Montreux Syrien-Friedenskonferenz gestartet - Diplomaten skeptisch

Nach der Posse um die Teilnahme Irans hat die Friedenskonferenz für Syrien begonnen. Westliche Diplomaten gaben sich skeptisch - vor dem Konferenzgebäude demonstrierten Assad-Anhänger.

Uno-Generalsekretär Ban (Mitte) mit Außenministern Kerry, Lawrow:  Konferenz hat begonnen
REUTERS

Uno-Generalsekretär Ban (Mitte) mit Außenministern Kerry, Lawrow: Konferenz hat begonnen


Montreux - Im schweizerischen Montreux hat am Mittwochmorgen die Friedenskonferenz für Syrien begonnen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte zum Auftakt, die Konfliktparteien in Syrien könnten bei dem Treffen "einen neuen Anfang" bei der Suche nach einer Lösung für den blutigen Konflikt wagen. Er forderte, dass internationale Helfer uneingeschränkten Zugang zu den notleidenden Gebieten bekommen.

Neben Abgesandten der syrischen Regierung und der Opposition nehmen auch Vertreter von rund 40 Ländern und regionalen Staatenbünden an den Gesprächen teil. Sie sollen ein Ende des Bürgerkriegs ermöglichen. Ab Freitag sind direkte Verhandlungen zwischen dem Regime und der Opposition geplant. Sie sollen einen Waffenstillstand und die Bildung einer Übergangsregierung vereinbaren. Diplomaten erwarten allerdings keine schnellen Erfolge.

Die Konferenz hatte bis zuletzt auf der Kippe gestanden. Ban lud am Wochenende überraschend Iran ein, machte dies aber nach Boykottdrohungen der syrischen Opposition kurz darauf wieder rückgängig.

Irans Präsident Hassan Rohani äußerte am Mittwoch Zweifel am Erfolg der Konferenz. "Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass wir keine allzu großen Hoffnungen haben können, dass die Genf II-Konferenz eine Lösung für die Probleme der syrischen Bevölkerung und den Kampf gegen den Terrorismus finden wird", sagte Rohani vor der Abreise zum Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Teheran unterstützt im syrischen Bürgerkrieg die Regierung.

Steinmeier und Kerry skeptisch

Auch westliche Diplomaten dämpften die Erwartungen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Wunder wird es am heutigen Tage nicht geben. Aber dass gesprochen wird, ist wichtig genug." Ziel sei, jetzt zumindest einen "Einstieg in humanitäre Lösungen" zu bekommen.

US-Außenminister John Kerry betonte vor Beginn, es gehe bei diesen Verhandlungen nicht nur um humanitäre Fragen und lokale Waffenstillstandsvereinbarungen, sondern um eine umfassende Friedenslösung. Mehrere hundert Anhänger von Präsident Baschar al-Assad demonstrierten vor dem Konferenzgebäude. Sie riefen: "Mit unserer Seele und unserem Blut verteidigen wir dich, oh Baschar."

In Syrien herrscht seit 2011 Bürgerkrieg. Mehr als 130.000 Menschen wurden getötet. Tausende gelten als vermisst. Assad hat alle Rücktrittsforderungen bislang zurückgewiesen. Er nimmt an den Verhandlungen nicht teil.

fab/AFP/dpa

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Faceoff 22.01.2014
1. Kein Fehler
Ist vielleicht gar kein Fehler, dass die Erwartungshaltung sehr tief angesetzt wird. So können eventuelle kleine Fortschritte bereits als Erfolg gefeiert werden.
thinkrice 22.01.2014
2.
Zitat von sysopREUTERSNach der Posse um die Teilnahme Irans hat die Friedenskonferenz in Syrien begonnen. Westliche Diplomaten gaben sich skeptisch - vor dem Konferenzgebäude demonstrierten Assad-Anhänger. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-friedenskonferenz-in-montreux-hat-begonnen-a-944856.html
Die Anhänger sind bestimmt gekauft. Assad hat doch schon seit Mitte 2011 keine Anhänger mehr und bekämpft den Aufstand, als der leibhaftige Teufel, ganz alleine!
sudiso 22.01.2014
3. optional
friedenskonferenz????? mal im ernst.... dann müssten die doch jede Woche eine einberufen.... Glaubenskrieg in Irak, Afghanistan. Bürgerkrieg in Syrien. kriege in afrika.........
luigi_lucheni 22.01.2014
4.
Zitat von thinkriceDie Anhänger sind bestimmt gekauft. Assad hat doch schon seit Mitte 2011 keine Anhänger mehr und bekämpft den Aufstand, als der leibhaftige Teufel, ganz alleine!
Gekauft dürften wohl die ausländischen Söldner sein. Diese Terroristen als "Aufständische" zu bezeichnen, ist ja wohl das letzte!
ant-ipod 22.01.2014
5. Hilfe - aber für wen?
Zitat von sysopREUTERSNach der Posse um die Teilnahme Irans hat die Friedenskonferenz in Syrien begonnen. Westliche Diplomaten gaben sich skeptisch - vor dem Konferenzgebäude demonstrierten Assad-Anhänger. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-friedenskonferenz-in-montreux-hat-begonnen-a-944856.html
E ist ja schön und gut, wenn über humanitäre Hilfe gesprochen wird, denn die ist absolut notwendig in dieser zivilisatorischen Katastrophe. Vergessen sollten wir darüber bitte nicht, dass sie nur das Symptom sind - die Ursache lieg im Assad-Regime, wie John Kerry in seiner Ansprache sachlich ausformuliert hat. Mir stellt sich auch die Frage, wem da geholfen wird. Mit einiger Verwunderung sah ich Herrn Seiters gestern bei einem Interview in Damaskus weilen... er redete über die vielen tausend Helfer des syrischen Roten Halbmonds, die sich so sehr einsetzten. Ohne das Engagement dieser Individuen in irgend einer Weise schmälern zu wollen, ist auch Herrn Seiters klar, wer die Führung des syrischen Roten Halbmonds hat, in welcher Weise diese Person zum Regime steht und zu Korruption und wie dessen Bankkonten aussehen. Diese Regimeorganisation ist in ihrer derzeitigen Form keine Euro Hilfe Wert, da das Geld zum größten Teil eben nicht bei den Bedürftigen ankommt, sondern auf den Konten der "Manager" endet. Das wird Herr Seiters mit seinem Besuch nicht verhindern und deswegen wär es mehr als sinnvoll, die Hilfe zielgericheteter einzusetzen. Letztlich ist Controlling hier unerlässlich und die hierzu erforderliche Transparenz ist vom Assad-Regime nicht zu erwarten - zumindest nicht ohne Druck. Je eher wir diese simple Tatsache akzeptieren, desto konstruktiver können wir die Verhandlungen in Genf gestalten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.