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Türkei: Erdogan fordert mehr Unterstützung bei Flüchtlingshilfe

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REUTERS

Türkischer Präsident Erdogan: "Mehr Mut"

1,5 Millionen syrische Flüchtlinge sind derzeit in der Türkei, jetzt hat Präsident Erdogan die internationale Gemeinschaft zu mehr Unterstützung aufgefordert. Die EU und die Vereinten Nationen müssten "mehr Mut" bei der Flüchtlingshilfe aufbringen.

New York - Recep Tayyip Erdogan hat mehr Unterstützung für die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien gefordert. Die "reichen und starken Länder" in der Europäischen Union hätten bislang nur 130.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen, sagte der türkische Präsident bei der UN-Generaldebatte in New York. Seine Regierung habe dagegen bereits mehr als 3,5 Milliarden Dollar (2,72 Milliarden Euro) für Syrer ausgegeben, die in die Türkei geflüchtet seien.

"Wir haben 1,5 Millionen Menschen aufgenommen, die aus Syrien fliehen mussten", sagte Erdogan. "1,5 Millionen Menschen befinden sich in meinem Land, und wir geben ihnen Nahrung, Medikamente, Bildung." Neben der EU müssten auch die Vereinten Nationen "mehr Mut" bei der Flüchtlingshilfe aufbringen, sagte der Präsident.

Der Vormarsch der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) auf Städte und Dörfer im Norden Syriens hatte in der vergangenen Woche zu einem Anstieg des Flüchtlingsstroms der dort ansässigen Kurden Richtung Türkei geführt. An der Grenze spielten sich zunächst tumultartige Szenen ab, bis das Land die Flüchtlinge passieren ließ.

Die Fluchtwelle ist Folge einer IS-Offensive gegen die Stadt Ain al-Arab, die auf kurdisch Kobani heißt, an der Grenze zur Türkei. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberten IS-Kämpfer innerhalb einer Woche etwa 60 Dörfer rund um Ain al-Arab. Die Stadt Ain al-Arab war bisher vom Bürgerkrieg weitgehend verschont geblieben, weshalb rund 200.000 Vertriebene dort Zuflucht gesucht hatten. Der Vorstoß der IS-Dschihadisten zwang dann jedoch Zehntausende zur Flucht.

Mittlerweile haben die USA gemeinsam mit arabischen Verbündeten mit Luftschlägen gegen die IS-Kämpfer in Syrien begonnen. Dabei wurden am Donnerstag erstmals auch Öl-Raffinerien bombardiert. In den vergangenen zwei Tagen waren vor allem Kommandozentren, Trainingslager und Waffenarsenale der Terrororganisation die Ziele der von den USA geführten Koalition gewesen.

Bislang hat sich die Türkei noch nicht an den Kämpfen oder Luftschlägen in Syrien beteiligt, in New York schloss Erdogan eine militärische Unterstützung im Kampf gegen den IS jedoch nicht mehr aus. Vor seiner Rede in New York hatte Erdogan laut Nachrichtenagentur dpa zu Reportern gesagt, er werde nach seiner Rückkehr nach Ankara mit der Regierung beraten, wie die Türkei das internationale Vorgehen gegen den IS unterstützen könne.

Der jordanische König Abdullah II. sprach vor der UN-Vollversammlung ebenfalls das Leid der syrischen Flüchtlinge an. Die internationale Gemeinschaft müsse die humanitäre Krise mit "konzertierten Bemühungen" lösen, sagte er. "Jene, die sagen, dass sie das nichts angehe, liegen falsch. Die Sicherheit jeder Nation wird vom Schicksal des Nahen Ostens abhängen." Jordanien hat bislang fast 1,4 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk befürchtet an der syrisch-türkischen Grenze eine humanitäre Katastrophe. Für den Fall, dass sämtliche Bewohner der nordsyrischen Kurdenstadt Ain al-Arab in die Türkei flüchten, würden derzeit Notfallpläne erstellt.

bka/dpa/AFP

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1. Die Lösung
unsichtbarergeist 25.09.2014
Die Staatengemeinschaft könnte den Flüchtlingen Waffen geben und sie dabei unterstützen, ihr Land wiederzuerlangen.
2.
benjorito 25.09.2014
Ach was? Ist es nicht er gewesen, der sich jahrelang sämtliche Einmischungen in die inneren Angelegenheiten der Türkei kategorisch verbeten hat?
3. Erdogan
Finsternis 25.09.2014
Was das nicht derjenige, der sich noch kürzlich darüber aufgeregt hat, dass Fremde sich in Angelegenheiten seines Landes einmischen? Und jetzt regt er sich darüber auf, dass sich niemand einmischt. Komisches Figürchen, dieser Erdogan.
4. Türkei und Jordanien haben recht
fiji3d 25.09.2014
Meine Achtung für die Türkei und Jordanien die mit ihren eher bescheidenen Mitteln Million von Flüchtlingen helfen. Wir(Europa) sollten ihnen und den Flüchtlingen weit aus mehr helfen, wenn schon nicht aus Mitleid dann wenigstens als Dank.
5. RTE, das Opfer
optional_muenchen 25.09.2014
Keiner kann die Rolle des Opfers so vorzüglich vortragen wie RTE: es war nicht schlimm, als er die IS in der Türkei gewähren ließ, wie sie zu Ausrüstung und Rekruten gekommen ist. Es war nicht schlimm, dass Staatsanwälte und Richter, die genau das entdeckt und angeprangert haben, versetzt und entmachtet wurden. Es war nicht schlimm, dass die IS die türk. Botschaft samt Personal als Geisel genommen hat, obwohl dies zu verhindern war. Und nun ist die arme Türkei vom nicht zu erwartenden Flüchtlingsstrom überfordert und muss heldenhaft diese große Last alleine stemmen?! Armer RTE, schon wieder das Opfer... Im Juni 2011, also gerade mal vor drei Jahren, als RTE und Assad noch „Brüder“ waren, war die Welt noch in Ordnung für RTE. Als es aber auch in Syrien zum „arabischen Frühling“ kam und Assad sein Volk „beruhigen“ wollte, da hat RTE angefangen, die „Aufständischen“ zu unterstützen. Gegen seinen „Bruder“. Und jetzt möchten die Menschen, die sich vor der IS (u.a. die ehemaligen „Aufständischen“) retten wollen, ihr Leben in die Türkei retten. Quasi beim RTE. Genau der, welcher sie zuvor direkt/indirekt durch die IS hat meucheln wollen. Ironie des Schicksals? Armer RTE…
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