Beirut - Bei zwei Explosionen in der Universität im syrischen Aleppo sind mehr als 80 Menschen getötet und 160 weitere verletzt worden. Dies sagten sowohl der Assad-treue Gouverneur der gleichnamigen Provinz, Mohammed Wahid Akkad, als auch die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.
Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur dpa, die syrische Luftwaffe habe die Universität bombardiert und die Architektur-Fakultät getroffen. Daraufhin sei es zu Studentenprotesten gekommen. Auch Aktivisten gaben dem Assad-Regime die Schuld. Gouverneur Akkad sprach hingegen von einem "terroristischen Anschlag" auf die Hochschule. Dort hätten gerade Prüfungen stattgefunden, als sich das Attentat ereignete.
Aus Militärkreisen wiederum hatte es zuvor geheißen, eine von Aufständischen abgefeuerte Boden-Luft-Rakete habe ihr Ziel verfehlt und sei auf dem Campus eingeschlagen. Auch die amtliche Nachrichtenagentur Sana machte "Terrorgruppen" für die Explosionen verantwortlich, ein Begriff, den die Führung seit jeher für die bewaffneten Aufständischen benutzt. Die oppositionelle Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Ursache der Explosionen sei unklar. Auf dem Campus der Universität sind derzeit nicht nur Studenten, auch rund 30.000 Flüchtlinge aus der Umgebung sind dort untergebracht. Unter den Opfern seien auch Flüchtlinge, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Sana mit.
Die Universität hatte trotz der Kämpfe im Land zum Wintersemester wieder geöffnet. Sie befindet sich in einem von der Armee kontrollierten Stadtviertel. Dort gehen die Rebellen mit Autobomben und Selbstmordanschlägen gegen die Regierungskräfte vor. Andere Bezirke werden seit Juli von den Aufständischen kontrolliert. In der Wirtschaftsmetropole herrscht nach monatelangen Kämpfen ein Patt zwischen Regierungstruppen und Rebellen, die Stadt ist praktisch geteilt.
Russland gegen Anrufung des Internationalen Strafgerichtshofs
Landesweit wurden der Beobachtungsstelle zufolge am Dienstag bei Kämpfen und Angriffen mindestens 47 Menschen getötet. Zwölf Menschen, darunter mehrere Frauen, seien bei einem Artillerie-Angriff auf die zentrale Stadt Hula getötet worden. In al-Bab, einer von den Aufständischen kontrollierten Stadt, wurden demnach bei einem Luftangriff acht Angehörige einer Familie getötet. Die Angaben der Beobachtungsstelle können nicht überprüft werden, da das Assad-Regime keine Journalisten ins Land lässt.
Vize-Außenminister Dschihad Mokdad betonte in einem BBC-Interview, es sei vollkommen legitim, wenn sich Assad 2014 erneut zur Wahl stelle. "Warum sollten wir das ausschließen?", sagte er. Letztlich müssten die Wahlurnen über die Zukunft Syriens entscheiden. Assad regiert das Land seit 2000. Der im Februar vergangenen Jahres angenommenen Verfassung zufolge kann er noch zweimal kandidieren. Da eine Amtszeit sieben Jahre dauert, könnte er bis 2028 regieren.
Russland sprach sich unterdessen dagegen aus, den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wegen möglicher Kriegsverbrechen in Syrien anzurufen. Das sei "kontraproduktiv" und würde die Lage nur noch verschlimmern, erklärte das Außenministerium. Es reagierte auf eine entsprechende Petition von 57 Staaten, die am Montag übersandt worden war. Russland ist ebenso wie Iran ein Verbündeter Syriens.
Seit Beginn des Aufstands im März 2011 gegen Präsident Baschar al-Assad kamen mehr als 60.000 Menschen ums Leben.
fdi/AFP/Reuters/dpa/AP
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