Syrien-Konferenz in der Schweiz Aufmarsch der Todfeinde

Mit knallharten Positionen gehen Syriens Regime und die Opposition in die Friedensgespräche in der Schweiz. Selbst kleinste Zugeständnisse dürften den Verhandlungsführern alles abverlangen. Wer sitzt dort am Tisch - mit welcher Agenda?

Edel-Hotel und Tagungsort in Montreux: Höchste Anspannung vor der Konferenz
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Edel-Hotel und Tagungsort in Montreux: Höchste Anspannung vor der Konferenz


Allein, dass sie zusammenkommen, wird schon als Erfolg gewertet. Monatelange, mühsame Überzeugungsarbeit war nötig, um die erbitterten Feinde an einen Tisch zu bringen. Nun treffen sie sich am Mittwoch im schweizerischen Montreux zu den "Genf 2"-Friedensgesprächen für Syrien.

Erst in allerletzter Minute gelang es den USA, auch die syrische Opposition an den Verhandlungstisch zu bekommen. Erst wenn Ahmed Dscharba, Chef der oppositionellen syrischen Nationalkoalition, tatsächlich am Tisch im Luxushotel "Montreux-Palace" erscheint, werden Amerikaner und Europäer wohl aufatmen.

Seit Mai 2013 haben sich Vermittler der Uno, der USA und der Europäer sowie Russlands darum bemüht, die Konfliktparteien in Syrien zur Teilnahme an der Gesprächen über die Zukunft ihres Heimatlandes zu bewegen. Groß ist ihre Angst, dass die Gewalt in Syrien vollends außer Kontrolle gerät. Erst am Dienstag sorgten Meldungen über systematische Folter in den Assad-Gefängnissen für Aufsehen.

Sorge bereiten den internationalen Beobachtern die zunehmende Radikalisierung islamistischer Kämpfer, die Verschlechterung der Sicherheitslage in Syriens Nachbarstaaten und die sich zuspitzende humanitäre Notlage. So kann es nicht weitergehen - das ist das einzige, über das sich alle einig sind.

Die Positionen liegen weit auseinander

Fernziel der Gespräche sollen das Ende der Gewalt und die Bildung einer Übergangsregierung unter Beteiligung der Opposition sein. Doch das wird schwierig. Die Verhandlungspositionen beider Seiten sind festgefahren.

Das syrische Regime hat angekündigt, dass es in der Schweiz "auf keinen Fall Macht an irgendwen abgeben werde". Bislang hieß es auch immer, Baschar al-Assads Rolle als Präsident stehe nicht zur Debatte.

Für die Exil-Opposition dagegen ist die Abdankung Assads eine Minimalforderung. Nur dann würde es überhaupt Sinn machen, einen Übergangsprozess zu diskutieren, so die syrische Nationalkoalition. Sie ist die vom Westen anerkannte offizielle politische Opposition Syriens.

Wer sind die wichtigsten Verhandler, und was wollen sie? Klicken oder wischen Sie sich hier durch die Fotos:

Die Hauptfiguren im Syrien-Krimi
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Der Vermittler: Als Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga wird Lakhdar Brahimi den Verhandlungen in der Schweiz als Moderator vorsitzen. Der 80-Jährige ist ausgewiesener Pragmatiker, glaubt an die Losung "Sicherheit geht vor Gerechtigkeit". In seiner langen Laufbahn als Verhandler hat der Algerier immer dafür plädiert, nicht in "Gut und Böse"-Schemata zu denken und auch die Täterseite in einen Friedensprozess einzubeziehen. In jahrelanger Arbeit gelang es ihm, ein Ende des libanesischen Bürgerkrieges zu vermitteln.

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Der Assad-Mann: Mit seinem Außenminister Walid al-Muallem schickt Syriens Präsident Baschar al-Assad einen alten Haudegen in die Verhandlung. Muallem ist ein gewiefter Stratege und wird versuchen, die Gespräche immer wieder auf das Thema Terrorismus zu lenken. Er will die Angst des Westens vor Qaida-nahen Extremisten schüren und Syriens Regime als einzigen Garant für Stabilität und Sicherheit darstellen. Daran dürften auch die jüngst aufgetauchten Fotos von Folteropfern aus syrischen Gefängnissen wenig ändern. Es wird erwartet, dass das Regime sämtliche Foltervorwürfe zurückweist.

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Der Bedrängte: Als Vorsitzender der syrischen Nationalkoalition repräsentiert Ahmed al-Dscharba die vom Westen anerkannte politische Opposition. Er hat viele Rivalen innerhalb der Opposition. Sie warten nur darauf, dass er mit leeren Händen aus Genf zurückkehrt, um ihn unter Druck zu setzen. Es wird eine schwierige Mission für Dscharba. Er will den politischen Übergangsprozess in Syrien nach Assad besprechen. Doch das Regime lehnt jegliche Diskussion über einen Abtritt des Präsidenten ab.

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Die Rebellen-Finanzierer: Prinz Saud al-Faisal, Außenminister Saudi-Arabiens, gehört mit Katar zu den wichtigsten Unterstützern der Rebellen. Den Saudis ist ein schnelles Ende der Kämpfe wichtig. Sie fürchten, dass der syrische Bürgerkrieg die ganze Region destabilisiert. In der Schweiz wollen sie verhindern, dass Assad auf Zeit spielt.

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Der Verzweifelte: US-Außenminister John Kerry will verhindern, dass Washington tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen wird. Die Amerikaner sind der teuren langen Militäreinsätze im Ausland überdrüssig. Kerry machen die extremistischen Gruppen in Syrien Sorge, auch wegen des benachbarten Israel. Verzweifelt sucht der Amerikaner nach einer politischen Lösung. Dafür scheinen die USA inzwischen sogar bereit, auf Assad zuzugehen.

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Der Assad-Freund: Der russische Außenminister Sergej Lawrow kann großen Einfluss auf das syrische Regime ausüben. Zuletzt scheint er mäßigend auf die Hardliner in Damaskus eingewirkt zu haben. Er will die Verhandlungen in der Schweiz dazu nutzen, um den engen Verbündeten Assad auf der internationalen Bühne wieder als Partner im Kampf gegen den Terrorismus zu rehabilitieren.

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Der Pragmatiker: Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat wie die anderen Europäer vor allem die humanitäre Situation im Blick. "Jeder noch so kleine Fortschritt beim humanitären Zugang oder lokalen Waffenstillständen wäre schon ein Erfolg", sagte Steinmeier vor der Konferenz.



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killi 21.01.2014
1.
Es fehlen Iran und die Türkei als "Hauptakteure". Wozu überhaupt eine Sitzung wenn wichtige Verbündete aller Parteien nicht präsent sind? Syrien wird das neue Somalirak.
wer_wind-saeht 21.01.2014
2.
Den Saudis geht es also um ein schnelles Ende der Kämpfe? Dass ich nicht lache. Geld durch Öl-Verkäufe haben sie zu Hauf, die paar Almosen an die bezahlten (islamistischen) Rebellen, die in Syrien wüten, zahlen die aus der Portokasse. Viel mehr sind die Saudis doch daran interessiert, dass Syrien zerstört wird und am Boden liegt. Selbst ein Sieger Assad wäre in einem vollkommen zerstörten Syrien keine Gefahr mehr. Und vor allem kein wertvoller Verbündeter mehr für den Erzfeind Iran. Sollte Assad verlieren und Syrien liegt in Schutt und Asche, ist es den Saudis auch recht. Eine arme Bevölkerung ohne Perspektive lässt sich nur umso einfacher zum fanatischen Wahabitismus bekehren. Wenn es Saudi-Arabien wirklich darum gegangen wäre, das humanitäre Leid so gering wie möglich zu halten, dann hätten sie nicht 3 Jahre lang jeden Hinz und Kunz mit Waffen ausgestattet und die religiösen Eiferer aus den eigenen Gefängnissen an die syrische Front geschickt.
mosesham 21.01.2014
3. Es fehlen:
die Mexikaner und Griechen. Sollten die auch nicht daran teilnehmen? Oder reichen die nur Tee und Gebäck?
alexander_klein 21.01.2014
4. Witzlose Veranstaltung.
Assads Rücktritt ausgeschlossen, Assads Rücktritt Minimalforderung... was gibt es dann zu reden?
nawid36 21.01.2014
5.
Ich wünsche den Syrern Frieden und Stabilität, aber wie so aussieht so wird keinen Frieden geben, man hätte besser den Iran nicht ausgeladen, damit hat einen sehr wichtiger Akteure nicht am Tisch. Ich finde die FSA sollen sich mit Assad zusammen tun und gegen ISIS und andere Extremisten kämpfen.
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