Bürgerkrieg in Syrien: Assad will zum Volk sprechen

Es wäre die erste öffentliche Rede seit Monaten: Der syrische Präsident Baschar al-Assad will sich am Sonntag zur Lage in seinem Land äußern. Die libanesische Zeitung "Al Akhbar" schreibt, er werde einen Fünf-Punkte-Plan vorlegen - dabei soll es auch um einen Waffenstillstand gehen.

Syriens Präsident Baschar al-Assad: Er will sich erstmals wieder öffentlich äußern Zur Großansicht
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Syriens Präsident Baschar al-Assad: Er will sich erstmals wieder öffentlich äußern

Beirut - Seit Monaten hat er nicht in der Öffentlichkeit gesprochen, jetzt will er eine Rede halten: Syriens Präsident Baschar al-Assad wird am Sonntag über die neuesten Entwicklungen in seinem Land und der Region sprechen, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Die Assad-freundliche libanesische Zeitung "Al Akhbar" meldete unter Berufung auf anonyme Quellen, der Staatschef könne einen Fünf-Punkte-Plan vorlegen. Dabei gehe es um einen Waffenstillstand, internationale Beobachter zu seiner Überwachung, eine Verfassunggebende Versammlung, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit sowie freie Wahlen zu einem neuen Parlament. Außerdem wolle Assad nach dem Ende seiner Präsidentschaft 2014 abermals für das Amt des Staatschefs kandidieren dürfen.

Die geplante Rede fällt in eine Zeit, in der sich Regierungstruppen und Rebellen in der Gegend rund um Damaskus heftig bekämpfen. Seit Beginn des Aufstands gegen das Regime im März 2011 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 60.000 Menschen ums Leben gekommen. Viele hochrangige Mitarbeiter haben sich von Assad abgewendet, inzwischen sollen sich etwa 50 syrische Generäle in der Türkei aufhalten. Der Herrscher wird somit mehr und mehr zum einsamen Diktator.

Nach Berichten vom Samstag hat sich erneut ein syrischer Pilot mit seinem Kampfflugzeug in die benachbarte Türkei abgesetzt. Der Mann habe bei einem Einsatz im Grenzgebiet Syriens Kontakt zum türkischen Militär aufgenommen, berichteten türkische Medien am Samstag. Er sei dann mit seiner Mig-23 bei Adana gelandet.

Die Nato hatte am Freitag mit konkreten Vorbereitungen für die Aufstellung von "Patriot"-Luftabwehrraketen im türkischen Grenzgebiet begonnen. Daran ist auch die Bundeswehr mit zwei Staffeln beteiligt. Die "Patriots" sollen den Nato-Partner Türkei vor möglichen Angriffen aus Syrien schützen.

An diesem Sonntag sollen die deutschen "Patriot"-Raketen zur Verschiffung in die Türkei nach Lübeck-Travemünde transportiert werden. Sie sollen in Kahramanmaras in Südanatolien stationiert werden, etwa 100 Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt. Die meisten der 170 Soldaten des deutschen Geschwaders sollen erst später in die Türkei fliegen. Anfang Februar soll die Einheit einsatzbereit sein.

fln/Reuters/AP/dpa/AFP

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insgesamt 142 Beiträge
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1. Arme Sau.
cyn 05.01.2013
Der Herr Assad ist ja ja schon ne fiese Type. Aber mir tut er ein wenig leid und Syrien tut mir auch leid. So gut wie unter den Assads vor dem Bürgerkrieg wird es den Menschen in Syrien so schnell nicht mehr gehen.
2. waswill assad dem volk sagen? so wie einst mielke als er
hobbysechs00 05.01.2013
den Untergang nahen fühlte : " ich liebe doch alle ?" das er jetzt zum Volk sprechen will ist neben einem versuch der Rechtfertigung vor allem auch ein schuld Eingeständnis. zu spät : du rettest den Freund nicht mehr. er weiss inzwischen dass er sein Volk verloren hat und es keinen Ausweg mehr gibt ausser das land zu verlassen. Rationalisierung und selbsthypnose mehr können wir nicht erwarten
3.
reuanmuc 05.01.2013
Zitat von hobbysechs00Rationalisierung und selbsthypnose mehr können wir nicht erwarten
Genau so ist es, alles andere wäre eine Sensation. Am Montag geht das Töten weiter. Andererseits ist jeden Tag eine Überraschung möglich, wenn die Armeeführung den Wahnsinn endlich erkennen und Schluss machen würde.
4. Klasse!
homeentersucker 05.01.2013
Ein vom wahrhaftig syrischen Volk gewählter Präsident spricht zu seinen Landsleuten. Was ist so schlimm daran? Er mag in Ihren Augen, liebe SPON, ein Despot sein, aber verfassungs- und völkerrechtlich gesehen ist er der PRÄSIDENT des souveränen Staates SYRIEN.
5. Hoffentlich wird nicht schon wieder die falsche Sau geschlachtet.
felixhenn 05.01.2013
Assad ist bestimmt kein angenehmer Zeitgenosse und Syrien sollte anders regiert werden als durch die Familie Assad. Im Irak werden Christen gerade vertrieben oder ermordet. Was wird aber nach Assad? Die Alawiten und Christen werden einen sehr schlechten Stand haben. Warum akzeptieren wir Christen im Westen solche Kollateralschäden und finanzieren die sogar? Da läuft was ganz gewaltig in die falsche Richtung und sollte schleunigst korrigiert werden. Leider bedarf es dazu Politiker die wir im Westen nicht haben.
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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