Syrien Blogger veröffentlichen Hinweise auf russischen Bodeneinsatz

Es mehren sich die Hinweise, dass russische Soldaten in Syrien auch am Boden operieren. Aktivisten des "Conflict Intelligence Teams" sind in sozialen Netzwerken auf entsprechende Fotos gestoßen.

Russischer Soldat in Syrien (Archivbild): Was macht Moskau?
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Russischer Soldat in Syrien (Archivbild): Was macht Moskau?

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Russische Aktivisten haben Hinweise zusammengetragen, die nahelegen, dass Russlands Militäreinsatz in Syrien inzwischen über Luftschläge hinausgeht - und auch Operationen am Boden umfassen könnte. Die Gruppe namens Conflict Intelligence Team - ein Zusammenschluss von der russischen Opposition nahestehenden Bloggern - hat ihre Erkenntnisse im Internet veröffentlicht.

Die Gruppe stützt sich vor allem auf Fotos, die russische Soldaten auf sozialen Netzwerken veröffentlicht haben und die offenbar in Syrien aufgenommen wurden. Und zwar weit entfernt der bekannten russischen Stützpunkte Latakia und Tartus. Die Rede ist von Positionen nahe der Städte Hama, Homs und sogar im umkämpften Aleppo. Einige der Aufnahmen sind inzwischen zwar gelöscht oder öffentlich nicht mehr zugänglich. Die Blogger haben allerdings Kopien angefertigt, um ihre Thesen zu untermauern.

Am 20. Oktober postete ein Nutzer Namens Wladimir B. auf der russischen Plattform VK.com eine Aufnahme und versah sie mit dem Ortshinweis "M5, Hama, Syrien". M5 ist eine strategisch wichtige Autobahn, die zuletzt umkämpft war. Der gleiche Nutzer hatte zuvor bereits ein Foto von sich und mehreren Kameraden in Tarnfleck und mit Sonnenbrand gepostet.

Das Conflict Intelligence Team geht davon aus, dass es sich bei Wladimir B. um einen Angehörigen der russischen Armee handelt. Seine Einheit soll die 810. Brigade der Marine-Infanterie sein, stationiert im Krim-Hafen Sewastopol. Hinweise über eine Verlegung der Einheit nach Syrien gibt es seit Anfang September.

Instagram-Profil gespickt mit Schnappschüssen aus Syrien

Dafür sprechen auch andere Fotos, die Wladimir B. früher auf seinem Profil postete: Mehrere Aufnahmen zeigen ihn und Kameraden bei Übungen und in Kampfmontur. Eine zeigt ein Gebäude der Basis der 810. Brigade in Sewastopol.

Die russischen Blogger wurden auch auf dem sozialen Netzwerk Instagram fündig. Dort stießen sie auf die Seite eines Russen, die gespickt war mit Schnappschüssen aus Syrien. Auf einigen posiert er mit Gewehr und Tropenhut. Bei einer Aufnahme hat er als Ort "Aleppo, Syrien", angegeben, bei einer anderen die Stadt Homs.

Das Conflict Intelligence Team hat den Kämpfer als Ilja G. identifiziert. Vor zwei Jahren hatte er auf Instagram geschrieben, er habe zweieinhalb Jahre in einer Spezialeinheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU gedient. Eine offenbar von der Einheit verliehene Urkunde trägt seinen Namen.

Unklar ist, ob G. noch im Dienst der russischen Armee steht - oder sich womöglich als Söldner nach Syrien aufgemacht hat. Der Instagram-Eintrag von 2013 könnte für die zweite Version sprechen. Allerdings hat G. auch seine aktuellen Syrien-Einträge mit dem Hashtag #16OBrSpN versehen, das ist die Abkürzung seiner alten Einheit.

Der Kreml hat den Einsatz von Bodentruppen in Syrien stets vehement bestritten. Russische Medien berichteten in den vergangenen Wochen allerdings immer wieder über Organisationen, die Freiwillige für Kampfeinsätze an der Seite von Assads Armee nach Syrien bringen wollen. So berichtete ein Anwerber der russischen Plattform "Dobrowolez" (Freiwilliger) im Interview mit der Nachrichtenseite Lenta.ru von "30 bis 50 Bewerbungen pro Tag".

