Hamburg - Der Anführer von Syriens bewaffneter Opposition hat gedroht, den mit der Uno vereinbarten Waffenstillstand wieder aufzukündigen. Oberst Riad al-Asaad, Befehlshaber der Freien Syrischen Armee, sagte in einem Interview mit der arabischen Zeitung "Aschark al-Auwsat" vom Mittwoch: "Wir werden nicht die Arme vor der Brust verschränken. Wir können nicht tolerieren und zusehen, wenn die Morde, Verhaftungen und der Beschuss weitergehen trotz der Uno-Beobachtermission."
Die Ankündigung des Oppositionsführers ist ein weiterer Schlag für den Friedensplan des Uno-Syrien-Beauftragten Kofi Annan. Dieser sah unter anderem eine Waffenruhe vor, die in Syrien ab dem 12. April gelten sollte - die Frist hatte das syrische Regime gesetzt. Die Tage vor dem Eintritt des Waffenstillstands nutzte es für brutale Razzien im Norden des Landes.
Seit dem 12. April sterben im Durchschnitt zwar weniger Menschen in Syrien - statt rund hundert Getöteten pro Tag wie Anfang April sind es nun etwa ein Dutzend. Von einer Waffenruhe aber kann keine Rede sein. Das internationale Rote Kreuz sagte am Dienstag, die Zustände im Norden des Landes seien als Bürgerkrieg zu bezeichnen.
Bombenexplosion im Süden, Kämpfe nahe Damaskus
Rebellen-Chef Asaad versprach bisher, sich mit seinen Kämpfern an den Waffenstillstand zu halten. Allerdings ist die Freie Syrische Armee keine hierarchisch durchorganisierte Truppe. Asaad, der in der Türkei lebt, hat nicht alle bewaffneten Widerstandsgruppen in Syrien im Griff.
So kam es in den vergangengen Wochen auch weiterhin zu Bombenattentaten, zu denen sich zum Teil syrische Oppositionelle bekannten. Am Mittwoch explodierte auf einer Straße von Damaskus Richtung Süden ein Sprengsatz, als ein syrisches Militärfahrzeug darüber fuhr. Zuvor hatten Uno-Autos die Stelle passiert. Die Regimesoldaten sollten den Konvoi in die Provinz Daraa begleiten. Sechs Soldaten wurden verletzt, die Uno-Beobachter blieben unversehrt.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Anschläge am Mittwochabend. Dies könne "einen direkten Einfluss auf die Zukunft der Mission haben", sagte er. Der Angriff verdeutliche die "Schwierigkeiten und Herausforderungen", unter denen die Beobachter der Uno tätig seien, und die "wechselhafte und gefährliche Situation, in der das syrische Volk seit Monaten lebt", teilte Bans Sprecher Martin Nesirky mit.
Auch am Rande der Hauptstadt Damaskus soll am Mittwoch wieder gekämpft worden sein. Syrische Oppositionelle sagten, sie hätten in dem Vorort Irbin einen Bus regimetreuer Milizen mit Granatwerfern attackiert. Sieben Regimeanhänger seien dabei ums Leben gekommen.
Durch Angriffe des Regimes seien seit Ausrufung des Waffenstillstands im April mehr als 800 Menschen ums Leben gekommen, sagen die "Lokalen Koordinierungsräte", ein syrisches Aktivistennetzwerk. Sie werfen Kofi Annan und den Uno-Beobachtern vor, mit ihrem Einsatz die Gewalt des Regimes zu decken.
Annan verteidigt Friedensplan
Kofi Annan hält weiter an der Uno-Mission fest. Am Dienstag sagte er, die Gewalt sei zwar nach wie vor auf einem "inakzeptablen Stand". Doch die Beobachter bewirkten, dass der Konflikt nicht weiter eskaliere. Seinen Friedensplan bezeichnete er als letzte Chance für das Land, einen Bürgerkrieg noch zu verhindern. Er warnte, ein solcher Krieg würde auch auf die ganze Region Auswirkungen haben.
ras/reuters/AP
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