Luftangriffe in Syrien Amnesty wirft Russland Tötung von rund 200 Zivilisten vor

Die russische Luftwaffe fliegt seit Ende September Einsätze in Syrien - und hat dabei nach Angaben von Amnesty International rund 200 Zivilisten ermordet. Die Menschenrechtsorganisation spricht von Kriegsverbrechen.

Angriffsort im Nordwesten Syriens: Amnesty erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland
AFP

Angriffsort im Nordwesten Syriens: Amnesty erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland


Die Einsätze der russischen Luftwaffe in Syrien kosten nach Darstellung von Amnesty International zahlreiche Zivilisten das Leben und hinterlassen schwere Schäden in Wohngebieten. Es seien eine Moschee, ein Markt und medizinische Einrichtungen getroffen worden, teilte die Menschenrechtsorganisation in London mit. Bei einigen der Angriffe könne es sich womöglich um Kriegsverbrechen gehandelt haben.

Der Amnesty-Bericht konzentriert sich auf rund 25 Attacken zwischen Ende September und Ende November dieses Jahres, als Städte werden unter anderem Homs, Idlib und Aleppo angeführt. Es seien rund 200 Zivilisten ums Leben gekommen, berichtet die Organisation. Sie wirft Moskau vor, falsche Angaben zu zivilen Opfern gemacht zu haben. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass russische Soldaten Streumunition und Bomben ohne Lenksysteme in dicht besiedelten Gebieten einsetzten. In einigen Fällen habe es kein erkennbares militärisches Ziel gegeben.

"Es ist unbedingt notwendig, dass die mutmaßlichen Verstöße unabhängig und unparteiisch untersucht werden", sagte der Mitteilung zufolge Philip Luther, der bei Amnesty für den Nahen Osten und Nordafrika zuständig ist. Für den Bericht hat die Organisation nach eigenen Angaben unter anderem Augenzeugen befragt und Bildmaterial ausgewertet.

In Syrien herrscht seit fast fünf Jahren Bürgerkrieg. Im Sommer vergangenen Jahres eroberte zudem die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) große Teile des Landes und des benachbarten Nordiraks. Einheimische Truppen und eine internationale Allianz unter Führung der USA bekämpfen den IS in beiden Ländern aus der Luft. Russland fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien: Sie richten sich gegen den IS, aber auch gegen andere Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Uno-Sicherheitsrat erneuert Resolution für humanitäre Hilfe

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Dienstag mit, dass durch russische Angriffe inzwischen insgesamt 2132 Menschen getötet worden seien. Demnach handelte es sich um 598 IS-Kämpfer, 824 Kämpfer der Nusra-Front und 710 Zivilisten, darunter 161 Kinder und 104 Frauen. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf Aktivisten vor Ort, die Angaben sind unabhängig kaum überprüfbar.

Der Uno-Sicherheitsrat erneuerte am Dienstag eine Resolution zu humanitären Hilfslieferungen in das Land. Die 15 Mitglieder des Gremiums, darunter auch Russland, stimmten dem Text geschlossen zu. Dieser sieht beispielsweise Hilfslieferungen auch ohne das Einverständnis der Regierung in der syrischen Hauptstadt Damaskus vor.

aar/dpa/AFP



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