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Giftgas: Frankreich überzeugt von Sarin-Einsatz in Syrien

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DPA

Zerstörungen in Damaskus: Frankreich ist von Sarin-Einsatz überzeugt

Kämpfen die Kriegsparteien in Syrien auch mit Chemiewaffen? Die Uno geht davon aus. Frankreichs Regierung erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen Assad: In mindestens einem Fall soll das Regime das Giftgas Sarin eingesetzt haben.

Paris - Die Anzeichen verdichten sich, dass im syrischen Bürgerkrieg chemische Waffen eingesetzt worden sind. Die französische Regierung teilte nun mit, sie habe sogar Gewissheit, "dass das Gas Sarin in Syrien mehrfach und lokal begrenzt eingesetzt wurde", so Außenminister Laurent Fabius. Das hätten französische Analysen ergeben.

Die Schuldigen für diesen Chemiewaffeneinsatz müssten zur Verantwortung gezogen werden, forderte Fabius. Zunächst machte er keine Angaben, ob die Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad oder die Rebellen das Gas eingesetzt hätten. Später sagte Fabius dem TV-Sender France 2, es gebe "keinen Zweifel", dass Sarin in einem Fall durch "das Regime und seine Komplizen" eingesetzt wurde.

Frankreich stehe in Gesprächen mit seinen Partnern, "alle Optionen sind auf dem Tisch", fuhr Fabius fort. Noch sei aber nicht entschieden, ob überhaupt reagiert werde und wenn ja, ob dies "auf militärische Weise dort, wo das Gas produziert, wo es gelagert wird", geschehen könnte.

Die Untersuchungsergebnisse sind laut Fabius am Dienstag dem Chef der Uno-Untersuchungskommission zum Einsatz von Chemiewaffen in Syrien, Ake Sellström, übergeben worden.

Am Morgen hatte die Uno mitgeteilt, dass es glaubwürdige Hinweise für den Einsatz von Chemiewaffen durch beide Konfliktparteien gebe. Demnach soll es sich um mindestens vier Vorfälle handeln, bei denen begrenzte Mengen eingesetzt worden seien. Die Art der Kampfstoffe, der Typ der Waffensysteme und die Urheber seien allerdings nicht bekannt. Der Uno-Verdacht richtet sich aber besonders gegen die Assad-Truppen.

Sowohl die Regierung in Damaskus als auch die Rebellen weisen die Vorwürfe zurück. US-Präsident Barack Obama hatte einen Chemiewaffeneinsatz in der Vergangenheit als "rote Linie" für ein mögliches Eingreifen in den Bürgerkrieg bezeichnet.

Allerdings verlangen die USA noch weitergehende Beweise. "Wir müssen die vorliegende Beweislage erhärten, bevor wir irgendwelche Entscheidungen treffen können", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney. Dafür seien aber "noch mehr Untersuchungen notwendig".

max/AFP/dpa

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1. Aha.
ratxi 04.06.2013
Zitat von sysopDPASetzen die Kriegsparteien in Syrien Chemiewaffen ein? Die Uno geht davon aus. Frankreichs Regierung sieht es als erwiesen an, dass das Giftgas Sarin zum Einsatz kommt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-frankreich-will-beweise-fuer-sarin-einsatz-haben-a-903805.html
"...dass es glaubwürdige Hinweise für den Einsatz von Chemiewaffen durch beide Konfliktparteien gebe." Aha. Durch beide Parteien. Und beide weisen das zurück. Man weiss also gar nichts. Aber eine rote Linie ist es trotzdem. Interessant.
2. Fragen über Fragen
Gesinnungspreusse 04.06.2013
Ich frage mich noch immer, was hat Frankreich eigentlich in Syrien verloren? Warum macht man nicht das übliche mediale Aufgeschau, wenn schon Gas eingesetzt wurde? Schließlich, ist Monsineur Hollande inzwischen so tief in der Popularität gesunken, dass er zur Ablenkung dringend einen Krieg braucht?
3. Da die in Frankreich analysierten Proben ...
ickenochmal 04.06.2013
Zitat von sysopDPASetzen die Kriegsparteien in Syrien Chemiewaffen ein? Die Uno geht davon aus. Frankreichs Regierung sieht es als erwiesen an, dass das Giftgas Sarin zum Einsatz kommt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-frankreich-will-beweise-fuer-sarin-einsatz-haben-a-903805.html
... von Französichen Journalisten stammen, die sich schon dazu geäußert haben, ist es wohl unzweifelhaft, wer dort Giftgas eingesetzt hat. Das Frankreich die Ergebnisse der UN übergibt und nicht gleich Stellung dazu bezieht, dürfte eine diplomatische Rücksicht sein und ein Abwarten bis zu einer gemeinsamen Position mit UN und Rest-Nato.
4.
krasmatthias 04.06.2013
Zitat von sysopDPASetzen die Kriegsparteien in Syrien Chemiewaffen ein? Die Uno geht davon aus. Frankreichs Regierung sieht es als erwiesen an, dass das Giftgas Sarin zum Einsatz kommt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-frankreich-will-beweise-fuer-sarin-einsatz-haben-a-903805.html
Ich hoffe Frankreich liefert das Sarin nicht selbst!? Der Aufschrei wäre wohl riesig, wenn bewiesen wäre, dass die Regierung das Gift verwendet hätte. Ich schlußfolger, dass alle wissen, dass es die Terroristen waren, daher wird nichts gesagt. Hat schon jemand recherchiert, woher das Sarin stammt, welches in der Türkei bei Mitgliedern der AlNusra Terroristen gefunden wurde? Wer beliefert die Terroristen mit Nervengift?
5. Achtung Achtung: Nebelkerzen!
observatorius 04.06.2013
Jeder kann sich ja den OHCHR Bericht herunterladen dort geht es in den Absätzen 136-140 um die Chemiewaffenfrage und dabei ist folgendes auffällig: in Abs. 137 wird zu einem Einsatz der Rebellen ohne spezifische Angabe von Anzahl und Orten tatsächlich von CHEMIEWAFFEN gesprochen. Das entspricht ziemlich dem, was Del Ponte unlängst verlautet hat. In Abs. 138 wo es um den möglichen Einsatz durch die Regierungstruppen geht, wird lediglich von LIMITED QUANTITIES OF TOXICAL CHEMICAL AGENTS gesprochen. Mit anderen Worten, von giftigen Substanzen wie z.B. Reizgasen ABER EBEN NICHT von CHEMISCHEN KAMPFSTOFFEN. Wenn die Franzosen jetzt ohne Nennung des Urhebers von SARIN (einem KAMPFSTOFF) sprechen, liegt der Schluss nahe, dass es nun weitere Evidenzen gegen die Rebellen gibt. Denn wenn es den Franzosen möglich wäre mit dem Finger auf Damaskus zu zeigen, hätten sie das bei dieser Gelegenheit wohl auch geten. Es sieht eher nach einer Nebelkerze aus um von dem OHCHR-Bericht abzulenken.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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