Üppige Gehälter sollen locken

Allerdings sei darunter meist nur eine brauchbar. Laut einem Bericht der angesehenen Sankt Petersburger Website Fontanka.ru locken die Rekrutierer Interessenten mit Monatsgehältern bis zu 4000 Dollar im Falle von "intensiven Kämpfen". Sammelpunkt soll demnach Molkino sein, eine Ortschaft in Südrussland. Gleich in der Nähe ist auch eine Spezialeinheit des Militärgeheimdienstes GRU untergebracht.

In ihrem Bericht präsentiert die Gruppe zudem Indizien dafür, wie massiv Moskau Assads Armee in den vergangenen Monaten aufgerüstet hat. Zahlreiche Panzer des Typs T-72 sowie Panzerwagen, die Mitte Oktober im russischen Hafen Noworossijsk gesichtet wurden, tauchten Anfang November in Syrien wieder auf. Daneben soll der Kreml auch Boden-Boden-Raketen des Typs Totschka an Damaskus geliefert haben. Syriens Armee hatte solche Raketensysteme seit 2013 nicht mehr im Einsatz.

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Zusammengefasst: Sind in Syrien russische Bodentruppen im Einsatz? Das halten Blogger, die der Opposition in Russland nahestehen, für sehr wahrscheinlich. Entsprechende Aufnahmen dafür wollen sie im Internet gefunden haben. Die Rede ist von Positionen nahe der Städte Hama, Homs und sogar im umkämpften Aleppo.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Süddeutscher 10.11.2015
1. Endlich mehr gute Nachrichten
Das ausgerechnet die Russen endlich Bewegung in die Sache bringen, hätte man wohl vor Kurzem nicht geglaubt. Aber evtl. sind sie auch die Einzigen, die hier etwas verändern können. Längst geht es ums Eingemachte. Kollateralschäden (Unschuldige, Kinder, Frauen, denen die Flucht nicht gelang), sind nicht mehr zu vermeiden. Jetzt muss Isis am Boden zerstört werden. Und dabei wird es auch Opfer bei den Gegnern von Assad geben. Aber das ist das kleinere Übel. Zumindest aus europ. Sicht. Der ganze Laden dort unten muss aufgeräumt werden. Und Russland ist dazu scheinbar bereit. Man muss Putin nicht mögen, aber dankbar sein sollte man auf jeden Fall, dass er endlich in den Konflikt eingreift. Der abgeschossene Touristenjet forciert das Engagement. Alles nicht schön, aber nötig, um Ordnung reinzubekommen. Ein Ordnung, die übrigens auch dank Assads Familie Jahrzehntelang vorhanden war.
stefan.p1 10.11.2015
2. ja,ja die Blogger
da erinnert mich immer wieder stark an "die unabhängige syrische Menschenrechtsorganisation" die am Ende aus einer Person bestand die seit 5 Jahren London nicht verlassen hat. Oder die unabhängige Organisation die an Hand von Fotos und Google Earth Bilder herausgefunden hat das der malayische Aerbus von russischen Separatisten abgeschossen wurde. Kann stimmen-muß aber nicht! Egal , Hauptsache erst mal veröffentlichen!
Neutrinoschreck 10.11.2015
3. Hat sich jemand mal eingehend ...
... mit dem obskuren "Conflict Intelligence Team" beschäftigt? :-)
oidahund 10.11.2015
4.
Da unten herrscht Krieg und Assad ist ein Verbündeter von Putin. Es war doch klar, dass die russischen Soldaten nicht nur zum Wattebällchen werfen dort unten sind. Russland unterstützt Assad auf vielfältige Weise, um seine Stützpunkte zu behalten.
appel&ei 10.11.2015
5. bester journalismus
das sind doch mal richtig seriöse quellen. aktivisten sammeln auf sozialen netzwerken im internet hinweise. zitiert wird ein "Wladimir B.". und spon macht daraus einen bericht. der ist dann folglich auch komplett im konjunktiv gehalten. jetzt mal ehrlich, liebe redakteure des spon: in meiner kindheit lautete ein weit verbreiteter spruch "die bil*-zeitung sprach zu erst mit dem toten", wenn es um billigsten journalismus ging. der spon ist drei jahrzehnte später auf genau diesem niveau angekommen. schade.
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