Syrienkrieg Frankreich macht Assad für Sarin-Angriff verantwortlich

Für den französischen Geheimdienst ist nun eindeutig belegt, dass die syrische Armee die Stadt Chan Scheichun mit dem Nervengift Sarin angegriffen hat - das soll aus Boden- und Blutproben hervorgehen.

Opfer des Sarin-Angriffs in Chan Scheichun
Edlib Media Center, via AP, File

Opfer des Sarin-Angriffs in Chan Scheichun


Französische Experten haben im Auftrag der Regierung in Paris den Giftgasangriff in der syrischen Stadt Chan Scheichun untersucht. Dafür werteten sie Bodenproben vom Tatort und das Blut eines Opfers aus. Sie kommen in einem am Mittwoch veröffentlichen Bericht zu dem Schluss, dass bei dem Angriff am 4. April zweifelsfrei das Nervengas Sarin eingesetzt wurde.

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hatte schon vor einer Woche erklärt, bei dem Angriff sei "unbestreitbar" Sarin oder eine ähnliche Substanz eingesetzt worden. Die OPCW ließ Proben von zehn Opfern des Angriffs in vier Labors untersuchen. In Frankreich wurden nun zusätzliche Analysen durchgeführt.

Für die französische Regierung ist eindeutig belegt, dass die syrische Armee den Angriff mit mehr als 80 Toten verübt hat. In den Spuren am Tatort fanden sie neben Sarin den Stoff Diisopropylmethylphosphonat (DIMP), der bei der Synthese der beiden Sarin-Ausgangsstoffe Methylphosphonsäuredifluorid und Isopropanol entsteht, sowie Hexamin. Eine ungewöhnlich hohe Konzentration dieser Chemikalie war bereits in den analysierten Proben vom Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus 2013 sowie später in den Ausschreibungsdetails zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffenbestände aufgetaucht.

Vergleich mit Angriff 2013

Laut Aussage von Ake Sellström, dem schwedischen Leiter des Uno-Untersuchungsteams, benutzte das syrische Militär Hexamin als Korrosionsschutz, um die Gefechtsköpfe vor den aggressiven Säuren zu schützen, die Teil der chemischen Zusammensetzung von Sarin sind. Es gilt gewissermaßen als eine chemische Signatur syrischen Sarins.

Die französischen Experten verglichen die Proben von Chan Scheichun zudem mit dem Inhalt einer nichtexplodierten Sarin-Granate, die das syrische Regime im April 2013 per Helikopter über der Stadt Sarakib abgeworfen hatte. "Das Sarin in der Munition, die am 4. April verwendet worden ist, wurde auf gleiche Art und Weise hergestellt wie das Sarin, das während des Angriffs des syrischen Regimes in Sarakib eingesetzt worden war", heißt es dazu in dem Bericht des französischen Außenministeriums. "Außerdem weist die Präsenz des Hexamins darauf hin, dass dieser Herstellungsprozess vom Wissenschafts- und Forschungszentrum des syrischen Regimes entwickelt wurde."

Die französischen Geheimdienste hätten zudem einen Bomber vom Typ Suchoi Su-22 identifiziert, der am Morgen des 4. April bis zu sechs Luftschläge rund um Chan Scheichun ausführte. "Der französische Geheimdienst schätzt, dass nur Baschar al-Assad und einige der einflussreichsten Mitglieder seines inneren Zirkels autorisiert sind, den Befehl zum Einsatz von Chemiewaffen geben können", heißt es in dem Papier des Außenministeriums in Paris.

Russland gibt sich unbeeindruckt

Die Theorie, dass andere Konfliktparteien das Sarin in Chan Scheichun eingesetzt hätten, halten die Franzosen "für nicht glaubwürdig". Nach Einschätzung der französischen Geheimdienste habe keine dieser Gruppen die Fähigkeit, ein Nervengas einzusetzen oder verfüge über die nötigen Luftwaffen. Das gelte auch für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die in der Region um Chan Scheichun ohnehin gar nicht präsent sei.

In dem Bericht äußert die französische Regierung große Zweifel daran, dass das Assad-Regime tatsächlich sämtliche Chemiewaffen abgegeben habe. Seit 2014 habe Damaskus mehrfach versucht, den Sarin-Ausgangsstoff Isopropanol zu beschaffen.

Das syrische Regime und die russische Regierung bestreiten, dass syrische Regierungstruppen in Chan Scheichun Giftgas eingesetzt hätten. Regierungssprecher Dimitri Peskow sagte in Moskau, daran ändere auch der französische Untersuchungsbericht nichts.

syd/AFP



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