Giftgasangriff in Syrien "Sehr wahrscheinlich, dass Beweise verschwinden"

Ein OPCW-Team soll prüfen, ob das syrische Regime in Duma Giftgas verwendet hat - bekommt aber noch keinen Zugang zum Angriffsort. Frankreich ist sicher: In der Zwischenzeit verschwinden Beweise.

Menschen vor zerstörten Häusern in Duma
DPA

Menschen vor zerstörten Häusern in Duma


Die Ermittlungen nach dem mutmaßlichen Giftgasanschlag im syrischen Duma laufen - und aus dem Westen gibt es weiter scharfe Kritik in Richtung Russland und Syrien. Schon Großbritannien warf den beiden Nationen Behinderung der Untersuchungen vor, jetzt hat Frankreich nachgelegt.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass Beweise und wesentliche Elemente vom Ort des Angriffs verschwinden", hieß es in einer Erklärung des französischen Außenministeriums: "Zum heutigen Zeitpunkt verweigern Russland und Syrien den Kontrolleuren immer noch den Zugang zum Ort des Angriffs", hieß es weiter.

Ein Ermittlerteam der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) ist in der vergangenen Woche nach Syrien gereist, um zu überprüfen, ob bei dem Angriff mit Dutzenden Toten in Duma Giftgas eingesetzt wurde. Es sei zwingend notwendig, dass die internationalen Prüfer vor Ort forschen könnten, teilte das französische Außenministerium mit.

Macron rechtfertigt Luftangriffe

Präsident Emmanuel Macron rechtfertigte derweil die Luftangriffe westlicher Staaten in Syrien. Damit hätten sie "die Ehre der internationalen Gemeinschaft" verteidigt. Die syrische Führung habe wiederholt Giftgasanschläge gegen die eigene Bevölkerung gerichtet, auch gegen Frauen und Kinder, sagte Macron vor dem EU-Parlament in Straßburg. "Das können wir nicht dulden."

Frankreich und seine Verbündeten hätten dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad nicht den Krieg erklärt, betonte Macron. "Wir bekämpfen die Terroristen, Assad bekämpft sein Volk." Im Übrigen seien allein Chemiewaffenarsenale angegriffen worden, es habe keine Opfer gegeben. Frankreich werde seine humanitäre Tätigkeit in Syrien fortsetzen.

Merkel will Putin treffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin stimmen derweil nach Angaben der Bundesregierung überein, dass der politische Prozess zur Beilegung des Syrien-Konflikts in den Mittelpunkt aller Bemühungen gestellt werden muss. Dies hätten die beiden in ihrem Telefonat besprochen, erklärte Merkels Sprecher Steffen Seibert.

Merkel kündigte angesichts der Konflikte mit Russland an, sich bald mit Putin treffen zu wollen. "Ich glaube, wir werden uns treffen in absehbarer Zeit", sagte die CDU-Politikerin am Rande eines Treffens mit der neuseeländischen Regierungschefin Jacinda Ardern in Berlin. Ein Datum sei aber noch nicht ausgemacht worden.

Merkel verwies auf die zahlreichen "Konflikte" im Verhältnis zu Russland. Namentlich nannte sie die Syrien-Politik und das russische Vorgehen gegenüber der Ukraine. Solche Streitfragen "erfordern auch, dass man sich in absehbarer Zeit direkt austauscht", sagte die Kanzlerin.

Es sei wichtig, mit Russland "immer wieder das Gespräch zu suchen", sagte Merkel weiter. Eine Friedensregelung für Syrien etwa sei ohne Russland nicht möglich. Merkel kritisierte die Unterstützung Russlands für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Mit Blick auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Duma von Anfang April sagte sie, "dass Russland als Verbündeter Assads hier eine Mitverantwortung hat".

aev/als/Reuters/dpa



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