Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Angriff auf Krankenhäuser in Syrien: Frankreich und Türkei sprechen von Kriegsverbrechen

Zerstörtes Krankenhaus in der syrischen Provinz Idlib: Internationale Kritik Zur Großansicht
DPA/MSF

Zerstörtes Krankenhaus in der syrischen Provinz Idlib: Internationale Kritik

Nach den schweren Luftangriffen auf zwei Krankenhäuser im Norden Syriens reagiert der Westen schockiert. Ankara droht Russland mit Konsequenzen. Die Reaktionen im Überblick.

Das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und seine Verbündeten haben zwei Krankenhäuser in Syriens Norden bombardiert. Bei den Angriffen kamen mehrere Menschen ums Leben, zahlreiche Personen werden noch vermisst. Die Luftschläge gegen Krankenhäuser sollen nach Ansicht von Beobachtern gezielt Angst und Schrecken in der Bevölkerung verbreiten: Sie zeigen, dass es keinen sicheren Ort vor den Angriffen des Regimes und seiner Verbündeten gibt (mehr Hintergründe zu der Kriegstaktik des Regimes lesen Sie hier).

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteile die Angriffe als "eklatante Verstöße gegen internationales Recht". Aus zahlreichen Ländern gab es ähnlich deutliche Reaktionen - und auch Assad äußerte sich. Der Überblick.

Fotostrecke

6  Bilder
Angriffe in Syrien: Krieg gegen Krankenhäuser

  • Frankreich: "Ich verurteile den gezielten Angriff auf ein Krankenhaus aufs Schärfste", heißt es in einer Mitteilung des Außenministers Jean-Marc Ayrault. Attacken wie diese seien "inakzeptabel und müssen sofort gestoppt werden". Die Bombardierung medizinischer Einrichtungen könnte laut Ayrault ein Kriegsverbrechen darstellen.
  • Türkei: Die Regierung in Ankara sprach von "offensichtlichen Kriegsverbrechen". Sollte Russland solche Attacken nicht sofort einstellen, werde es größere und ernsthaftere Konsequenzen geben, heißt es aus dem türkischen Außenministerium. Der Vorfall verschärft die ohnehin angespannte Situation zwischen Russland und der Türkei.

  • USA: Amerika verurteilte den Angriff eigenen Angaben zufolge. Dass das syrische Regime und seine Unterstützer ihre Angriffe fortsetzten, lasse Zweifel an der Entschlossenheit Russlands aufkommen, das brutale Vorgehen des Assad-Regimes gegen die eigene Bevölkerung stoppen zu wollen. Das sagte der Sprecher des US-Außenministers, John Kirby.

  • Deutschland: Außenminister Frank-Walter Steinmeier warf Russland, der Türkei und kurdischen Milizen eine Verletzung der Münchner Vereinbarungen zum Syrien-Konflikt vor. Als Teil der Absprachen seien alle Seiten aufgerufen, noch vor Eintritt der vereinbarten Feuerpause zu einer sofortigen Reduzierung der Gewalt beizutragen. Dies gelte für die militärischen Operationen Russlands und des syrischen Regimes im Raum Aleppo und jüngste Angriffe der kurdischen PYD-Milizen in Nordsyrien. Aber auch die Türkei müsse sich Zurückhaltung auferlegen.

  • Ärzte ohne Grenzen: Die Hilfsorganisation spricht von einem gezielten Schlag gegen die Einrichtungen. Durch den Angriff würden 40.000 Menschen in der Region von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten.
  • Syrien: Die jüngsten Attacken stellen die Feuerpause, auf die sich die Syrien-Kontaktgruppe geeinigt hatte, zunehmend in Frage. Für Syriens Machthaber Assad scheint ein Waffenstillstand ohnehin nicht möglich. "Jetzt sagen sie, dass sie eine Feuerpause innerhalb von einer Woche wollen", erklärte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana in einer Rede vor Juristen in Damaskus. "Gut, aber wer kann alle diese Bedingungen und Anforderungen in einer Woche zusammenfügen? Niemand."
    Assad warf dem Westen, der Türkei und Saudi-Arabien vor, den Terrorismus zu unterstützen: Jeder sei ein Terrorist, der die Waffen gegen den syrischen Staat und sein Volk erhebe.

Video: Krankenhäuser in Nordsyrien bombardiert

AFP

asc/Reuters/dpa/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Syrien-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: