Sprengsätze mit Hubschraubern ab.

Das Regime von Diktator Baschar al-Assad greife "gezielt und systematisch" Zivilisten an und bombardiere dabei Krankenhäuser, Schulen, Märkte und Moscheen, heißt es in dem Bericht mit dem Titel "Death everywhere: War crimes and human rights abuses in Aleppo".

Viele öffentliche Einrichtungen hätten daher ihren Betrieb mittlerweile in geschützte Bunker und Kellerräume verlegt. Die Dauer, das Ausmaß und die Intensität der Angriffe lasse auf eine Form der "kollektiven Bestrafung" gegen die Bevölkerung von Aleppo schließen. "Eine solche kollektive Bestrafung ist ein Kriegsverbrechen", schreibt Amnesty.

Der Bericht beschreibt unter anderem einen einzelnen Angriff in Aleppo im Juni 2014, bei dem ein Hubschrauber des Militärs eine Fassbombe auf rund 150 Menschen abwarf, die in einer Schlange auf die Zuteilung von Lebensmittelrationen einer Hilfsorganisation warteten.

Assad hat den Einsatz von Fassbomben bislang bestritten. Allerdings dokumentieren zahlreiche Videos, wie seine Armee diese Sprengsätze über Städten und Dörfern abwirft.

Amnesty wirft auch den Rebellen im Norden Syriens Kriegsverbrechen vor. Sie benutzten unpräzise Waffen und hätten bei Angriffen auf Aleppo im vergangenen Jahr mindestens 600 Zivilisten getötet. Zudem entführten und folterten beide Konfliktparteien Zivilisten, beklagt der Bericht.

"Vor über einem Jahr hat die Uno eine Resolution verabschiedet, in welcher sie ein Ende der Menschenrechtsverletzungen forderte, insbesondere durch den Einsatz von Fassbomben", sagte der für den Nahen Osten zuständige Amnesty-Direktor Philip Luther. Doch statt die angedrohten Konsequenzen einzuleiten, habe die internationale Gemeinschaft inzwischen "den Zivilisten von Aleppo den Rücken zugewandt".

syd/AFP/dpa

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JKStiller 05.05.2015
1. Jeder einzelne Krieg
ist einer zu viel. Es sind inzwischen zu viele, als dass der einzelne Mensch sie noch alle durchzählen kann, ohne den Verstand zu verlieren. Soll er sein Mitgefühl aufteilen? Jeden Tag ein anderes Land beweinen? Die Medien tun ihren Job, was in Ordnung ist. Ich muss meinen Verstand zusammen halten. Das ist kein Job, sondern eine dringende Notwendigkeit. Deshalb nehme ich die Nachricht zur Kenntnis. Mehr aber auch nicht. Wer mich verirteilen will, nur zu. Ich möchte auch nur überleben. Geistig gesund bleiben. Wenn das ein Verbrechen ist, dann bestraft mich. Ich kann nicht anders.
Kamikaze.SpOn 05.05.2015
2. Schmutzige Kriegsführung
Es bedarfs eigentlich keines AI-Berichts, um zu merken, dass das Assad-Regime ebenso wie die islamistischen Gegener schmutig kämpfen. Fassbomben vs. Selbstmordanschläge. Beides fordert unschuldige Opfer.
Pelao 05.05.2015
3. Auch dieser Kommentar hier wird nicht gebracht ...
... al-Gaddafis Tod ermögtlicht Zehntausenden den Tod im Mittelmeer. ... Wie immer ... bei allen Umsturzversuchen und Flächenbränden ... liegt die Ursache bei den Zündlern ... es bestand ein Interesse daran diese Region (setzten Sie bitte nach Belieben Syrien, Libyen etc. ein) zu destabilisieren ... Danach kann in alller Ruhe darüber berichtet werden, wer gerade welche Menschenrechtsverletzung begangen hat ... Irgendwie habe ich den Eindruck, daß all die heldenhaften Opfer der Umstürze nach ein paar Monaten die Zahl der Unschuldigen Opfer der sogenannten Terrorregime der letzten Jahrzenhten um ein Vielfaches übersteigen ... Wer hat eigentlich die Syrer gefragt ob sie jetzt, in Zeiten der Revolution nicht viel glücklicher sind, als in den schmachvollen Zeiten der erzwungen Ruhe und des religiösenen Miteinander unter dem Assad-Terror-Regime ... wie gesagt ... diese Meinung ist untragbar ...
batmanmk 05.05.2015
4. Unterschiede
Bislang konnte mir noch niemand schlüssig erklären, was denn nun genau Fassbomben von "normalen" Freifallbomben (Form/Herstellungsart ausgenommen) unterscheidet. Warum sterben die Menschen per GPS-gelenkter Bombe humaner als bei einem Treffer durch eine Fassbombe? Eine andere Sache wären da die Kasettenbomben, wie sie Saudi-Arabien derzeit einsetzt, die als Blindgänger noch Jahrzehnte die Umgebung verminen.
polarwolf14 05.05.2015
5. Falsch
Vor kurzem kam die Meldung über getötete Zivilisten durch die USA ind sofort ist das vergessen. Ich habe alle Interviews mit Assad gesehen, er setzt keine Fassbomben ein, er fragt sogar was das sein soll. Ich glaube ihm, denn er ist der einzige, der sein Land vor den Terroristen schützen kann.
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