Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Syriens Machthaber im ARD-Interview: Assad inszeniert sich als Versöhner

Syriens Präsident Baschar al-Assad Zur Großansicht
DPA/ SANA

Syriens Präsident Baschar al-Assad

Der syrische Diktator Baschar al-Assad hat der ARD ein Interview gegeben: Er stellt sich darin als friedensbereiter Politiker dar und weist jede Schuld für Krieg und Leid in seinem Land von sich.

Wird die seit Samstag geltende Feuerpause in Syrien eingehalten? Daran gibt es Zweifel. Frankreich etwa hat Hinweise darauf, dass das syrische Regime und seine Verbündeten die Feuerpause missachten. Auch die syrische Opposition berichtet von solchen Angriffen.

Machthaber Baschar al-Assad stellt jetzt seine Sicht der Dinge dar, in einem ARD-Interview. Man halte die Feuerpause ein, sagte er, er sprach von einem "Hoffnungsschimmer". Weiter sagte Assad: "Wir werden das Unsrige tun, damit das Ganze funktioniert." Bei einem Scheitern seien dann die anderen Kriegsparteien schuld.

Es werde schwierig sein, die "multilaterale Vereinbarung" zur Waffenruhe einzuhalten und zu sichern, so der Diktator. Damit meine er, "dass wir es mit mehr als einhundert Gruppierungen von Terroristen und mit so vielen weiteren Ländern zu tun haben, von denen sie unterstützt werden".

Zugleich bestritt Assad, dass Regierungstruppen Städte und Regionen, die von Regierungsgegnern der Opposition beherrscht werden, von der Außenwelt abschneiden würden. Aus diesen Gebieten heraus bekämpften Rebellen die syrische Armee und bombardierten Städte, die unter Regierungskontrolle stünden. Er stellte die Frage: "Wie sollten wir diese Gebiete von der Nahrungsmittelzufuhr abschließen, wenn wir sie doch nicht an der Beschaffung von Waffen hindern können?"

Tatsächlich sitzen seit Wochen Hunderttausende Syrer in eingekesselten Orten fest, abgeschnitten von Lebensmittellieferungen und medizinischer Versorgung. Die Uno will die Feuerpause nutzen, um sie mit Hilfskonvois zu versorgen.

In Bezug auf Deutschland sagte Assad, es sei "gut", wenn Flüchtlinge aufgenommen würden, die "ihr Land aufgrund der herrschenden Not verlassen". Es stelle sich aber die Frage, ob es nicht klüger und auch "weniger kostspielig" sei, Syrern zu helfen, in ihrem eigenen Land leben zu können. Dafür müsse sich der Westen entschließen, gegen den Terror zu kämpfen und nicht gegen sein Land.

Assad, der seit fünf Jahren Krieg führt und Fassbomben auch gegen die Zivilbevölkerung einsetzt, inszenierte sich in dem Interview als generöser Aussöhnungspolitiker. Gegnerischen Kämpfern wolle er wie in der Vergangenheit eine Amnestie anbieten, damit sie sich der Armee anschließen oder in ihr normales ziviles Leben zurückkehren könnten, behauptete der Diktator.

In den vergangenen Wochen hatte das Regime mit Unterstützung Russlands schwere Angriffe auf von ihren Gegnern kontrollierte Gebiete in der größten Stadt Aleppo gestartet - Zehntausende Zivilisten waren vor dem Beschuss geflohen.

cht/anr/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das wäre noch interessant zu wissen...
tomxxx 01.03.2016
eine Vielzahl der jungen Männer die kürzlich nach Deutschland gekommen sind, gehören eigentlich den Assad-Truppen an (ok, nach deutscher Berichterstattung kommen nur Frauen und Kinder, bei BBC sehen die Bilder dann anders aus...). Gilt für die Männer auch die Amnestie oder sieht er die als Deserteure?
2. Wie naiv ist Gniffke?
joes.world 01.03.2016
Er ist nämlich der Verantwortliche für dieses Interview, bei der ARD. Und meldet sich dazu auch in seinem Block zu Wort. Gibt er damit, weil "Zahlreiche Medien bemühen sich um ein Interview mit dem syrischen Machthaber" (Zitat aus seinem Block) jedweden moralischen Grundsatz auf? Muss er einem Massenmörder eine internationale Bühne bieten? Nur damit die ARD schneller als andere Sender sein kann? Denn der Journalist, der Assad gegenüber sitzt, macht den Unterschied aus. Ob dieser Journalist das Interview zu einer Werbeveranstaltung Assads verkommen lässt – oder er den den Diktator härter fragt, als Anne Will die Kanzlerin. Immerhin sitzt der Journalist keinem gewählten Volksvertreter, sondern einem blutrünstigem Diktator (mit manipulierter Pseudo-Wahl) gegenüber. Wo blieb das Nachfragen? Das Vorlegen von Photos von verwundeten Kindern durch die Waffen des Diktators? Wo, die Vorlage von Fotos gefolterter Kinder aus Assads Gefängnissen? Und die Welt sieht die Reaktion von Assad auf diese Fotos. Besser: hätte sie sehen können. Denn der ARD-Interviewer war weicher, als bei uns demokratische Politiker befragt werden. Das war ein Show-Interview. Ein misslungenes. Ein Versagen der ARD. Nämlich so, WIE das Interview gemacht wurde. Es wird weder der ARD, noch Gniffke zum Ruhm gereichen. Mehr der Schande.
3. Niederlage
ThomasSalzmann 01.03.2016
Die grösste Niederlage des Westens/Europas dürfte darin bestehen mit Assad verhandeln zu müssen. Wo wir doch den Arabischen Frühling ohne an die Folgen zu denken planlos unterstützt haben.Die Naivität der Friedensverwöhnten hat einen Dominoeffekt ausgelöst der uns alle noch über Jahre beschäftigen wird.
4. Ob er nun ein guter Mensch ist und daher...
joG 01.03.2016
....man ihm trotz Massentötungen und Folter, wie man sie sich kaum vorstellen kann an Tausenden das Volk an dem er dies beging wieder anvertrauen will, sollte das der Gerichtshof in Den Haag bestimmen.
5. Da bleibt die Frage...
der gärtner 01.03.2016
...wer hat diesen Konflikt begonnen und mit welchen Mitteln geführt? Assad steht hier nicht wirklich am Pranger, sondern die Weltengemeinschaft, welche diesen Konflikt künstlich in die Länge zieht, indem sie untätig zuschaut und Waffen liefert und mitbombt! Syrien ist der Libanon der 2010er Jahre und es ist kaum fassbar, wie unsere zivilisierte Welt ihr wahres Gesicht wieder und wieder nach aussen kehrt. Aber suchen wir nach den wahren Schuldigen, dann wird Assad nicht alleine da stehen!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Syrien-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: