Alarmbereitschaft in Damaskus Syrien bereitet sich auf US-Angriff vor

Wann beginnt der von Donald Trump angedrohte Angriff? Syrien versetzt seine Hauptstadt Damaskus in Alarmbereitschaft, Bürger berichten, dass sie nachts nicht mehr auf die Straße gehen.

Soldaten in Damaskus (Archivaufnahme)
REUTERS

Soldaten in Damaskus (Archivaufnahme)


Nach der Drohung von US-Präsident Donald Trump mit einem Militärschlag stellt sich Syrien auf einen Angriff ein. Zahlreiche staatliche und militärische Einrichtungen in der Hauptstadt Damaskus seien in Alarmbereitschaft versetzt worden, hieß es aus regierungsnahen Kreisen. In vielen Behörden sei die Zahl der anwesenden Mitarbeiter verringert worden.

Der Verkehr auf den Straßen der Hauptstadt habe schon deutlich abgenommen, berichtet ein dpa-Reporter. Bereits in den vergangenen Tagen hatten die syrischen Streitkräfte begonnen, sich von Stützpunkten zurückzuziehen.

Ein Anwohner aus Damaskus mit dem Namen Ibrahim berichtete, die Menschen in der Hauptstadt lebten wegen der Drohungen in Sorge und Angst vor einem möglichen Angriff. Einige gingen nachts nicht mehr auf die Straße, weil sei davon ausgingen, dass eine Bombardierung zu dieser Zeit erfolgen werde, sagte der 29-Jährige.

Andere Anwohner zeigten sich gelassener. Eine Bewohnerin, die in der Nähe des syrischen Präsidentenpalastes lebt, berichtete, das Leben in Damaskus laufe mehr oder weniger normal. Trumps Drohungen halte sie für "reine Propaganda". Ein Student sagte der dpa, er sei nicht besorgt, weil Trumps Vorwürfe auf "Lügen und konstruierten Nachrichten" basierten: "Mein Alltagsleben geht normal weiter."

Das Weiße Haus hatte am Donnerstag erklärt, eine Entscheidung über einen Militäreinsatz als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff der syrischen Regierung sei noch nicht gefallen. Zunächst sollten weitere Geheimdiensterkenntnisse ausgewertet werden. Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sollen dort ab Samstag mit Untersuchungen beginnen.

Video zu möglichem US-Angriff: Trumps Syrien-Chaos

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Vor dem Verteidigungsausschuss des US-Repräsentantenhauses deutete US-Verteidigungsminister James Mattis an, seine Regierung prüfe eine Reaktion, die sowohl eine Eskalation in der Region verhindere als auch wegen des angeblichen Giftgasangriffs eine deutliche Botschaft an Syriens Machthaber Baschar al-Assad sende. "Wir versuchen, den Mord an unschuldigen Menschen zu beenden", sagte Mattis. "Aber auf einer strategischen Ebene geht es darum, wie wir verhindern, dass das außer Kontrolle gerät, wenn Sie mich verstehen."

Die russische Regierung warnte die USA vor einer Militäraktion in Syrien. Ein Einsatz von Gewalt wäre ein grober Verstoß gegen das Völkerrecht, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow der Agentur Tass. "Wir warnen die USA vor unüberlegten Schritten."

Video: US-Militärschlag wäre "nur noch ein Akt der Bestrafung"

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Washington dürfe die internationale Gemeinschaft nicht mit verschiedenen Signalen zu einem möglichen Angriff in Syrien in Unruhe versetzen, sagte der Diplomat. "Wir sind der Meinung, dass die USA in dieser Situation eine deutlich konstruktivere Rolle spielen könnten", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will nach den Worten eines engen Vertrauten eine mögliche Entscheidung über Militärschläge geheim halten. "Falls die Schläge beschlossen werden, werde ich es Ihnen nicht sagen", sagte der Chef der Präsidentenpartei La République en Marche, Christophe Castaner, den Sendern BFMTV und RMC. "Und der Präsident der Republik (Macron) wird es Ihnen auch nicht sagen."

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian hat vor dem Hintergrund der Krise unterdessen Arbeitsbesuche in Albanien und Slowenien abgesagt. Das bestätigte das französische Außenministerium. Ursprünglich waren diese Besuche am Freitag und Samstag geplant. Das Außenamt ging nicht näher auf die Gründe ein.

