Syrien Beobachter melden heftige Angriffe auf Idlib

Nach gescheiterten Gesprächen über eine Waffenruhe greifen Syrien und Russland offenbar erneut die letzte Rebellenhochburg Idlib an. Beobachter befürchten ein Blutbad.

Explosion in der syrischen Provinz Idlib am 8. September
AFP

Explosion in der syrischen Provinz Idlib am 8. September


Syriens Regierung und ihr Verbündeter Russland haben offenbar die schwersten Angriffe seit einem Monat auf die Rebellenprovinz Idlib geflogen. Dabei sind Menschenrechtlern zufolge mindestens vier Zivilisten ums Leben gekommen.

Die Provinz sei von etwa 80 Bombardements getroffen worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Die Nachrichtenagentur AFP schrieb von 60 Angriffen in drei Stunden.

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Krieg in Syrien: Ringen um Idlib

Idlib im Nordwesten Syriens ist die letzte große Rebellenhochburg in dem Land, in dem seit sieben Jahren ein verheerender Bürgerkrieg tobt. Die syrische Regierung droht mit einem Großangriff auf die Region. Die Türkei hatte die Verbündeten von Damaskus, Russland und Iran, bei einem Gipfel in Teheran am Freitag nicht von einer Waffenruhe überzeugen könnten.

In Idlib, wo verschiedene Gruppen von der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert werden, leben nach Uno-Angaben drei Millionen Zivilisten. Im Fall einer Großoffensive drohen erbitterte Kämpfe, da es für die Rebellen keine Ausweichmöglichkeit in Syrien mehr gibt. Beobachter befürchten ein Blutbad.

Uno-Nothilfekoordinator Mark Lowcock erklärte, in Idlib könnte es die größte humanitäre Katastrophe im 21. Jahrhundert geben. US-Präsident Donald Trump warnte Syriens Präsidenten Baschar al-Assad vor einem "Gemetzel".

Russland spricht von Kampf gegen Terroristen

Bundeskanzlerin Angela Merkel rief dazu auf, bei einer Offensive eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte hingegen, in Idlib hätten sich Terroristen gesammelt. Die "Eiterbeule" müsse liquidiert werden.

Bereits in den vergangenen Monaten hatte die Regierung wichtige Gebiete wieder eingenommen, darunter die lange umkämpfte Region Ost-Ghuta bei Damaskus und den Süden des Landes. Dort gaben die Rebellen zu großen Teilen kampflos auf.

nis/dpa/afp



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