Trump zu syrischen Angriffen auf Idlib "Dann werden die USA sehr wütend"

Der US-Präsident verschärft seine Warnung vor einer Offensive des syrischen Regimes auf die letzte Rebellenprovinz Idlib. Gleichzeitig dementiert Trump Berichte, wonach er Assad habe töten lassen wollen.

Syrische Oppositions-Anhänger
AFP

Syrische Oppositions-Anhänger


US-Präsident Donald Trump hat erneut vor einem Angriff der syrischen Armee auf die Rebellenprovinz Idlib gewarnt. Die USA werden "sehr wütend", wenn die syrische Regierung Zivilisten tötet, sagte Trump am Mittwoch während eines Treffens mit dem Emir von Kuwait im Weißen Haus. "Wenn es ein Gemetzel ist, wird die Welt sehr, sehr wütend werden und die Vereinigten Staaten werden auch sehr wütend werden."

Zudem bestritt der US-Präsident Berichte aus dem neuen Buch des US-Reporters Bob Woodward: Darin heißt es unter anderem, Trump habe Syriens Machthaber Baschar al-Assad 2017 nach einem Chemiewaffenangriff in Syrien töten lassen wollen. US-Verteidigungsminister James Mattis habe dies allerdings ignoriert. "Das wurde nie in Erwägung gezogen", sagte Trump nun. "Es wäre auch nicht in Betracht zu ziehen."

Trumps neue Warnung folgte dem Versprechen des Weißen Hauses am Dienstag, "schnell und angemessen" auf eine erwartete Offensive des Regimes auf die Rebellenhochburg zu reagieren. Auch am Montag hatte Trump zum Thema getwittert und Syrien, Iran und Russland vor einem Angriff in Idlib gewarnt. "Die Russen und Iraner würden einen schwerwiegenden humanitären Fehler machen, wenn sie bei dieser möglichen menschlichen Tragödie mitmachen."

Die Region um die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens ist das letzte große Gebiet des Bürgerkriegslandes, das noch von Rebellen beherrscht wird. Dominiert werden diese von dem Qaida-Ableger Haiat Tahrir al-Scham (HTS), der früheren Al-Nusra-Front. Nach Angaben der Vereinten Nationen leben 2,9 Millionen Menschen in Idlib. Unter ihnen sind rund 1,4 Millionen Binnenflüchtlinge, die vor dem Assad-Regime geflohen sind.

Das syrische Regime hat in der Region Truppen zusammengezogen und droht mit einem Angriff. Iran hatte bereits angekündigt, die syrische Führung bei der erwarteten Offensive auf die Rebellenhochburg zu unterstützen. Der Außenminister bekräftigte am Montag in Damaskus, die Region müsse "von Terroristen bereinigt" werden. Russlands Außenminister hatte die nordsyrische Provinz als "eiterndes Geschwür" bezeichnet, das liquidiert werden müsse.

Am Freitag wollen Russland und Iran als Unterstützer des Regimes und die Türkei als Schutzmacht der Opposition über die Krise in Syrien beraten. Beobachter rechnen damit, dass sich dort das Schicksal Idlibs entscheiden könnte.

Die drohende humanitäre Katastrophe bei einer Offensive gegen Idlib war am Mittwoch auch Thema beim Antrittsbesuch von Bundesaußenminister Heiko Maas in Ankara. Deutschland werde alles dafür tun, um die, "die sich um eine politische Lösung in Syrien bemühen, dabei zu unterstützen, den Angriff auf Idlib und die drohende humanitäre Katastrophe zu verhindern", sagte Maas. Sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu sagte, der drohende Angriff auf Idlib sei nicht nur Sache der Türkei, sondern der Welt. Cavusoglu wies darauf hin, dass Flüchtlinge aus der Region Idlib wahrscheinlich in die Türkei und nach Europa kommen würden.

lie/AP/dpa/AFP

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