"Hoher Preis" Trump droht Verantwortlichen nach Gasangriff in Syrien

Der mutmaßliche Gasangriff in Syrien sorgt international für Entsetzen: US-Präsident Trump erhebt schwere Vorwürfe gegen Assads Verbündete, Damaskus weist alle Kritik zurück.

Donald Trump
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Videos zeigen Opfer, die am Boden liegen. Ihre Haut ist gelblich gefärbt, sie haben Schaum vor dem Mund. Die Aufnahmen, die die Weltöffentlichkeit aus Duma erreichen, sind nur schwer zu ertragen. Bei dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf die syrische Rebellenhochburg sollen Dutzende Menschen getötet und Hunderte verletzt worden sein.

Der Fall sorgt international für Entsetzen. Am Sonntag meldete sich US-Präsident Donald Trump zu Wort. Er gab Russlands Präsident Wladimir Putin und Iran eine Mitschuld an der mutmaßlichen Gasattacke. "Präsident Putin, Russland und Iran sind verantwortlich für die Rückendeckung des Tieres Assad", schrieb Trump auf Twitter - verbunden mit einer Drohung an die Verantwortlichen: Es werde ein "hoher Preis" zu zahlen sein.

Die USA beantragten mit weiteren Ländern zur Aufklärung des Vorfalls für Montag eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrates.

Trump forderte zudem die syrische Regierung auf, sofort "humanitäre Hilfe" zuzulassen. "Noch eine humanitäre Katastrophe ohne erkennbaren Grund. Krank!" Gegenwärtig sei das Gebiet komplett unzugänglich für die Außenwelt.

Duma ist das letzte Gebiet in der Region Ost-Ghuta, das bislang noch in der Hand der Aufständischen ist. Die Regierungsarmee von Machthaber Baschar al-Assad hatte im Februar mit einer Offensive zur Eroberung Ost-Ghutas begonnen und seither nach eigenen Angaben 95 Prozent der einstigen Rebellenenklave erobert.

Der syrischen Regierung wurde bereits wiederholt der Einsatz von chemischen Waffen in dem seit 2011 andauernden Bürgerkrieg vorgeworfen. So machte die Uno Regierungstruppen für einen Angriff mit dem Giftgas Sarin im April 2017 verantwortlich, bei dem mehr als 80 Menschen getötet wurden.

Die syrischen Hilfsorganisationen Weißhelme und Syrian American Medical Society berichteten nun in einer gemeinsamen Erklärung, nach dem Luftangriff am Samstagabend seien mehr als 500 Menschen mit Symptomen einer Chlorgasvergiftung in Behandlungszentren eingeliefert worden. Demnach starben sechs Opfer im Krankenhaus, Rettungshelfer bargen zudem 42 Leichen mit Anzeichen einer Chlorgasvergiftung aus Wohnhäusern. Das syrische Ärztenetzwerk UOSSM ging von mindestens 150 Toten aus.

Luftangriffe auf Duma
DPA

Luftangriffe auf Duma

"Es war entsetzlich. So viele Menschen rangen nach Luft", berichtete Weißhelm-Rettungshelfer Firas al-Dumi der Nachrichtenagentur AFP aus Duma. "Die meisten starben sofort. Die Mehrheit waren Frauen und Kinder."

"Zutiefst besorgt"

Das britische Außenministerium forderte eine umgehende Untersuchung der Vorwürfe. Sollten sie sich als wahr erweisen, wären sie ein "weiterer Beweis für Assads Brutalität gegenüber unschuldigen Zivilisten und die kaltschnäuzige Missachtung internationaler Normen durch seine Unterstützer", hieß es in London.

Uno-Generalsekretär António Guterres äußerte sich "zutiefst besorgt" über die Berichte. Zwar könnten die Vereinten Nationen die Berichte nicht überprüfen, aber ein nachgewiesener Einsatz von Chemiewaffen wäre "abscheulich", teilte Guterres mit. Er forderte alle Parteien in dem Bürgerkrieg auf, die Kämpfe einzustellen und humanitäre Hilfe für die Bevölkerung in Syrien zu ermöglichen.

Papst Franziskus sagte bei einer Messe auf dem Petersplatz in Rom, nichts könne den Einsatz derartiger Waffen gegen wehrlose Menschen rechtfertigen. Auch die Türkei verurteilte den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff und erklärte, es bestehe der "starke Verdacht", dass die syrische Regierung dafür verantwortlich sei. Die Internationale Organisation für ein Chemiewaffenverbot (OPCW) müsse den Vorfall untersuchen.

Das Auswärtige Amt äußerte sich ebenfalls besorgt über den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in Ost-Ghuta: "Sollte sich das bewahrheiten, worauf im Moment vieles hindeutet, dann hat das Regime - fast auf den Tag genau ein Jahr nach Chan Scheichun - erneut international geächtete Waffen eingesetzt und Unschuldige auf grausame Art und Weise getötet", sagte ein Sprecher. Das verurteile man aufs Schärfste.

Einigung auf Evakuierung?

Ein Vertreter der syrischen Regierung wies die Vorwürfe als "Farce" zurück. Die Regierungsarmee habe es bei ihrem Vorstoß in der Rebellenenklave Ost-Ghuta "nicht nötig, irgendeine chemische Substanz einzusetzen", sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

Laut Berichten der Staatsmedien soll sich die Regierung mit der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam mittlerweile auf eine Evakuierung von Duma geeinigt haben. Sämtliche verbliebenen Rebellenkämpfer sollten die vor den Toren von Damaskus gelegene Stadt binnen 48 Stunden verlassen, berichtete Sana. Dutzende Busse seien bereits in die Stadt gefahren, um die Kämpfer nach Dscharabulus in Nordsyrien zu bringen.

kev/AFP/dpa/Reuters

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