Krieg in Syrien: Die Rebellenkämpferinnen

Bürgerkrieg in Syrien: Rebellin aus Rache Fotos
REUTERS

Immer brutaler wird der Krieg in Syrien geführt. Auf beiden Seiten kämpfen inzwischen auch Frauen. In Aleppo trainiert eine Frauen-Miliz den Straßenkampf. Die Rebellinnen wollen Assads Soldaten aus dem Hinterhalt erschießen.

Aleppo - Vor zwei Jahren hat Umm Dschafar noch in einem Friseursalon gearbeitet. Nun hat der Krieg die junge Mutter zur Rebellenkämpferin gemacht. Ihr Mann hat ihr gezeigt, wie man nachlädt und schießt.

Zusammen mit einer Handvoll anderer Syrerinnen trainiert Umm Dschafar in den verlassenen Häusern von Aleppo für den Straßenkampf. Sie laufen von einer Deckung zur nächsten und üben das Schießen aus dem Hinterhalt. Durch Löcher, die die Rebellen in die Hauswand geschlagen haben, lugen sie nach draußen auf die Straße. Wenn sie einen verhassten regimetreuen Soldaten erspähen, drücken sie ab.

Die Rebellenkämpferinnen sind kaum als Frauen zu erkennen. Ganz in Schwarz sind sie gekleidet. Ein eng anliegendes Kopftuch verbirgt ihre Haare. Mit ihren langen Mänteln würden sie an Ninjas erinnern, wenn da nicht das islamische Glaubensbekenntnis wäre, das sie weiß auf schwarz als Stirnband tragen. "Saut al-Hak", die Stimme des Rechts, nennt sich die Miliz, der die Frauengruppe angehört.

Immer brutaler wird der Krieg in Syrien, beklagt die Uno. Das Land droht in Machtbereiche verschiedener Warlords zu zerfallen. Es bilden sich immer neue Milizen, auf beiden Seiten, weil die Menschen glauben, sich verteidigen zu müssen. Jugendliche greifen zur Waffe und auch einzelne Frauen, auf beiden Seiten.

Auch das Regime hat eine Frauen-Miliz - "Assads Löwinnen"

Erst kürzlich wurde in Homs eine Gruppe regimetreuer Syrerinnen ausgebildet, um in Zukunft Wachdienst an Straßen-Kontrollpunkten abzuhalten. Zwar gab es schon länger Frauen in der regulären syrischen Armee. Doch eine regimetreue Miliz aus Frauen, Assads Löwinnen wie sie genannt werden, hatte es vorher noch nicht gegeben. Die Frauen sollen sich freiwillig gemeldet haben. Viele von ihnen sollen aus Homs und Umgebung stammen und religiösen Minderheiten angehören. Nicht wenige in Syrien haben Angst vor den Rebellen.

Auch die Frauen auf Seiten der Rebellen greifen zu den Waffen, um sich zu verteidigen, wie sie es sehen. In den Straßen von Aleppo gehört zu ihnen "Guevara", wie die 36-Jährige ehrfürchtig genannt wird in Anspielung auf den argentinischen Guerillakämpfer.

Vor Beginn der Aufstände war die Frau mit den akkurat gezupften Augenbrauen und eleganten Lederstiefeln Englischlehrerin. Doch vor ein paar Monaten traf die syrische Luftwaffe Guevaras Haus. Ihre beiden Kinder, die zehnjährige Tochter und der siebenjährige Sohn, kamen ums Leben. Guevara schwor Rache. Sie verließ ihren Mann, der versuchte sie zu beschwichtigen, heiratete den Anführer einer Rebellengruppe und stritt so lange mit diesem, bis er ihr ein Gewehr gab, wie sie der Zeitung "The Telegraph" erzählte.

Frauen wie Umm Dschafar und Guevara sind allerdings Ausnahmen: Guevara hatte bereits vor den Aufständen in Syrien ein Trainingslager besucht. Die 36-Jährige hat palästinensische Wurzeln und wurde von der radikalislamischen Hamas ausgebildet, die vom syrischen Regime jahrelang unterstützt wurde. Der Großteil der Syrer greift auch zwei Jahre nach Beginn des Konflikts nicht zu den Waffen, sondern versucht, so gut es geht über die Runden zu kommen.

Die humanitäre Situation in Syrien verschlechtert sich zunehmend. Vier Millionen Menschen sind nach Angaben der Uno auf Hilfslieferungen angewiesen. Fast70.000 Menschen sind ums Leben gekommen. Zehntausende wurden verhaftet oder gelten als vermisst.

ras

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insgesamt 33 Beiträge
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1. danke, frau salloum
paulibahn 23.02.2013
fuer diesen "netten" artikel. löcher in häuser sprengen...sehr "nett"
2. verständlich
ziegenzuechter 23.02.2013
Zitat von sysopREUTERSImmer brutaler wird der Krieg in Syrien geführt. Auf beiden Seiten kämpfen inzwischen auch Frauen. In Aleppo trainiert eine Frauen-Miliz den Straßenkampf. Die Rebellenkämpferinnen wollen Assads Soldaten aus dem Hinterhalt erschießen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-frauen-kaempfen-an-der-front-fuer-die-rebellen-a-884091.html
,dass sich frauen finden, die bei den rebellen kämpfen. schliesslich wissen sie, dass falls sich die "rebellen" durchsetzen, dies das letzte mal ist, dass sie "arbeiten" und das haus verlassen dürfen......
3.
meinsenf1 23.02.2013
Zitat von sysopREUTERSImmer brutaler wird der Krieg in Syrien geführt. Auf beiden Seiten kämpfen inzwischen auch Frauen. In Aleppo trainiert eine Frauen-Miliz den Straßenkampf. Die Rebellenkämpferinnen wollen Assads Soldaten aus dem Hinterhalt erschießen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-frauen-kaempfen-an-der-front-fuer-die-rebellen-a-884091.html
Ohne Worte...
4.
expat_ja 23.02.2013
Zitat von sysopREUTERSImmer brutaler wird der Krieg in Syrien geführt. Auf beiden Seiten kämpfen inzwischen auch Frauen. In Aleppo trainiert eine Frauen-Miliz den Straßenkampf. Die Rebellenkämpferinnen wollen Assads Soldaten aus dem Hinterhalt erschießen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-frauen-kaempfen-an-der-front-fuer-die-rebellen-a-884091.html
Also ich verstehe das richtig? Der Großteil der Syrer hat gar kein interesse an diesem "Bürgerkrieg". Eine deutliche Mehrheit möchte nicht von "Rebellen', "Aufständischen", oder "Freiheitskämpfern" befreit werden. Endlich gibt auch SpOn das mal zu.
5. Rache
Orthoklas 23.02.2013
Im Rache schwören macht diesen Menschen niemand etwas vor - das sehen wir in nahezu allen islamisch geprägten Ländern.
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