US-Luftangriffe in Syrien Menschenrechtler berichten von Dutzenden toten Zivilisten

Luftangriffe der Anti-IS-Koalition sollen mindestens 56 Syrer getötet haben. Das berichten die Beobachtungsstelle für Menschenrechte und Amnesty International. Die USA kündigen eine Untersuchung an.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter
AFP

US-Verteidigungsminister Ashton Carter


Bei Luftangriffen der US-geführten Koalition im Norden Syriens sind laut Aktivisten am Dienstag mindestens 56 Zivilisten ums Leben gekommen. Unter den Opfern nahe der Stadt Manbidsch seien auch elf Kinder, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dutzende Menschen seien zudem verletzt worden.

Er gehe davon aus, dass es sich bei dem Angriff um einen Fehler gehandelt habe, sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. Ihren Recherchen zufolge sind mindestens 60 Zivilsten getötet worden. Das ließe sich durch Videos und Fotos nachweisen. Die Zahl der Toten sei mutmaßlich deutlich höher, da viele Menschen noch unter den Trümmern ihrer Häuser begraben sein könnten.

Der Luftangriff der US-geführten Koalition galt der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die internationale Koalition unterstützt in Manbidsch Truppen unter Führung der Kurden. Diese hatten Ende Mai eine Offensive gestartet, um den IS aus der Stadt zu vertreiben.

Ein Sprecher des Pentagons erklärte, man gehe den Berichten nach: "Wir prüfen ihre Glaubwürdigkeit. Wir nehmen das sehr ernst." Verteidigungsminister Ashton Carter bekräftigte am Mittwoch, dass die USA die Vorwürfe untersuchen würden.

Untersuchungen zu getöteten Zivilisten gibt es seitens der USA immer wieder. Informationen dazu werden aber oft erst nach mehreren Monaten veröffentlicht.

Bereits am Montag waren laut den Menschenrechtsbeobachtern bei Luftangriffen in Manbidsch 21 Zivilisten getötet worden. Manbidsch ist für den IS strategisch wichtig, weil über die Stadt eine wichtige Nachschubroute aus der Türkei verläuft.

sun/dpa



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