New York - Eine Woche nach dem Rücktritt von Kofi Annan als Uno-Sondergesandter für Syrien wird der frühere algerische Außenminister Lakhdar Brahimi als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge gehandelt. Die Wahl könne in letzter Minute aber auch auf jemanden anderen fallen, wenn wichtige Mitgliedsländer Vorbehalte gegen den Kandidaten anmelden sollten. Weitere mögliche Anwärter sind nach Angaben von Uno-Diplomaten der ehemalige Nato-Generalsekretär und EU-Außenbeauftragte Javier Solana und der spanische Ex-Außenminister Miguel Angel Moratinos.
Der 78-jährige Brahimi war von 1991 bis 1993 algerischer Außenminister und hatte seit 1994 mehrere ranghohe Posten bei den Vereinten Nationen inne, unter anderem als Gesandter für Afghanistan, Haiti und den Irak. Als Gesandter der Arabischen Liga handelte er das Ende des Bürgerkriegs im Libanon mit aus. 2005 ging Brahimi in den Ruhestand.
Annan war am 23. Februar von den Vereinten Nationen und der Arabischen Liga damit beauftragt worden, im Syrien-Konflikt zu vermitteln. Im April hatte der frühere Uno-Generalsekretär einen Waffenstillstand zwischen der Regierung von Staatschef Baschar al-Assad und der Oppositionsbewegung ausgehandelt, an den sich beide Seiten aber nicht hielten. In den vergangenen Wochen hat sich der Konflikt in Syrien verschärft.
Am 2. August erklärte Annan seinen Rücktritt und begründete den Schritt mit Zerwürfnissen innerhalb des Weltsicherheitsrats, die ein geschlossenes Bemühen um ein Ende der Gewalt in Syrien unmöglich gemacht hätten. Die Vetomächte Russland und China hatten zweimal ein Vorgehen gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad verhindert.
Nach der Vertreibung der Aufständischen aus einem strategisch wichtigen Bezirk in Aleppo haben die Rebellen nun eine Gegenoffensive angekündigt. Die Einheiten der Rebellen-Armee FSA mussten sich nach heftigen Kämpfen aus dem südwestlichen Stadtviertel Salahaddin zurückziehen.
Das syrische Militär hatte am Vortag einen neuen Anlauf gestartet, um die Aufständischen aus der seit fast drei Wochen umkämpften Millionenstadt zurückzuschlagen. Beide Konfliktparteien wie Beobachter sehen im Ausgang der Schlacht um Aleppo eine Vorentscheidung im Machtkampf.
Seit Beginn der Demonstrationen gegen das Assad-Regime vor 17 Monaten sind nach Uno-Schätzungen etwa 17.000 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon Zivilisten. Die Zahl der Vertriebenen liegt laut Uno bei 1,5 Millionen Syrern.
ffr/dapd/Reuters/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Aufstand in Syrien | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH