Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Rebellen-Rückzug aus Homs: Assads teurer Triumph

Von

Syrien: Jubeln für Assad Fotos
REUTERS

Baschar al-Assad lässt sich feiern: Die letzten Aufständischen sollen die Rebellenhochburg Homs endgültig verlassen. Doch seine vermeintlichen Erfolge hat Syriens Diktator teuer erkauft.

Berlin - Die letzten Rebellen und Aktivisten sollen am Dienstag aus der Altstadt von Homs abziehen dürfen. Sie sind nach der jahrelangen Belagerung und Bombardierung der Hochburg der Aufständischen ausgelaugt. Mit dem syrischen Regime und iranischen Vertretern haben sie einen Waffenstillstand ausgehandelt, der ihnen ungehinderten Abzug Richtung Norden verspricht. Im Gegenzug dafür sollen die Rebellen wichtige Geiseln freilassen - Iraner und Libanesen, die auf der Seite von Diktator Baschar al-Assad kämpften.

Doch bis zuletzt wird unklar sein, ob der Tauschhandel tatsächlich stattfindet. Die Rebellen und Aktivisten misstrauen dem Regime. Denn ihnen könnte der Tod drohen: Im Februar hatte das Regime in Damaskus Zivilisten den ungehinderten Abzug aus der Altstadt von Homs unter Beobachtung der Uno zugesagt. Doch dann ließ es alle Männer verhaften. Sie sind noch immer verschwunden.

Kommt es tatsächlich am Dienstag zum Rückzug der Rebellen, ist es ein symbolischer Triumph für Baschar al-Assad. Wie keine andere syrische Stadt stand Homs für den Aufstand: Im Sommer 2011 demonstrierten dort Hunderttausende gegen das syrische Regime. Nun, vier Jahre später, ist von den Demonstrationen nichts mehr übrig.

Unter Assads Unterstützern wächst der Unmut

Während das syrische Regime massiv Unterstützung aus dem Ausland erhält - von Russland, Iran, irakischen Milizen und der libanesischen Hisbollah - bleiben die Hilfen für die syrischen Rebellen aus den Golfstaaten und dem Westen überschaubar. Leidtragende sind die Zivilisten: Millionen Syrer sind auf der Flucht und auf humanitäre Hilfe angewiesen, weite Teile des Landes verwüstet.

Mitten in diesem Elend lässt sich Assad als Sieger inszenieren. Die syrische Armee hat an mehreren Fronten Gebiet von den Rebellen zurückerobern können - ein Erfolg, der nur dank der libanesischen und iranischen Kämpfer möglich wurde.

Doch die vermeintlichen Erfolge sind teuer erkauft: Viele Assad-Kämpfer sind gefallen. Selbst unter seinen Unterstützern wächst nun der Unmut über den Präsidenten, der Syriens junge Männer in den Tod schickt, damit er und sein Clan an der Spitze des Staates überleben können. Assad ist zunehmend abhängig von seinen ausländischen Unterstützern.

Von Syrien ist nicht mehr viel übrig. Viele Stadtteile und Dörfer sind zerbombt, der Entwicklungsstand wurde um Jahrzehnte zurückgeworfen. Der Vielvölkerstaat zerfällt in verschiedene Regionen, in denen unterschiedliche Warlords das Sagen haben und die sich teils entlang ethnischer und konfessioneller Linien organisieren.

Der Präsident ist Herrscher über ein Restsyrien, mehr nicht

Assad ist also Chef eines zerfallenden Staats, der mächtigste Warlord unter sehr vielen, der einzige mit einer Luftwaffe. Weite Teile im Norden und Osten hat er wohl dennoch unwiederbringlich verloren. Dort ringen verschiedene Milizen, vor allem inzwischen Radikalislamisten, untereinander um die Macht.

Seinen vermeintlichen Erfolg will Assad am 3. Juni bei den syrischen Präsidentschaftswahlen besiegeln. Es besteht kein Zweifel daran, dass er die Abstimmung gewinnen wird: "Wahlen" in Syrien sind weder frei noch fair, unabhängige Beobachter der Abstimmung gibt es genauso wenig wie Grundrechte - etwa Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Sogenannte Wahlergebnisse in Syrien sind Phantasiezahlen.

Bei solchen Voraussetzungen ist es dann auch egal, dass die "Wahlen" mitten im Bürgerkrieg stattfinden, unter Bomben und Beschuss, dass die Hälfte der vermeintlichen Wähler auf der Flucht ist und gar nicht abstimmen kann. Immerhin wird der Schein halbwegs gewahrt: Erstmals stehen neben Assad auch andere Kandidaten auf dem Stimmzettel, zwei Assad-Verbündete, die kaum jemand in Syrien kennt.

