Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Türkischer Militäreinsatz: Syrische Regierung droht Ankara mit Konsequenzen

Syrien hat den Militäreinsatz der Türkei in der Nähe von Kobane als "offensichtliche Angriffshandlung" verurteilt. Die Befreiung von Soldaten aus einer türkischen Exklave werde Folgen haben.

Damaskus/Ankara/Hamburg - Die syrische Regierung hat erbost auf den Militäreinsatz der Türkei in der Nähe der Grenzstadt Kobane reagiert. Im Staatsfernsehen wurde eine Mitteilung aus Damaskus verlesen, in der die Aktion als "offensichtliche Angriffshandlung" bezeichnet wird. Man werde Ankara für die Folgen verantwortlich machen.

In der Nacht zu Sonntag hatten rund 600 türkische Elitesoldaten Dutzende Kameraden aus einer von Kämpfern des "Islamischen Staats" (IS) belagerten Exklave befreit. Das Areal liegt im Norden Syriens. Es kamen etwa hundert militärische Fahrzeuge zum Einsatz, darunter 39 Panzer.

Die syrische Regierung teilte nun mit, ihr Konsulat in Istanbul sei zwar über die Operation informiert worden, die türkische Regierung habe aber nicht auf das Einverständnis gewartet.

Die nun zurückgeholten türkischen Soldaten bewachten die Grabstätte von Suleiman Shah, er gilt als Großvater von Osman I., dem Begründer des Osmanischen Reichs im 13. Jahrhundert. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, auch "die Reliquien" aus dem Mausoleum seien vorübergehend in die Türkei gebracht worden. Zuvor hatte Ankara erklärt, ein Angriff auf das Gelände des Mausoleums werde als Angriff auf die Türkei gewertet.

Fotostrecke

8  Bilder
Türkische Armee: Nächtlicher Einsatz in Syrien
Syrien bezweifelt dagegen, dass die Bedrohung der Grabstätte so groß war: Die Tatsache, dass der IS das Grab bisher nicht angegriffen habe, beweise "die Tiefe der Verbindungen zwischen der türkischen Regierung und der Terrororganisation". Syrien wirft der Türkei immer wieder vor, Gruppen wie den IS zu unterstützen.

Die Dschihadisten des IS und andere Extremistengruppen lehnen die Verehrung von Gräbern als Götzendienst ab. Sie haben daher bereits eine Reihe von Gräbern und Moscheen in Syrien zerstört.

Die Zeitung "Hürriyet" berichtete allerdings, der Kontakt zur Wachmannschaft sei schwierig gewesen. Die Soldaten hätten acht Monate lang nicht ausgetauscht werden können. Nach der Evakuierung sei das Mausoleum zerstört worden.

Die türkische Regierung will die Überreste von Suleiman Shah schon in wenigen Tagen zurück nach Syrien bringen und in der Region Eschme an der türkischen Grenze beisetzen lassen. Dort brachte die türkische Armee ein neues Areal unter ihre Kontrolle. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Soldaten dort die türkische Flagge hissten. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, die türkische Flagge werde nun an diesem "neuen Ort" wehen, "um die Erinnerung an unsere Vorfahren zu bewahren".

bim/AFP/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 119 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die Geister, die ich rief...
maipiu 22.02.2015
"Syrien wirft der Türkei immer wieder vor, Gruppen wie den IS zu unterstützen." Das tut nicht nur Syrien. Die türkische Unterstützung des IS ist offensichtlich. Doch nun hätte sich das rächen können. Man schafft also die "Reliquien" lieber in Sicherheit. Allerdings, da Syrien nicht mehr Herr im eigenen Haus ist, ist das auch verständlich. Diese gefährliche Politik wird Erdogan um die Ohren fliegen.
2. In einem Punkt hat Syrien doch Recht!
Valis 22.02.2015
Die Türkei und die IS machen doch teilweise gemeinsame Sache! Das IS Kämpfer auch in der Türkei behandelt worden sind und das die türkische Grenze für Nachschub der IS übertreten worden ist ist doch kein Geheimnis. Die Türkei hat meiner Meinung nach nix in der Nato zu suchen! Sie hat in Kobane Hilfe unterlassen! Sie fühlt sivh mehr mit den Terroristen verbunden als mit der Nato!
3. Assad
jamguy 22.02.2015
Was soll man auf Dem Sein Wort noch geben?Er führt längst keinen Staat mehr und ist nicht mehr als der König auf wenigen Quadratmetern.
4.
derbadener 22.02.2015
Kurzfassung : die Türken dringen 40km nach Syrien ein und anschließend annektieren sie ein weiteres Stück Syrien. . Aha ich warte jetzt nur noch etwas zu recht auf die Reaktion der Syrer und hoffe die türkischen Eliteeinheiten schlagen sich dann alleine und tapfer gegen die Syrer. Erdogan provoziert hier ganz klar den Bündnisfall.
5.
adal_ 22.02.2015
Zitat von ValisDie Türkei und die IS machen doch teilweise gemeinsame Sache! Das IS Kämpfer auch in der Türkei behandelt worden sind und das die türkische Grenze für Nachschub der IS übertreten worden ist ist doch kein Geheimnis. Die Türkei hat meiner Meinung nach nix in der Nato zu suchen! Sie hat in Kobane Hilfe unterlassen! Sie fühlt sivh mehr mit den Terroristen verbunden als mit der Nato!
Themaverfehlung. Bei der von Syrien kritisierten Kommandoaktion gegen den IS - zur Befreiung türkischer Bewacher des Suleiman-Mausoleums - machte die türkische Regierung garantiert keine gemeinsame Sache mit dem IS.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: