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Streit über Bodentruppen: Russlands Premier warnt vor "Weltkrieg" wegen Syrien

Russlands Präsident Dmitrij Medwedew (Archivaufnahme): "Wollen sie einen permanenten Krieg?" Zur Großansicht
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Russlands Präsident Dmitrij Medwedew (Archivaufnahme): "Wollen sie einen permanenten Krieg?"

Russlands Ministerpräsident Medwedew hat die US-geführte Koalition in Syrien vor dem Einsatz von arabischen Bodentruppen gewarnt. Verhandlungen seien besser, als "einen neuen Weltkrieg auszulösen".

Kernige Aussagen von Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew vor der Münchner Sicherheitskonferenz, bei der es am Wochenende vor allem um den Krieg in Syrien geht: Er warnte in einem Interview die US-geführte Koalition im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) eindringlich vor der Entsendung von Bodentruppen.

Alle Seiten müssten "gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen", sagte Medwedew dem "Handelsblatt".

Russland bombardiert seit September in Syrien die Gegner von Staatschef Baschar al-Assad und unterstützt massiv den Vormarsch der Regierungstruppen auf Aleppo. Die Assad-Gegner Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate hatten zuletzt angeboten, unter US-Führung Soldaten nach Syrien zu schicken.

Doch davor warnt Medwedew: "Die Amerikaner und unsere arabischen Partner müssen es sich gut überlegen: Wollen sie einen permanenten Krieg?" Ein schneller Sieg sei nicht möglich, "besonders in der arabischen Welt - dort kämpfen alle gegen alle", zitierte ihn die Zeitung weiter. Stattdessen müssten die USA und Russland Druck auf alle Kriegsparteien ausüben, um eine Verhandlungslösung in Syrien zu erreichen.

Am Donnerstagabend kam in München die Syrien-Kontaktgruppe zusammen, um nach der Vertagung der Genfer Gespräche einen neuen Weg zum Frieden zu suchen. Medwedew führt die russische Delegation auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende.

Nato prüft offenbar Beitritt zur Anti-IS-Koalition

Die Nato erwägt derweil nach US-Angaben einen Beitritt zur internationalen Koalition gegen den IS. "Wir prüfen die Möglichkeit, dass die Nato selbst der Koalition beitritt", sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter am Donnerstag nach einem Treffen der Anti-IS-Koalition in Brüssel. Eine Teilnahme der Organisation würde dem Verbund demnach eine Reihe "einzigartiger Fähigkeiten" verleihen.

Carter nannte dabei den Aufbau von Kapazitäten bei Partnerländern, die Ausbildung von Bodentruppen und Hilfe bei der Stabilisierung. Die Beteiligung werde nun "in den kommenden Tagen und Wochen" weiter diskutiert.

Die Nato hat bisher eine direkte Teilnahme am militärischen Vorgehen gegen die IS-Dschihadisten vermieden. Dies liegt an der vielschichtigen Zusammensetzung der Anti-IS-Koalition aus rund 60 Staaten. Neben den 28 Nato-Mitgliedern gehören ihr auch zahlreiche arabische Staaten an, von denen einige Vorbehalte gegen eine direkte Nato-Beteiligung haben


Anmerkung: In einer früheren Version dieser Meldung war von US-Bodentruppen die Rede, es geht aber um arabische. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

als/AFP

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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