Militäroffensive im nordsyrischen Afrin Etwa 150.000 Menschen auf der Flucht

Die Lage in Afrin im Norden von Syrien wird für die Zivilbevölkerung immer bedrohlicher. Bei einem Angriff auf ein Krankenhaus wurden etliche Menschen getötet. Etwa 150.000 Zivilisten sind inzwischen auf der Flucht.

Flüchtender Junge
AFP

Flüchtender Junge


Die Flüchtlingsströme werden länger: Aus der von der Türkei belagerten kurdischen Enklave Afrin in Syrien sind nach Angaben kurdischer Stellen und oppositionsnaher Beobachter in den vergangenen Tagen mehr als 150.000 Menschen geflohen - weit mehr als bisher geschätzt. Zuletzt war von etwa 30.000 Menschen die Rede.

Ein Mitglied der kurdischen Regionalregierung sagte, die Menschen flüchteten in andere kurdisch-kontrollierte Gebiete oder in Gegenden, die von der syrischen Regierung beherrscht würden.

Die Stadt ist beinahe komplett umzingelt. Lediglich im Süden gibt es einen Fluchtkorridor, der es den Bewohnern ermöglicht, die Stadt in Richtung der von syrischen Kurden oder der syrischen Regierung von Machthaber Baschar al-Assad kontrollierten Gebiete zu verlassen. Die mehr als 150.000 Zivilisten, welche die Stadt in den vergangenen Tagen verlassen hätten, seien "über diesen Süd-Korridor" geflüchtet, hieß es von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Fotostrecke

5  Bilder
Türkische Militäroffensive: Schlacht um Afrin

Die oppositionsnahe Organisation mit Sitz in London erklärte, in der Nacht habe die Türkei Afrin erneut mit Kampfflugzeugen und Artillerie beschossen. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem Netz von Informanten vor Ort. Viele ihrer Angaben lassen sich aber nicht unabhängig überprüfen.

Das türkische Militär hat Berichte zurückgewiesen, bei seiner Offensive gegen Kurdenmilizen ein Krankenhaus in Afrin beschossen zu haben. Die Truppen führten ihre Schläge so, dass Zivilisten nicht zu Schaden kämen, erklärte das Militär über Twitter. Die Kurdenmiliz YPG und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatten der türkischen Luftwaffe vorgeworfen, Freitagnacht das größte Krankenhaus in Afrin getroffen zu haben. Dabei seien 16 Menschen getötet worden.

Die Türkei hatte im Januar im Norden Syriens eine Offensive gegen die kurdische YPG-Miliz gestartet. Mit der Militäraktion soll verhindert werden, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet.

Die Türkei sieht die YPG als verlängerten Arm der kurdischen PKK in der Türkei, die sie als Terror-Organisation einstuft. Die USA unterstützen die YPG dagegen im Kampf gegen Islamisten. Seit Beginn der Woche wird Afrin belagert.

joe/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.