Angriff auf die Stadt Duma EU und USA gehen von Chemiewaffeneinsatz in Syrien aus

Beim Angriff auf die syrische Rebellenhochburg Duma ist wohl tatsächlich Giftgas eingesetzt worden. Die USA bestreiten aber, deshalb schon einen Militärflughafen in Syrien bombardiert zu haben - wie syrische Medien behaupten.

Ein Junge wird nach dem Angriff auf die Stadt Duma wegen Atembeschwerden behandelt
DPA

Ein Junge wird nach dem Angriff auf die Stadt Duma wegen Atembeschwerden behandelt


Ein syrischer Militärflughafen ist nach Berichten staatlicher Medien in der Nacht zum Montag bombardiert worden. Mehrere Geschosse hätten den Flughafen Taifur im Zentrum des Landes getroffen, und es habe mehrere Opfer gegeben, meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Es sei davon auszugehen, dass es sich um einen US-Angriff gehandelt habe - dies wurde von den USA aber umgehend dementiert.

Libanesischen Medien zufolge hatten Bewohner nahe der südöstlichen Grenze zu Syrien in den frühen Morgenstunden Kampfjets gesichtet, was möglicherweise auf einen Angriff aus Israel hindeuten könnte.

US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag eine Warnung an Damaskus und seine Verbündeten als Reaktion auf den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf die Rebellenhochburg Duma ausgesprochen. Die Verantwortlichen müssten einen "hohen Preis" dafür zahlen, drohte er via Twitter.

Aus dem Weißen Haus hieß es, Trump habe mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron telefoniert und sich darauf verständigt, "Informationen zur Art der Attacke auszutauschen und eine starke, gemeinsame Reaktion zu koordinieren". Macron hatte mehrfach gewarnt, ein weiterer Einsatz von Chemiewaffen in Syrien sei eine "rote Linie", auf die Frankreich mit einem Militäreinsatz antworten werde.

Russland wiederum warnte die USA davor, die "fabrizierten Anschuldigungen" als "Vorwand für einen Militäreinsatz" in Syrien zu nutzen. Eine Militärintervention "unter erfundenen Vorwänden" in einem Land, wo sich "auf Bitten der legitimen syrischen Regierung russische Soldaten aufhalten", wäre "inakzeptabel und könnte schwerste Konsequenzen haben", erklärte das russische Außenministerium.

Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats

Erste Nachforschungen der USA zum Angriff auf die syrische Rebellenhochburg Duma haben den Verdacht erhärtet, dass dort Chemiewaffen eingesetzt worden sind. Auch die EU hält die Berichte über einen Giftgasangriff für glaubwürdig. Alles deute darauf hin, dass die syrische Regierung erneut Chemiewaffen eingesetzt habe, erklärte der Auswärtige Dienst der EU am Sonntag in Brüssel.

Die USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und vier weitere Staaten beantragten für Montag eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats zu dem Thema. "Der Einsatz von Chemiewaffen, um unschuldige syrische Zivilisten zu verletzen und zu töten, ist zu gewöhnlich geworden", sagte die amerikanische Uno-Botschafterin Nikki Haley mit. "Der Sicherheitsrat muss zusammenkommen und unmittelbaren Zugang für Retter fordern, eine unabhängige Untersuchung zum Hergang unterstützen und die für diese abscheuliche Tat Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen."

Syrische Rebellen und Zivilisten haben unterdessen ihren Abzug aus Duma begonnen. Laut einem Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana haben zwei Busse mit Anhängern der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam und ihren Familien die Stadt verlassen. Sie sollen in Richtung Norden in von der Opposition kontrolliertes Gebiet gebracht werden. Die Evakuierung der Stadt war mit russischer Hilfe ausgehandelt worden: Sämtliche verbliebenen Rebellenkämpfer sollen die Stadt binnen 48 Stunden verlassen.

vet/dpa/AFP/Reuters

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