Mit einer solchen Methode, die typisch ist für die autoritären Zustände, die die Syrer 2011 auf die Straße trieben, glaubt Assad nun eine Lösung für den Konflikt gefunden zu haben. Dass dies tatsächlich die Aussicht auf Frieden näher bringen kann, ist fraglich.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Teuer zu stehen?
harmlos01 06.05.2014
Das klingt nach meiner meinung ein bisschen nach Defensivpropaganda! Zwar ist der Konflikt in Syrien längst nicht vorbei, doch brauchen die "Aufständischen" langsam Wunderwaffen, um den Konflikt zu drehen. Und die Aussage, dass die Aufständischen nur wenig Unterstützung bekommen sind doch recht amüsant. Relativ gesehen bekommen die "Aufständischen" ca. 100% ihre Unterstützung aus dem Ausland, d.h. ohne diese Unterstützung gäbe es den Konflikt gar nicht! Und wenn jemand die Geduld verliert, dann die arabischen geldgeber, die teilweise ihr Privatvermögen dort investieren, ohne dass sich die Lage verbessert.
2. Gegenkommentar
pdp 06.05.2014
Der Sieg ist nicht teuer erkauft, sondern bitter und blutig erkämpft. Erkämpft von Soldaten, die auch in Zukunft in einem freien Syrien leben wollen und dafür zu tausenden gefallen sind. Erkämpft gegen Rebellen, die sich in Innenstädten verschanzt haben und die Bevölkerung als Geisel genommen haben. Der Westen hat sich getäuscht und täuscht sich immer noch. Assad ist nicht nur das kleinere Übel, sondern der einzige, der Stabilität garantieren kann. Mit dem Fall von Homs wird auch Aleppo bald fallen. Und dann sind die nordöstlichen Territorien schnell erobert. Im Süden ist es bereits jetzt fast soweit.
3. Das Feindbild Assad
Benu 06.05.2014
Die klammheimliche Freude des Autors darüber, dass Assad nur noch über ein zerbombtes Land herrscht, ist nicht zu übersehen. Die Botschaft „Das hat er nun davon!“ hörte man ja öfters auch von westlichen politischen Würdenträgern. Assad sollte dafür bestraft werden, dass er „mangelnde Kooperationsbereitschaft“ gezeigt hatte. Dass es dabei am allerwenigsten um Menschenrechte geht, offenbart die Tatsache, dass weitaus schlimmere, dem Westen aber wohlgesonnene Regimes in Ruhe gelassen werden. Auch wenn Syrien keine „westliche Demokratie“ war, so soll zugunsten Assads doch erwähnt werden, dass es unter seiner Herrschaft relative wirtschaftliche und soziale Prosperität wie auch ein friedliches Miteinander verschiedener Religionen gab. Und es soll auch nicht vergessen werden, dass nahezu eine Million Iraker während des Krieges im eigenen Land dort Zuflucht fanden. Wie ein Machtwechsel in Kiew faktisch unmöglich gewesen wäre ohne die militanten Kräfte des „rechten Sektors“, so wäre auch Syrien nicht in einen Bürgerkrieg geraten ohne die von der Türkei und von den Golfstaaten unterstützten „Gotteskämpfer“. Leider hat der Westen nicht nur logistische und propagandistische, sondern auch massive militärische Unterstützung geleistet. Er trägt somit eine Mitschuld an der Tragödie in Syrien. Schliesslich sind unsere politischen Entscheidungsträger aufgewacht und haben begriffen, dass ein widerspenstiger Assad ein „kleineres Übel“ darstellt als islamische Terroristen und Warlords. Bei diesem rein politischen Kalkül interessieren die Leiden der Bevölkerung am allerwenigsten. So dokumentiert auch dieser Artikel, dass es vor allem darum geht, bis zuletzt sein propagandistisches Süppchen zu kochen. Gleichzeitig nutzt der Autor die Gelegenheit, Russland, dem Iran und der Hisbollah ordentlich einen reinzuwürgen.
4. endlich eine positive Entwicklung
recepcik 06.05.2014
in Syrien. Es ist gut das die Halsabschneider eine Stadt nach der anderen verlieren. Bald müssen auch unsere Dschihadisten nach Hause. Wichtig ist das ihnen hier im Land der Prozess gemacht wird und keiner von ihnen ungeschoren davon kommt.
5. Fahnen in der Fotostrecke
habash 06.05.2014
Kleine Anmerkung: Die Pro-Assad Demonstranten schwenken nicht, wie es die Bildunterschrift beschreibt, die palästinensische Flagge, sondern die Fahne der Baath-Partei. Die sehen beinahe gleich aus.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: