Syrien Demonstranten fordern erstmals internationalen Schutz

Hunderttausende Menschen demonstrierten in mehreren arabischen Ländern nach den Freitagsgebeten gegen ihre Regierungen. In Syrien lässt das Assad-Regime weiter auf seine Gegner schießen, die Protestler fordern jetzt internationalen Schutz.

Syrische Demonstranten fordern internationalen Schutz (die Authentizität des Fotos kann nicht eindeutig überprüft werden)
AP

Syrische Demonstranten fordern internationalen Schutz (die Authentizität des Fotos kann nicht eindeutig überprüft werden)


Beirut - In mehreren arabischen Staaten gingen am Freitag die Menschen auf die Straßen, um für mehr Rechte und Demokratie zu demonstrieren. Auch in Syrien kam es erneut zu Massenprotesten. Dabei haben Sicherheitskräfte erneut auf Regimegegner geschossen haben, berichteten Menschenrechtler. In Deir al-Sur, Homs, Hama und in der Provinz Idlib habe es mehrere Tote gegeben.

Erstmals wurden in Syrien Forderungen nach internationalem Schutz für die Demonstranten laut. In mehreren Städten demonstrierten Regimegegner unter dem Motto "Freitag des internationalen Schutzes". Allerdings ist sich die Opposition nicht einig, wie weit die Hilfe aus dem Ausland gehen soll. Auf der Facebook-Seite "The Syrian Revolution 2011", über die zu den Massenprotesten aufgerufen wird, wurden die Vereinten Nationen aufgefordert, ständige Uno-Beobachter nach Syrien zu entsenden. Außerdem wurde verlangt, internationale Medien in Syrien zuzulassen und die Zivilisten zu schützen.

Sollte das Regime weiterhin eine unabhängige Berichterstattung über die Proteste verhindern, wolle man die internationale Gemeinschaft demnächst bitten, eine Flugverbotszone für die syrische Luftwaffe durchzusetzen, sagte ein Sprecher der Protestbewegung am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Außerdem könne man aus der Luft Panzer und Artilleriegeschütze der Armee bombardieren, die gegen Zivilisten eingesetzt würden. Ein Sprecher der sogenannten Koordinationskommitees der Revolution betonte dagegen: "Wir sind immer noch gegen ausländische Einmischung und gegen eine Bewaffnung der Demonstranten." Die Regimegegner wünschten sich nur mehr politische Unterstützung aus dem Ausland.

Der Leiter der Nationalen Syrischen Menschenrechtsorganisation, Ammar Kurabi, appellierte während eines Besuchs in Moskau an die russische Führung, eine "aktivere und positivere Rolle" hinsichtlich der inneren Lage in Syrien zu spielen. Der russische Präsident Dmitrij Medwedew hatte zuvor gesagt, unter den regierungskritischen Demonstranten in Syrien seien auch "Terroristen". Die syrischen Behörden hätten zwar "unangemessene Gewalt" gegen die Demonstranten eingesetzt, Syrien sei aber weiter ein "Freund" Russlands.

Seit Beginn der Demonstrationen gegen die Assad-Regierung Mitte März finden in Syrien nahezu täglich Proteste statt. Nach Uno-Angaben wurden bei der Niederschlagung der Proteste bislang mehr als 2200 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Während der Westen auf schärfere Sanktionen gegen die Führung in Damaskus drängt, lehnt Moskau eine Verurteilung der syrischen Regierung durch die Uno ab - Russland kann als ständiges Mitglied des Sicherheitsrates Resolutionen verhindern.

Regimegegner demonstrieren in mehreren arabischen Ländern

Auch im Jemen, in Jordanien, im Irak und in Ägypten gingen Regierungsgegner erneut auf die Straße. In den jemenitischen Städten Tais und Sanaa forderten Hunderttausende Gegner von Präsident Ali Abdullah Salih den Rücktritt des Staatsoberhauptes. Salih hatte im Juni einen Anschlag überlebt und befindet sich seither in Saudi-Arabien, wo er medizinisch behandelt wird.

Auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo versammelten sich nach dem Freitagsgebet mehrere Tausend Menschen, um ihrer Enttäuschung über die aus ihrer Sicht "unvollendete" Revolution Luft zu machen. Die Demonstranten kritisierten die schleppende Demokratisierung und den ihrer Meinung nach zu schonend geführten Prozess gegen den langjährigen Staatschef Husni Mubarak, der Anfang des Jahres unter dem Druck von Massenprotesten zurückgetreten war. Sie forderten den Militärrat, der das Land seither regiert, auf, einen Zeitplan für die Wahlen bekanntzugeben.

Hunderte ägyptische Demonstranten haben mit Brecheisen und Vorschlaghammer eine Sicherheitsmauer vor der israelischen Botschaft in Kairo gestürmt. Dabei brachen sie mit Gewalt auch einige Segmente heraus. Ägyptische Sicherheitskräfte hatten die Mauer erst Anfang des Monats errichtet, sie sollte die Botschaft schützen. Auslöser für die Angriffe war der Tod von fünf ägyptischen Grenzpolizisten. Israelische Sicherheitskräfte hatten vor drei Wochen mutmaßliche palästinensische Attentäter an der Grenze zu Ägypten verfolgt und dabei die Ägypter erschossen.

In Libyen liefern sich Kämpfer der neuen libyschen Führung nach eigenen Angaben in der belagerten Stadt Bani Walid Gefechte mit Anhängern von Exmachthaber Muammar al-Gaddafi. Der 69 Jahre alte Gaddafi war vor zweieinhalb Wochen durch einen bewaffneten Volksaufstand aus der Hauptstadt Tripolis vertrieben worden. Sein gegenwärtiger Aufenthaltsort ist unbekannt.

Derzeit sind außer Bani Walid noch drei Städte in Hand Gaddafi-treuer Kämpfer - Sirte, die Geburtsstadt des Ex-Diktators, die Wüstenstadt Dschufra sowie die Garnisonsstadt Sabha. Die neue libysche Führung hat den Anhängern Gaddafis bis um Mitternacht Zeit gegeben, sich zu ergeben.

lgr/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 7 Beiträge
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green_mind 09.09.2011
1. Kriegstrommeln
Zitat von sysopHunderttausende Menschen demonstrierten in mehreren arabischen Ländern nach den Freitagsgebeten gegen ihre Regierungen. In Syrien lässt das Assad-Regime weiter auf*seine Gegner schießen, die Protestler fordern jetzt internationalen Schutz. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785463,00.html
Es gibt Stimmen, die den Libyenkrieg als Auftakt für den dritten Weltkrieg bezeichnen. Selbst die beste gut-westliche Demokratie wird zwangsläufig verformt und in ihren Grundlagen erschüttert, wenn sie sich mit der halben Welt im Dauer-Kriegszustand befindet.
paulibahn 09.09.2011
2. ente?
das riecht verdächtig nach einer ente. wozu wird eine flugverbotszone gefordert? bisher wurden soweit ich weiß keine flugzeuge gegen demonstranten eingesetzt. das foto sieht auch etwas manipuliert aus.
Nachfrager_ 09.09.2011
3. Blakat
wer trägt eigentlich das Blakat? Auch Medien haben eine Verantwortung. Also ''die Authentizität des Fotos kann nicht eindeutig überprüft werden'' reicht nicht aus.
cirkular 09.09.2011
4. Dann kann ja die Bombardierung Syriens
bald beginnen. Alte Kulturschätze werden zerstört oder geplündert. Wie in den letzten Jahren üblich wird man auch den Syrern das volle Demokratisierungprogramm mit abgereichertem Uran zukommen lassen.
flower power 10.09.2011
5. Internat. Schutz
Woher soll der kommen. Es gibt keine Internationale. Denn, wenn es eine gäbe, so könnte diese uns auch beschützen, vor Terrror, Schuldenkrise, Rentensystem-Plünderungen, Gier..... Zudem: Demonstranten??? Wer sind diese? Wie viele sind es? Wo kommen diese her, wo wollen diese hin?
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