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Kampf gegen Assad: USA stellen sich auf Teilung Syriens ein

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AFP

Ein Brief des US-Generalstabschefs macht es deutlich: Washington rechnet nicht mehr mit einem schnellen Sturz von Syriens Diktator Assad, das Militär warnt von einer kostspieligen Intervention. Stattdessen stellen sich die USA auf eine Teilung des Landes ein.

Zwischen den zwei Sätzen liegen zwei Jahre, eine Kehrtwende von Barack Obama und ein Bürgerkrieg mit 100.000 Toten. "Für Präsident Assad ist die Zeit gekommen, zur Seite zu treten", sagte US-Präsident Barack Obama im Sommer 2011 - und nahm den Mund ziemlich voll.

Doch Syriens Diktator dachte nicht an Rücktritt. Er setzte seinen Sicherheitsapparat gegen die Demonstranten ein - und Washington schaute zu. Der Aufstand entwickelte sich zum Bürgerkrieg, in dem auch ausländische Dschihadisten, Iran und die libanesische Hisbollah mitmischen.

Im Sommer 2013 heißt es nun aus Washington: "Assad wird nie wieder Syrien regieren so wie zuvor." Das sagte Jay Carney, Pressesprecher des Weißen Hauses. Damit meinte er, es sei trotz der jüngsten Regime-Erfolge in Damaskus und der Provinz Homs nicht vorstellbar, dass die Assad-Anhänger die Rebellen überall besiegen. Doch von einem baldigen Sturz des Despoten ist keine Rede mehr.

Der Westen stellt sich darauf ein, dass Assad noch länger an der Macht bleiben könnte. Zwar glaubt kaum jemand, dass der Staatschef jemals wieder das gesamte Land unter seine Kontrolle bringen könnte. Denn in Teilen des Nordens und Ostens sind verschiedene Rebellengruppen dabei, ihren Einfluss zu verfestigen. Doch dafür konsolidieren die Assad-treuen Kämpfer ihre Macht im Westen, in Damaskus, Homs und der Küste.

Ein Sturz Assads ist derzeit kaum vorstellbar

Vor dem Krieg lebte in dieser vom Regime kontrollierten Zentralregion ein Großteil der syrischen Bevölkerung. Die Versorgungslage ist dort zurzeit besser: Internationale Hilfslieferungen gehen nämlich meist in diese Region. Die Hilfsorganisationen haben ihren Sitz in Damaskus oder eröffnen neue Ableger in Homs und Tartus. Dagegen kommt bei den Menschen im von den Rebellen kontrollierten Nordosten kaum Hilfe an, auch wenn die türkische Grenze meist nur wenige Dutzend Kilometer entfernt ist.

Der Krieg wird inzwischen von unzähligen lokalen Konflikten überlagert. Auch innerhalb der hauptsächlich von den Rebellen beziehungsweise hauptsächlich vom Regime kontrollierten Gebiete hört die Gewalt nicht auf. Die Situation gleicht einem blutigen Patt. Häuserkrieg und Terror gehen immer weiter, ohne dass es zu einer entscheidenden Schlacht kommen könnte.

Im Pentagon kann man sich offenbar nicht vorstellen, wie Assad ohne einen massiven internationalen Militäreingriff gestürzt werden könnte - und der ist Washington zu teuer, das Risiko zu hoch.

Martin E. Dempsey, der US-Generalstabschef, skizzierte die militärischen Optionen Washingtons jetzt in einem Brief an den Kongress: Jeder Eingriff würde Milliardenkosten nach sich ziehen und die Bereitschaft des US-Militärs, anderswo in der Welt zu agieren, gefährden. Die Folgen einer Intervention wären ungewiss. "Wir haben aus den letzten zehn Jahren gelernt, dass es nicht einfach ausreicht, das militärische Gleichgewicht zu verändern", schreibt Dempsey.

Auch die US-Waffenlieferungen dürften Assad nicht gefährden

Ähnlich schätzt man die Lage auch in anderen westlichen Hauptstädten ein. Aus Paris und London, die immer wieder scharfe Töne gegen Assad anstimmten, ist kaum noch etwas zu hören. Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND hat seine Prognose revidiert, dass Assad noch Anfang 2013 stürzt, und spricht stattdessen von einem Vormarsch der Assad-Anhänger.

In Washington glaubt man offenbar auch nicht, dass sich an Assads Lage etwas ändern könnte, wenn ab August die ersten amerikanischen Waffenlieferungen an die Rebellen eintreffen sollen. Die Waffen sollen wohl vielmehr verhindern, dass den Moderaten unter den Rebellengruppen der Garaus gemacht wird - von den ausländischen Dschihadisten. "Wir sollten helfen, eine moderate Opposition zu entwickeln, auch ihre militärischen Fähigkeiten", schreibt Dempsey.

Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Radikalen und den moderaten Rebellen werden immer häufiger. Auch Konflikte zwischen den Dschihadisten und der syrischen Bevölkerung nehmen zu.

