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Putins Syrien-Strategie: Unser Mann fürs Grobe

Ein Kommentar von , Washington

Russlands Präsident Putin: Putin: Wem gelten die Angriffe? Zur Großansicht
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Russlands Präsident Putin: Putin: Wem gelten die Angriffe?

Putin bombt in Syrien, und die Welt schaut zu. Das schmerzt, ist aber eine logische Konsequenz des westlichen Versagens in der Nahostpolitik.

Natürlich will man sich jetzt reflexhaft empören, dieser Wladimir Putin ist in seiner Selbstherrlichkeit ja auch schwer zu ertragen. Erst rüstet der russische Präsident in Syrien seinen Militärstützpunkt auf und spricht dies international nicht ab. Dann tritt er breitbeinig vor die Uno und gibt sich als großer Anti-Terror-Stratege. Und jetzt fliegen seine Kampfjets schon Angriffe auf - ja auf was eigentlich?

Ob die russischen Bomben dem "Islamischen Staat" (IS) gelten oder doch eher den anderen Gegnern von Machthaber Assad, ist nicht wirklich klar. Wussten wir es doch! Diesem Putin ist einfach nicht zu trauen.

Alles richtig. Doch Empörung hilft nicht weiter. Die unangenehme Wahrheit ist: Wir können uns über Russlands Einmischung in Syrien kaum beschweren. Moskau springt auf einen Schauplatz, den wir scheuen. Der Westen, wenn man denn diesen verkürzenden Terminus noch verwenden möchte, kann und will gerade keine Kriege führen. Von Washington bis Berlin ist niemand bereit, sich wirklich die Hände schmutzig zu machen. Ein paar Luftangriffe, hier und da eine Ausbildungsmission - das war's.

Es gibt gute Gründe, sich in Syrien militärisch nicht oder zumindest nicht allzu sehr zu engagieren. Angesichts der zersplitterten Opposition ist höchst unklar, wer unterstützenswert ist. Mit Blick auf die Stärke und Brutalität des IS ist fraglich, wie langwierig ein Krieg gegen die Terroristen wäre. Aber es sind wohl weniger die strategischen Überlegungen, die ein entschlosseneres Eingreifen verhindern. Es sind die eigenen Erfahrungen der jüngsten Geschichte.

Ein Blick auf die militärischen Abenteuer, in die sich der Westen in den vergangenen knapp 15 Jahren in der Region stürzte, genügt. Ob Irak, Afghanistan oder Libyen - die Kosten dieser Kriege waren außerirdisch, nur ist das Kalkül nirgendwo aufgegangen. In den Irak sind die USA marschiert, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen zu machen. Aus Afghanistan ziehen wir Deutschen ab, ohne uns über die Folgen im Klaren zu sein. Und über Libyen spricht lieber niemand mehr.

Die Zurückhaltung in Syrien und übrigens auch im Jemen zeigt, wie sehr die Desaster seit 2002 die Interventionspolitik diskreditiert haben, und zwar auch solche, die humanitäre Gründe haben. Der Westen, um es einfach auszudrücken, hat sich für weitere Einsätze nicht empfehlen können und seien sie auch noch so gut gemeint. Die Gesellschaften sind kriegsmüde. Unter den Mächtigen ist die Angst zu groß, erneut in unkontrollierbare Missionen gezogen zu werden.

Jetzt müssen wir ausgerechnet Putin dabei zusehen, wie er das Vakuum füllt, sich zum Kämpfer gegen das Böse stilisiert und doch nur seine ganz eigene Agenda verfolgt. Es ist eine späte, aber äußerst unangenehme Strafe für die missglückten Kriege in der Region.

Zum Autor
Veit Medick ist seit Februar 2009 Politikredakteur im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE und seit August 2015 Korrespondent in Washington.

E-Mail: Veit_Medick@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 178 Beiträge
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1. Endlich sagts mal einer
hkubin 01.10.2015
Der kurze Bericht bringt es auf den Punkt. Natürlich braucht sich der Westen nicht zu echauffieren, nachdem er eine ganze Region ziemlich planlos destabilisiert hat. Genau genommen können wir froh sein, dass die Russen zumindest versuchen, die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Und ob die derzeit von den Amerikaner gesteuerten Luftangriffe in Syrien immer nur den IS treffen, wissen wir auch nicht so genau.
2. Zustimmung
bluraypower 01.10.2015
Ich sage es nicht gern, aber es ist absolut jedes Wort hier richtig. Der Westen hat versagt oder sich falsch verhalten und jetzt ist Russland das einzige Land, das diesem Krieg eine Wende geben kann oder wir sagen es so, eventuell eine Wende geben kann. Ich bin kein Russland oder Putinfan, aber die Zeit wird zeigen ob es Russland schafft in diesem Krisengebiet aufzuräumen. Wenn Russland es nicht schafft, wer dann?
3. Viele Fehler
Wellness 01.10.2015
Es sind nicht nur die Konflikte in der Region die jede Kontrolle aussichtslos macht! Es sind die desaströsen ungezügelten Waffenlieferungen an jeden Hansel die sich gegenseitig an den Hals gehen Sicher auch die einseitigen Geschäftsabhängigkeiten wie mit denSaudis und Katar usw die Menschenrechte und Ethnien mit den Füssen treten.Aber wofür steht der Westen ? Für ungebändigte Flüchtlingsaufnahme oder doch UNO Bankets im klimatisierten Schlafsälen.Es zeigt sich das die USA sich verhoben haben.Doch auch wir mit der Afghanistan Strategie Deutschland wird am Hindukusch verteidigt in den Schreddder gehört!
4.
Whitejack 01.10.2015
Diesmal müssen wir Putin beim Scheiten zusehen, statt selbst zu scheitern. Für einige mag das schwer zu ertragen sein. Aber Putin wird sich letztlich dieselben blutigen Nasen holen. Eine schlechte Taktik wird nicht dadurch gut, dass sie jemand anderes probiert.
5. Ist doch auch so!
julian0922 01.10.2015
Wo waren die Aufschreie als die Tuerken lieber die Kurden zumbombten als die IS? Aber das war ja ok, obwohl die Welt zugeschaut hat als die Kurden Kobane gegen die IS hielten. Es ist ein Double standard zum erbrechen. Wo war die Aufregung als die USA die sogenannten Rebellen unterstuetzte, die sich dann als "Terroristen entlarvten. Auch hier double standard to the core. Und das alles nur wenn es um Syrien geht...den Krieg in Liybien und dem Irak darueber spricht man wirklich erst gar nicht...die Menschenflut aus Syrien, die nicht wegen Assad in den Westen zieht sondern wegen dem Chaos das der Westen in Syrien angezettelt hat. Aber niemand will es gewesen sein.... Da ist doch Putil wirklich lieber, denn er macht zumindest keinen Hehl daraus das er Assad unterstuetzt. Und wenn ich jetzt die kuenstliche Aufregung des Westens sehe, dann wird mir wirklich speiuebel!
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