Syrien Uno-Team in Duma beschossen, Giftgasinspektion wird verschoben

Chemiewaffenexperten sollen prüfen, ob das syrische Regime in Duma Giftgas eingesetzt hat. Doch die Mission stockt: Vorausgeschickte Sicherheitskräfte sind beschossen worden.

Der Uno-Konvoi in Syrien
AFP

Der Uno-Konvoi in Syrien


Bei einer Erkundungstour in der syrischen Stadt Duma ist ein Uno-Sicherheitsteam beschossen worden. Bei dem Zwischenfall am Dienstag sei auch ein Sprengsatz detoniert, teilte der Generaldirektor der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW), Ahmet Üzümcü, in Den Haag mit.

Die Mitglieder seien unverletzt nach Damaskus zurückgekehrt, sagte ein Uno-Vertreter. Nun solle geprüft werden, ob die Experten der OPCW am Ort eines mutmaßlichen Giftgasangriffs in Duma ihre Arbeit aufnehmen können.

Die OPCW-Ermittler waren in der vergangenen Woche nach Syrien gereist, um zu überprüfen, ob bei dem Angriff mit Dutzenden Toten in Duma Giftgas eingesetzt wurde. Die USA, Frankreich und Großbritannien flogen daraufhin in der Nacht zu Samstag einen Vergeltungsangriff auf drei Chemiewaffenanlagen des syrischen Regimes.

"Es gibt Sicherheitsbedenken in dem Team", hatte eine regierungsnahe Quelle in Syrien zuvor gesagt. Das OPCW-Team aus neun Chemiewaffenexperten verschob die Inspektion in Duma wegen des Angriffs bereits zum zweiten Mal. Eigentlich hätte die Gruppe am Mittwoch ihre Arbeit in Ost-Ghuta aufnehmen wollen. Elf Tage nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff ist zunehmend fraglich, ob davon in Duma noch Spuren zu finden sind.

Lagepläne der Gräber weitergereicht

Schon zuvor hatte sich die OPCW-Mission verzögert, da laut der Regierung auf der Straße nach Duma noch Minen geräumt werden mussten. Großbritannien und Frankreich warfen Russland und Syrien eine Behinderung der Untersuchungen vor.

Die als Weißhelme bekannte private Hilfsorganisation in Syrien hat unterdessen ihre Informationen über den mutmaßlichen Angriff an die Experten übergeben. "Dazu gehört die genaue Lage der Gräber", teilte die Gruppe mit. Diese sei geheimgehalten worden, um eine etwaige Manipulation der Beweise zu verhindern. Die Leichen hätten angesichts des schweren Bombardements schnell begraben werden müssen. Auch für eine gründliche Identifizierung der Opfer sei keine Zeit gewesen.

Die syrische Regierung und ihr Verbündeter Russland bestreiten den Einsatz von Chemiewaffen. Der syrische Uno-Botschafter Baschar al-Dschafari hatte mitgeteilt, die OPCW-Experten hätten noch nicht ihre Arbeit aufnehmen können, da sie noch auf grünes Licht des Uno-Sicherheitsteams warteten.

Al-Dschafari versicherte, dass die syrische Regierung alles tue, um die Arbeit der OPCW-Experten zu ermöglichen. Es sei aber an der Uno und der OPCW, zu entscheiden, wann das Team nach Duma reise. Der Uno-Vertreter sagte, das Sicherheitsteam bleibe vorerst bei den OPCW-Experten in Damaskus.

apr/AFP/Reuters/dpa



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