als/aev/dpa

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brigi2401 13.04.2018
1. Es ist schlimm ...
wirklich schlimm, was die Alliierten da machen. Wir lassen uns offenbar vor jeden Karren spannen. Die Rache folgt auf dem Fuß...! Auge um Auge, Zahn um Zahn. Alttestamentarischer kann man es nicht machen. Wem soll damit gedient sein? Da sowieso zu vermuten ist, dass der Giftgasangriff - so er denn einer war - von irgendeiner islamistischen Splittergruppe oder gar gleich von irgendeinem Geheimdienst ausgeführt wurde, ist eine solche Reaktion des Westens doch nur eine neue Motivation für Terroristen, Islamisten oder Sonstige, alle Schrecklichkeiten der globalen Giftküchen in Syrien auszuprobieren, um den Westen in diesen Krieg hinein zu zwingen.
peterpeterweise 13.04.2018
2. Cui bono?
Die Übergabe der Stadt Duma war schon fest vereinbart. Ein großer Teil der Islamisten hatte die Stadt bereits verlassen, die Übergabe von den Gefangenen der Islamisten an die Regierung lief. Die Zivilisten der Stadt hatten nur noch wenige Tage vor sich, bevor das Gebiet wieder unter die Herrschaft von Damaskus kommen sollte. Gibt es eine logische Begründung, warum Assad die Menschen, auf welche er in wenigen Tagen wieder den vollen Zugriff hat, und prüfen kann, wer mit den Islamisten zusammen gearbeitet hat und wer ein heimlicher Assad Anhänger war wahllos Zivilisten tötet? Assad mag Demokrat sein, aber im Angesicht der vereinbarten Übernahme von Duma dort mit Giftgas eine harte Reaktion des Westens zu provozieren, dass ergibt weder militärisch noch taktisch irgend einen Sinn.
pavel1100 13.04.2018
3. Es hat ihm genützt
Zitat von peterpeterweiseDie Übergabe der Stadt Duma war schon fest vereinbart. Ein großer Teil der Islamisten hatte die Stadt bereits verlassen, die Übergabe von den Gefangenen der Islamisten an die Regierung lief. Die Zivilisten der Stadt hatten nur noch wenige Tage vor sich, bevor das Gebiet wieder unter die Herrschaft von Damaskus kommen sollte. Gibt es eine logische Begründung, warum Assad die Menschen, auf welche er in wenigen Tagen wieder den vollen Zugriff hat, und prüfen kann, wer mit den Islamisten zusammen gearbeitet hat und wer ein heimlicher Assad Anhänger war wahllos Zivilisten tötet? Assad mag Demokrat sein, aber im Angesicht der vereinbarten Übernahme von Duma dort mit Giftgas eine harte Reaktion des Westens zu provozieren, dass ergibt weder militärisch noch taktisch irgend einen Sinn.
Leider verdrehen sie hier die Ereignisse etwas. Am Tag vor dem Giftgasangriff haben sich die Islamisten geweigert, das Viertel zu verlassen. Am Tag nach dem Giftgasangriff sind sie dann freiwillig abgezogen. Assad hat sich einen langwierigen Häuserkampf erspart. Seine Armee ist ziemlich ausgedünnt und er braucht wahrscheinlich jeden Mann.
carahyba 13.04.2018
4.
Durch die erratische Politik Trumps, seiner Twitter-Diplomatie, sind die USA in eine Zwickmühle geraten. Den Ankündingen des PotUS muss nun etwas folgen, nur was ist noch nicht klar, weder Trump noch den Militärs. Trump hoffte stark auf seine Freunde, May und Macron erklärten sich zu allem Möglichen bereit, das scheint nun nicht mehr so klar. Frankreich hat seine Flieger in Jordanien geparkt, GB auf Zypern. Beide Staaten wollen nicht in einen Krieg hineingezogen werden. Die Griechen wollen ihren NATO-Flugplatz auf Kreta auch nicht bereitstellen. Artikel 5 des NATO-Vertrages ist ja noch nicht in Kraft. Deutschland und viele andere sind voll solidarisch, auch NATO-Stoltenberg, aber mitschiessen wollen sie nicht. Nun muss DJ Trump wohl alleine Schiessen und dass wollte er an sich gar nicht. Die Gemeinde der Freunde und verhinderten Willigen ist zwar gross, aber keiner wiil oder kann schiessen. Nun muss DJ auf sein Wochenende in Mar-o-lago verzichten und selbst schiessen. Mal sehen was er trifft und ob er selber getroffen wird. Denn die Bösen könnten ja zurückschiessen. Very sad!
ulrich-lr. 13.04.2018
5. Kein Korrektiv
Wir im Westen haben kein Korrektiv mehr. Das Blockdenken hat sich unter der Mode-Losung "Einheit und Geschlossenheit zeigen" dermaßen verfestigt, dass keine EU-Regierung aufsteht und der Eskalationsspirale Einhalt gebietet. Das Bizarre ist: Jede Regierung, die aggressiv vorprescht, darf nun mit der "Solidarität" der anderen westlichen Regierungen rechnen. Wer führen will, muss nur eskalieren, die anderen folgen ihm. Jetzt dürfen angeblich die USA und Macron ihr Gesicht nicht verlieren. Macron hat seine Kollegen aber nicht vorher gefragt, ob seine Drohung Sinn macht. Genauso wenig, wie er Beweise liefert. Die beiden Hitzköpfe Macron und Trump haben sich um Kopf und Kragen gedroht und nun soll es die Welt ausbaden. Und der größtmögliche Widerstand besteht darin, dass D, das fleißig solidarisch mit den anderen Wölfen geheult hat, nun "mutig" erklärt, an einem Militärschlag nicht teilnehmen zu wollen. Dass dieser Schlag ein eklatanter Bruch des Völkerrechts wäre, kommt weder der Kanzlerin noch dem Außenminister und Juristen über die Lippen. Fassungslos registriert man, dass der Westen - unserer Regierungen - aufgrund einer ungeklärten Faktenlage von vielleicht 42 Opfern Rache nehmen will und in Kauf nimmt, dass noch mehr Menschen sterben und ein neuer Konflikt entsteht, der noch viel größer und gefährlicher werden kann. Das beschreibt das intellektuelle und moralische Niveau unserer Politiker.
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