David Shedd, stellvertretender Leiter des US-Verteidigungsnachrichtendiensts (DIA), sagte vergangene Woche über die internationalen Dschihadisten: "Sie werden nicht nach Hause gehen, wenn es vorbei ist. Sie werden für das Gebiet kämpfen. Sie sind dort mit einer langfristigen Perspektive."

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1.
AbuHaifa 23.07.2013
Mal schauen, ob es wirklich zu einer Zweitteilung kommen wird oder nicht sogar zu einer Drittelung. Denn die syrischen Kurden fordern Autonomie. In den letzten Tagen haben sie der Nusra-Front mächtig zugesetzt. Schwer vorstellbar, dass sich die eher linksgerichteten "Volksverteidigungseinheiten" der Kurden, der FSA unterwerfen werden. Den Islamisten sowieso nicht. Selbst wenn die Rebellen den Norden einigermaßen unter Kontrolle kriegen sollten, ist deshalb der Krieg für sie noch lange nicht vorbei. Abu Sayyaf, einer der Führer der jordanischen Salafisten, hat unlängst in einem Interview mit der arabischen Tageszeitung Al-Hayat klar gemacht, dass die Fundamentalisten keine weltliche Regierung in Syrien dulden werden. Nur ein Kalifat sei das Ziel, auf der Grundlage der Scharia. Sollte die FSA damit nicht einverstanden sein, dann müsste sie halt besiegt werden. In Syrien kämpfen mehrere Hundert Gotteskrieger aus Jordanien.
2. xxx
Dramidoc 23.07.2013
Zitat von sysopAFPEin Brief des US-Generalstabschefs macht es deutlich: Washington rechnet nicht mehr mit einem schnellen Sturz von Syriens Diktator Assad, das Militär warnt von einer kostspieligen Intervention. Stattdessen stellen sich die USA auf eine Teilung des Landes ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-baldiger-sturz-von-assad-gilt-als-unwahrscheinlich-a-912548.html
Die Autorin des Artikels kann es einfach nicht lassen, aber sie muss natürlich wieder eine gewisse Form der Werbung für die Rebellen machen. Die Rebellen agierten nie unabhängig, sie wurden immer sehr großzügig von den Golfstaaten unterstützt. Zudem griffen Türken und Israelis aktiv in den Bürgerkrieg mit ein. Und Waffenlieferungen aus dem Westen wie auch von Russland gab es auch immer. Und die Unterstützung aus dem Westen läuft wohl noch ne Weile weiter. Mittlerweile wurde sogar festgestellt von Medizinern, Experten für C-Waffen, der UN, des Roten Kreuzes/Halbmonds, etc., dass nicht Assad diese Waffen einsetzte, sondern die Rebellen. Auch berichtet Radio Vatikan ständig über Vergewaltigungen von Christinnen in Syrien durch die FSA und die Islamisten. Synagogen, Moscheen der Schiiten und Kirchen wurden von den Rebellen geschändet und zerstört. Würde der Westen diese Rebellen weiterhin unterstützen und ihnen zum Sieg verhelfen, dann gäbe es eine massive Christenverfolgung. was erwartet eigentlich Israel, wenn ein radikalislamistisches Regime in Syrien die Herrschaft übernimmt? Nein, die Rebellen müssen sich ergeben und das Land verlassen. Eine Teilung Syriens darf es nicht geben.
3.
TangoGolf 23.07.2013
Zitat von sysopAFPEin Brief des US-Generalstabschefs macht es deutlich: Washington rechnet nicht mehr mit einem schnellen Sturz von Syriens Diktator Assad, das Militär warnt von einer kostspieligen Intervention. Stattdessen stellen sich die USA auf eine Teilung des Landes ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-baldiger-sturz-von-assad-gilt-als-unwahrscheinlich-a-912548.html
damit gäbe es dann wohl einen weiteren failed State in der Region, diesmal noch näher an Europa, an Israel und auch and er Türkei heran. Und das wird nicht der von Assad beherrschte Teil sein - so tragisch das auch ist. Wahrscheinlicher wird es eher ein innerlich zerüttetes möchtegern Kalifat in Restsyrien sein, in dem besonders Islamisten für Schrecken sorgen.
4. Niemals die Niederlage eingestehen
VirgoA 23.07.2013
Wäre natürlich schwierig für die NATO ihre Niederlage im syrischen Stellvertreterkrieg einzugestehen. Auch die Giftgasgerüchte waren nicht überzeugend, hat man diese Waffen doch bei den Rebellen gefunden. Also das Beste draus machen und zur Not die Al Nusra Menschenhasser aufrüsten, geht ja schließlich um Demokratie a la USA (siehe Prism und die 1%). Worüber im Inland selten berichtet wird ist der Fakt, dass mittlerweile sehr viele Menschen in den Kämpfen zwischen Kurden und Islamisten umkommen, in den sogenannten "befreiten" Gebieten.
5. Worum geht es denn wirklich?
judasmüller 23.07.2013
Warum muss sich die USA in Syrien einmischen? Ist Amerika direkt von Assad bedroht oder angegriffen worden? Ich verstehe deren Engagement nicht.
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Von FSA bis Nusra-Front: Die syrischen Rebellengruppen

Chronologie: Der Aufstand gegen Assad

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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