Kampf um Afrin Beobachter und Kurden werfen Türkei Giftgaseinsatz vor

Die Türkei kämpft in Nordsyrien mit arabischen Verbündeten gegen die kurdische Miliz YPG. Nun soll die die Kurdenenklave Afrin mit Giftgas angegriffen worden sein - die türkische Seite weist die Anschuldigungen zurück.

Beschuss der Umgebung von Afrin
REUTERS

Beschuss der Umgebung von Afrin


Erst am Freitag versuchte US-Außenminister Rex Tillerson bei einem Besuch in der Türkei, demonstrativ die gemeinsamen Interessen mit der Regierung in Ankara im Syrienkrieg zu betonen. Nun sollen bei einem Giftgasangriff der türkischen Armee und ihrer Verbündeten in der umkämpften kurdischen Region Afrin in Nordsyrien sechs Menschen verletzt worden sein.

Die sechs Opfer hätten durch die Einwirkung eines nicht näher bestimmten Gases Atembeschwerden und erweiterte Pupillen bekommen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Der mutmaßliche Angriff habe sich am Freitag in dem Ort Scheich Hadid westlich der Stadt Afrin ereignet. Der Leiter des Krankenhauses in Afrin sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass die Verletzten mit Atembeschwerden nach türkischem Beschuss eingeliefert worden seien.

Die Türkei dementiert

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana warf der türkischen Armee vor, Granaten mit Giftgas bei dem Beschuss einer Ortschaft eingesetzt zu haben. Die türkische Armee wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. Man benutze keine Materialien, die unter internationalem Recht geächtet seien. "Solche Munition gibt es nicht im Inventar der türkischen Streitkräfte", hieß es in der Erklärung, deren Wahrheitsgehalt sich nicht prüfen lässt.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Uno-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, von mutmaßlichen Giftgasangriffen in Afrin berichtet. Allerdings ließen sich die Anschuldigungen nicht unabhängig überprüfen, sagte de Mistura.

Die Vereinigten Staaten unterstützen eine von der kurdischen YPG-Miliz dominierte Streitmacht, die erfolgreich die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekämpft. Die Türkei betrachtet die YPG als terroristische Gruppierung und will deren Erstarken an der Grenze verhindern, damit sie nicht der kurdischen Autonomiebewegung in der Türkei Auftrieb gibt. Gemeinsam mit Verbündeten der Freien Syrischen Armee geht die Türkei deshalb seit fast vier Wochen gegen die YPG vor.

dop/dpa/AP/Reuters



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