Vorwürfe gegen Syriens Regime Kommission will genügend Beweise haben für Anklage gegen Assad

Helfer schmuggelten geheime Dokumente außer Landes, Überläufer wurden befragt: Drei Jahre lang hat eine internationale Kommission laut "Guardian" belastendes Material gesammelt, um Syriens Machthaber Assad anzuklagen.

Syriens Machthaber Assad: Belastende Unterlagen
DPA

Syriens Machthaber Assad: Belastende Unterlagen


Eine halbe Million Seiten mit Anweisungen und Berichten, 400 Interviews mit Überläufern: Ein internationales Team hat Beweise gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad und gegen sein Regime gesammelt - nun könnte es offenbar für eine Anklage wegen Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen reichen. Laut einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian" wurden drei Jahre lang offizielle Dokumente aus Syrien geschmuggelt, die als Beweise gegen Assad und 24 Mitglieder seiner Regierung dienen könnten. Der "Guardian" beruft sich auf die Recherchen einer internationalen Untersuchungskommission.

Die Beweise wurden gesammelt und Anklagen vorbereitet in Erwartung eines möglichen Kriegsverbrechertribunals. Bislang hat Russland aber mit seinem Veto im Uno-Sicherheitsrat Ermittlungen gegen das Assad-Regime ebenso blockiert wie die Bildung eines Ad-hoc-Strafgerichtshofes.

Eine mögliche Anklage gegen das syrische Regime könnte sich auf die Unterdrückung der Proteste von 2011 konzentrieren, berichtet der "Guardian". Die Aufstände lösten den Krieg im Land aus. Zehntausende angebliche Verräter waren festgenommen und viele von ihnen in den syrischen Gefängnissen gefoltert und getötet worden. Die Dokumente zeigen nun Anordnungen zu Massenverhaftungen und offenbaren deren nebulöse Gründe, etwa das "Diskutieren der Ereignisse in einer negativen Art".

Die Dokumente seien von der Kommission für internationales Recht (CIJA) zusammengetragen worden, die unter anderem von Großbritannien, den USA und der EU eingesetzt wurde. Darin arbeiten Ermittler und Rechtsexperten mit, die zuvor bereits gegen Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien oder in Ruanda vorgegangen sind.

Gemeinsam mit 50 syrischen Ermittlern seien die Unterlagen aus dem Land gebracht worden. Einer der Mitarbeiter sei bei dem Einsatz gestorben, einer schwer verwundet und mehrere festgenommen und gefoltert worden.

Bei einer weiteren Untersuchung geht es um die Kriegsverbrechen der extremistischen Opposition in Syrien. Diese verlässt sich auf Befragungen von Insidern und der Auswertung von öffentlich zugänglichem Material wie Propaganda- und Augenzeugenvideos.

Chronologie: Der Aufstand gegen Assad

vek



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
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Gela2006 13.05.2015
1. Es bedarf...
...eine halbe Million Seiten mit Berichten und 400 Interviews mit Überläufern, bevor man auch nur anfängt aktiv zu werden? Es mag sein, dass ich zu einfach gestrickt bin, aber das übersteigt meinen Horizont.
pommbaer84 13.05.2015
2. keine Anklage
Da Russland schön weiter blockieren wird.
dennistennis 13.05.2015
3. Bin ich jetzt doof oder...?
Die Headline: "Vorwürfe gegen Syriens Regime: Kommission will genügend Beweise haben für Anklage gegen Assad" Ist da nicht grammatikalisch etwas durcheinander geraten? Müsste nicht "haben" ans Ende rücken? Oder ist das inzwischen so weit verbreitet, dass es egal ist?
Kater Bolle 13.05.2015
4. Vor Gericht aber schnell
der gehört schnellstens aus dem Verkehr gezogen. IS und andere aber bitte auch. Leider hat die Menschheit schon immer solche Exemplare hervorgebracht.
Alacer 13.05.2015
5. schon,
aber ich frage mich, was nach Assad kommen soll. Wenn man ihn weiter schwächt, werden die Islamisten die Macht in Syrien übernehmen ähnlich wie in Libyen und auch dort wird noch gekämpft. Wird dadurch etwas besser in dem Land?
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