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16. April 2018, 16:47 Uhr

Syrienpolitik

Trump hört auf niemanden - nicht mal auf Trump

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Vor seiner Zeit im Weißen Haus erteilte der Geschäftsmann Trump aktiven Politikern auf Twitter ungefragt Ratschläge zu Syrien. Und heute? Macht er das Gegenteil dessen, was er damals empfahl.

Militärische Intervention der USA im Ausland? Nicht mit Donald Trump! Zumindest war das so, als er selbst noch Geschäftsmann war. Nachlesen kann man seine Ratschläge an die damalige US-Führungsriege auf seinem Twitter-Account.

Zu Syrien schien er lange eine sehr klare Haltung zu haben: Er warnte vor Militärschlägen und einem dritten Weltkrieg. Als US-Präsident hat er nun selbst erneut Ziele in Syrien angreifen lassen - und auch sonst stehen viele seiner Ratschläge von damals im krassen Gegensatz zu seinen Handlungen heute. Der Donald Trump aus dem Jahr 2013 hätte die aktuelle Politik garantiert scharf verurteilt.

"Greift Syrien nicht an"

"Greift Syrien nicht an"

Im Jahr 2013 war Trump noch strikt gegen eine Beteiligung der USA am Syrienkrieg. Er twitterte immer wieder darüber. Wie in diesem Beispiel. Trump schrieb: "Greift Syrien nicht an - der Angriff wird den USA nichts als Ärger bringen. Konzentriert euch darauf, unser Land wieder stark und großartig zu machen!"

Am vergangenen Wochenende feuerten die USA gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich Marschflugkörper auf Ziele in Syrien. Trump schrieb auf Twitter: "Ein perfekt ausgeführter Schlag gestern Abend. Danke an Frankreich und das Vereinigte Königreich für ihre Weisheit, ihre Stärke und ihr gutes Militär. Wir hätten kein besseres Ergebnis haben können. Mission erfüllt!"

"Unwissentlich in einen Dritten Weltkrieg"

"Unwissentlich in einen Dritten Weltkrieg"

2013 schrieb Trump: "Seid vorbereitet, es gibt eine kleine Chance, dass unsere furchtbare Führung uns unwissentlich in einen Dritten Weltkrieg führen könnte".

Heute sehen auch viele andere den Weltfrieden gefährdet - allerdings plagt Politiker und Journalisten auf der ganzen Welt die Sorge vor dem erratischen Mann im Weißen Haus.

Zum Beispiel, wenn Präsident Trump Russland auf Twitter droht: "Russland schwört, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien gefeuert werden. Macht euch bereit, Russland, denn sie werden kommen, nett und neu und 'smart!' Ihr solltet euch nicht mit einem Gas-Tötungstier verbünden, das seine Bevölkerung umbringt und es genießt!"

"Die Hölle wird los sein"

"Die Hölle wird los sein"

Ein paar Tage vor seiner Aufforderung aus dem September 2013, Syrien nicht anzugreifen, schrieb Trump: "Wenn die USA Syrien angreifen und die falschen Ziele treffen, Zivilisten umbringen, wird weltweit die Hölle los sein. Lasst die Finger davon und repariert die kaputten USA."

Bekanntlich unternahm Präsident Barack Obama keine militärischen Schritte gegen Syrien. Nachdem Trump selbst in Verantwortung kam, veränderte sich sein Blick auf die Dinge. Am 8. April 2018 machte Trump seinem direkten Vorgänger Vorwürfe, weil der nicht in Syrien gehandelt habe. "Wenn Präsident Obama über seine eigene rote Linie gegangen wäre, wäre das syrische Desaster schon lange vorbei! Das Tier Assad wäre Geschichte!"

"Assad wird seine chemischen Waffen nie aufgeben"

"Assad wird seine chemischen Waffen nie aufgeben"

Trump war 2013 noch der Überzeugung, dass Assad seine chemischen Waffen nie aufgeben werde. Schließlich habe er Jahre und Milliarden investiert. Andere Signale seien ein Trick.

Nach dem jüngsten Luftschlag ließ das Weiße Haus nun verlauten, dass die USA, Frankreich und England ihre "gerechte Stärke" gegen Barbarei und Brutalität eingesetzt hätten.

"Obama braucht die Zustimmung des Kongresses"

"Obama braucht die Zustimmung des Kongresses"

Im August 2013 machte Trump für den Fall eines Angriffs auf Syrien zur Bedingung, Obama müsse die Zustimmung des Kongresses einholen.

Als Präsident hat er allerdings fast fünf Jahre später diese Zustimmung nicht eingeholt, bevor er Syrien mit Tomahawks angriff. Er sieht sich im Recht und retweetete eine Aussage der amerikanischen Uno-Botschafterin Nikki Haley:

"Sieht aus, als müsste er einen Krieg oder riesigen Konflikt anzetteln"

"Sieht aus, als müsste er einen Krieg oder riesigen Konflikt anzetteln"

Diese Taktik ist unter Staatschefs beliebt: Bei innenpolitischen Konflikten eine außenpolitische Krise provozieren, die im Land für Rückhalt der Führung sorgt. Genau das könnte Obama tun, warnte Trump im Wahljahr 2012. Nun, da er selbst im Amt ist, könnte man Trump unterstellen, die Einmischung in den Krieg in Syrien zu benutzen, um vom Chaos im Weißen Haus und seinen Miseren abzulenken.

Trump sieht das natürlich nicht so. Seine Werte lägen in den Umfragen deutlich über jenen von Präsident Obama zum selben Zeitpunkt während dessen Amtszeit. Er spielt damit auf eine aktuelle Umfrage des Instituts Rasmussen an.

Doch Trump irrt: Obama verzeichnete am 13. April 2009 eine Zustimmungsrate von 55 Prozent beim gleichen Umfrageinstitut. Trump kommt derzeit auf 50 Prozent Zustimmungsrate. (Hier können Obamas Werte eingesehen werden, und hier die Zustimmungswerte von Präsident Trump). Hinzu kommt, das Rasmussen im Vergleich zu anderen Umfrageinstituten nur "likely voter" befragt - also Menschen, die angeben, zur Wahl gehen zu wollen. Die Plattform "538" mittelt alle Umfrageergebnisse zu Trumps Beliebtheit, darin kommt der derzeitige Präsident nur auf 40 Prozent Zustimmung.

Trump schreibt in seinem Tweet: "Habe gerade die 50-Prozent-Marke in der Rasmussen-Umfrage erreicht, viel höher als Obama zum selben Zeitpunkt. Mit all den falschen Meldungen und Fake News ist das schwer zu glauben! Danke Amerika, wir machen großartige Dinge."

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